Andreas Möller im WM-Eröffnungsspiel gegen Bolivien © David Cannon/Getty Images

DFB-Präsident Egidius Braun und Pressechef Wolfgang Niersbach liefen nach dem Vorrundenspiel gegen Südkorea nervös durch den Mannschaftsbus. Im Hotel teilte uns Egidius Braun schließlich mit: Stefan Effenberg wird suspendiert. Er hatte dem deutschen Fanblock den Mittelfinger gezeigt. Im Fernsehen habe ich die Bilder gesehen. Die Entscheidung des DFB verstand ich sofort. Andere Spieler sahen die Suspendierung kritisch. Ich kommentiere das aber nicht mehr.

Im Spiel gegen Südkorea waren wir eigentlich auf Kurs: Durch Tore von Jürgen Klinsmann und Karlheinz Riedle führten wir nach der ersten Halbzeit 3:0. Ich saß auf der Ersatzbank. Die Sonne knallte, es war unglaublich heiß: 45 Grad schätze ich. Aus Düsen, die über uns angebracht waren, spritzte kaltes Wasser. Die Erfrischung hat aber nicht viel gebracht.

"Lauft euch mal warm", schrie Nationaltrainer Berti Vogts. Wir mussten alle lachen. Bei der Hitze brauchten wir uns nicht wirklich bewegen, der Schweiß lief auch so. Ein bisschen Streching reichte aus.

In der zweiten Halbzeit drückten die Südkoreaner auf unser Tor: Sie waren flink und unglaublich konditionsstark. Zu Beginn der zweiten Halbzeit haben sie gleich zweimal getroffen. Nach dem zweiten Gegentreffer bin ich dann für Lothar Matthäus eingewechselt worden. Kurz danach wurde Stefan Effenberg ausgewechselt. Ich glaube die Fans haben ihn ausgebuht, von seiner Aktion bekam ich nichts mit.

Auf dem Platz war die Hitze kaum zu ertragen. Ich war froh, als der Schiedsrichter die Partie abgepfiffen hat. Der Schlusspfiff hat uns gerettet: 20 Minuten länger und wir hätten vielleicht noch ein Gegentor bekommen. Der Wille der Südkoreaner war unglaublich.

Die Stimmung in den USA war eigentlich gut. Ich glaube aber nicht, dass viele Amerikaner im Stadion waren. Dort haben sie so viele andere populäre Sportarten: Basketball, Football und Baseball. Für Fußball haben die Amerikaner nicht soviel übrig gehabt, dort ist es eher eine Frauensportart.

Innerhalb der Mannschaft gab es viele Konflikte. Die Stimmung war schlecht. Kein Vergleich zur Weltmeisterschaft 1990. Damals passte einfach alles. 1994 ging es meistens um die Spielerfrauen: Einige Spieler wollten ihre Frauen bei allem dabei haben. Wir haben uns damals mit Kleinigkeiten aufgehalten. Die Spieler schraubten ihre Forderungen immer höher, und der damalige Trainer Berti Vogts sah einiges zu eng.

Wir hatten eigentlich hohe Ziele und eine starke Mannschaft. Aber gegen Bulgarien verloren wir dann mit 1:2 und schieden im Viertelfinale aus. Wir wollten mindestens ins Halbfinale kommen. Der Frust saß tief: Torhüter Bodo Illgner ist direkt nach dem Spiel zurückgetreten, andere Spieler folgten ihm ein paar Wochen später.

Aufgezeichnet von Christoph Heymann

Von 1954 bis 2006: In "Mein WM-Erlebnis" berichten frühere und aktuelle Fußball-Größen über ihr ganz persönliches Erlebnis während einer Weltmeisterschaft. Morgen: Christian Wörns über einen traurigen Übergriff während der WM 1998.

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