Heimatverbunden: Marko Marin ist in Bosnien geboren, in Frankfurt am Main aufgewachsen. Seine Lieblingsstadt? Belgrad © John MacDougall/AFP/Getty Images

Zum Glück ist Oliver Kahn gerade nicht da, der hätte bestimmt wieder so schön angewidert geschnauft. Frage an Cacau : Erinnern Sie sich noch ans WM-Endspiel 2002, Brasilien gegen Deutschland? Es war jenes Endspiel, in dem besagter Nationaltorhüter a.D. nicht seinen besten Tag hatte. Na klar, antwortet Cacau. "Ich war für Brasilien, natürlich.“ Und schiebt brav hinterher: "Doch meine Geschichte und meine Ziele haben sich verändert.“ Puh, noch mal Glück gehabt.

Seit einem Jahr ist der gebürtige Brasilianer deutscher Nationalspieler, hat neulich erst gegen Malta zwei Tore erzielt und eins gegen Ungarn. Wenn der nun feststehende Kader sich auf den Weg macht nach Südafrika, sind viele Spieler dabei, die ähnliche Geschichten zu erzählen haben. Es sind Geschichten von Großeltern, die als Gastarbeiter kamen und blieben, von Aussiedlerfamilien – und manchmal auch einfach ganz normale deutsche Geschichten.

Elf der 23 Fußballer im WM-Kader der Deutschen haben einen – wie heißt das Wort so schön? – Migrationshintergrund.

Es ist eine unkomplizierte Generation von Fußballern herangereift, die vor gar nicht so langer Zeit von den Schulhöfen gekommen ist und nun das weiße DFB-Trikot überstreift. Aus aktuellem Anlass – Deutschland gewann am Donnerstag im letzten Vorbereitungsspiel gegen Bosnien-Herzegowina mit 3:1 – sei an dieser Stelle an Marko Marin erinnert, der vor ein paar Wochen seinen 21. Geburtstag gefeiert hat. Marin wurde in Gradiska, im heutigen Bosnien-Herzegowina geboren, und wuchs in Frankfurt am Main auf, dort, wo die deutsche Mannschaft heute auflaufen wird. Er hat nie für eine andere Nation gespielt, aber dass er Wurzeln im Balkan hat, betont auch Marin gern: Lieblingsstadt? Belgrad. Traumfrau? Neben Heidi Klum auch Ana Ivanovic , die serbische Tennisspielerin.

Vom Stolz auf die Heimat ihrer Eltern erzählen viele Fußballer auf ihren privaten Internetseiten. Jerome Boateng etwa schreibt auf seiner Homepage unter dem Kapitel "Von Charlottenburg in die Welt“: "Geboren in Berlin , die Wurzeln in Ghana “. Bei der WM könnte der 21-Jährige bekanntlich gegen seinen Bruder Kevin spielen, der etliche Juniorenspiele für den DFB machte, nun aber für die Heimat seines Vaters antritt, weil er nicht erst seit dem Foul an Michael Ballack beim DFB nicht mehr ganz so gern gesehen wird.