Es gibt an diesem Mittwoch vieles, gegen das Uruguay anrennen muss. Die Mannschaft spielt an diesem 16. Juni nicht nur gegen den Gastgeber Südafrika, sie spielt auch gegen die südafrikanische Geschichte. Es ist der Jahrestag des Soweto-Aufstandes, einer der entscheidenden Momente im südafrikanischen Freiheitskampf. Vor 34 Jahren erhoben sich in dem Township bei Johannesburg schwarze Schüler gegen die Pläne der Regierung, die Buren-Sprache Afrikaans als verbindliche Unterrichtssprache einzuführen. Etwa 15.000 demonstrierten am 16. Juni 1976 für ihr Recht auf Bildung. Die Polizei schlug die Proteste nieder, Hunderte junge Menschen starben.

Ein symbolträchtiger Tag also. Man sollte meinen, die Nationalelf müsste mindestens so motiviert in das Spiel gehen wie in die Eröffnungspartie gegen Mexiko. Doch es kommt anders. Nach einem Freistoß-Pingpong ohne weitere Konsequenzen zeigt sich bereits in der 8. Minute, wer in dieser Begegnung Schicksal spielen wird: Diego Forlán. Der Mann, der in der Europa League Athletico Madrid zum Titel schoss, organisiert das Angriffsspiel der Südamerikaner und verteilt gekonnt die Bälle.

Uruguay, der große Unbekannte der Gruppe A, kämpft gegen viele Vorurteile, die aus seiner Fußballgeschichte gründen. Zum Beispiel eilt den Südamerikanern der Ruf voraus, die größten Knochenbrecher auf dem Rasen zu sein. So stichelt Kommentator Tom Bartels, ein Angriff Südafrikas in der 19. Minute sei an der "körperlichen Robustheit" der Uruguayer gescheitert. Zu Unrecht!

Wenn man den "Urus" etwas vorwerfen wollte, dann höchstens, dass sie streckenweise zu kontrolliert spielen. Nach etwa 20 Minuten Hin- und Hergeschiebe im Mittelfeld fühlt man sich an Italien zu seinen besten Zeiten erinnert. (Im Übrigen klingt die Nationalhymne Uruguays wie die Ouvertüre zu einer Verdi-Oper. Zufall oder Vorsehung?)

Doch dann ist es vorbei mit dem Sekundenschlaf. Luis Suarez spielt einen langen Pass aufs Tor – und verfehlt es. Doch dann, in der 24. Minute, zieht Forlán ab: Der Ball fliegt, leicht abgefälscht, in einer wunderschönen Kurve ins südafrikanische Tor.

Zur großen Freude gesellt sich zum ersten Mal ein etwas mulmiger Gedanke: Wird Südafrika der erste WM-Gastgeber sein, der in der Vorrunde rausfliegt?

Kurz scheint es, als würde Uruguay nun wieder das Spiel verschleppen und stoisch das 1:0 halten. Doch das Gegenteil ist der Fall. In der 33. Minute zielt Suarez aufs Tor – trifft aber nur das Außennetz. Selbst die Vuvuzelas kommen nun aus dem Takt, genau wie das Spiel der südafrikanischen Mannschaft.