WM-Teams Gruppe D Ballacks Ausfall ist die Chance zum Aufbruch

Löw macht aus der Verletzung seines Stars eine Tugend. Die Aussies beflügelt Hard Rock, die Serben und Ghanaer die Euphorie ihrer Fans. Unsere Paten stellen Gruppe D vor.

Deutschland

Schlaaand!

Schlaaand!

Erst nimmt sein Stammtorwart sich das Leben, dann bricht sich dessen Nachfolger die Rippen. Als er im vorigen Herbst selbst seinen Vertrag über die WM hinaus verlängern will, platzen die Verhandlungen unter großer öffentlicher Anteilnahme mit Aplomb. Dann wird sein wichtigster, der einzige Weltklassemann im Team, kaputt getreten. Später melden sich im Wochenrhythmus weitere Leistungsträger verletzt ab. Dazu die Nachricht, das Mannschaftshotel sei noch nicht bezugsfertig. Obwohl für ihn auch der Fußballsport gewiss nicht alles ist im Leben und der Respekt vor ihm und seinem Amt zwischenzeitlich argen Belastungsproben ausgesetzt war, gibt es im Deutschland der Verantwortungsflüchtlinge wenigstens noch eine Führungsfigur von Verlass: Bundestrainer Joachim Löw bleibt im Amt.

Moritz Müller-Wirth
Moritz Müller-Wirth

Moritz Müller-Wirth ist Mitglied der Chefredaktion der ZEIT. Er begleitet die deutsche Nationalmannschaft, seit das Trainerteam Jürgen Klinsmann/Joachim Löw das Team 2004 übernahm. Sein Patenamt versieht er daher mit der gebotenen journalisitischen Unabhängigkeit. Die WM in Südafrika beobachtet er aus der heimatlichen Ferne. Im wirklichen Leben ist er Fan des Karlsruher Sport Clubs.

Wer ihn dieser Tage sieht und spricht, hat das Gefühl, dass sich Löw angesichts der Widrigkeiten, die seine Arbeit in den vergangenen Wochen umspielen, wohlfühlt wie selten in seinem Bundestrainerleben. Als Mann, dem flache Hierarchien und selbstständig handelnde Profis zu strategischen Eckpfeilern seines Spielverständnisses wurden, hat der Bundestrainer durch den Ausfall Michael Ballacks, wie es scheint, mindestens so viel gewonnen wie verloren. Verloren hat er einen "Aggressiv-Leader" (Wortschöpfung: Otmar Hitzfeld), vor allem aber eine Ikone des "Impression Managements", will sagen: Wenn Ballack aufgelaufen wäre, hätte allein der Umstand seiner physischen Präsenz dem Gegner von vornherein einen höheren Respekt eingeflößt.

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Verloren hat Löw also in der für lange Turniere erfahrungsgemäß wichtigen Kategorie "Abschreckung", gewonnen hingegen in der Abteilung "Aufbruch", mit ungewissem Ausgang: durch eine Reihe hochbegabter, in der Bundesliga erprobter, junger Führungsfiguren wie Manuel Neuer, Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger oder Philipp Lahm. Gewonnen deshalb, weil diese nun in ihre verantwortungsvollen Rollen hineingeformt werden können. Für Löw, den Fußballformer, ein Geschenk der besonderen Art.

wm-teams
Alle WM-Teams im Porträt unserer Paten

Alle WM-Teams im Porträt unserer Paten

Ob es dem Bundestrainer gelingt, bis zum Turnierstart die einzelnen Geschenkfiguren zu einem harmonierenden Ensemble zusammenzufügen? Ein frühes Aus der Löwschen Bubis in der Gruppenphase scheint ebenso denkbar wie der Titelgewinn mit einer für den deutschen Fußball neuartigen Form des "Impression Managements". In beiden Fällen würde, so viel steht fest, tags darauf die Schlagzeile lauten: Löw zurückgetreten. Da sich das keiner wünschen kann, lautet die Prognose: ehrbares Aus im Viertelfinale!  

Leser-Kommentare
    • spacko
    • 07.06.2010 um 16:16 Uhr

    "Ohne Frank Lowy würde Australien nicht an der Weltmeisterschaft in Südafrika teilnehmen."

    Eine Aussage, die von der Teilnahme der Neuseeländer ad absurdum geführt ist. Die durften sich nämlich in der Quali nur noch mit Vanuatu, Fidschi und den Salomonen messen und nicht mehr mit Australien - und sind gerade deshalb mit dabei.

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    Freier Autor

    Hallo Spacko,

    es geht um folgendes: Australien hat jahrelang die Quali-Spiele im ozeanischen Verband dominiert. Um an der WM teilnehmen zu dürfen, mussten sie aber in die Relegation gegen ein Team aus Südamerika - und scheiterten. Seitdem sich Australien im asiatischen Verband mit stärkeren Teams misst, verbesserte sich automatisch die Qualität. Und das haben sie schlussendlich Frank Lowy zu verdanken.
    Schönen Gruß aus der Sportredaktion
    Matthias Bossaller

    Freier Autor

    Hallo Spacko,

    es geht um folgendes: Australien hat jahrelang die Quali-Spiele im ozeanischen Verband dominiert. Um an der WM teilnehmen zu dürfen, mussten sie aber in die Relegation gegen ein Team aus Südamerika - und scheiterten. Seitdem sich Australien im asiatischen Verband mit stärkeren Teams misst, verbesserte sich automatisch die Qualität. Und das haben sie schlussendlich Frank Lowy zu verdanken.
    Schönen Gruß aus der Sportredaktion
    Matthias Bossaller

  1. Freier Autor

    Hallo Spacko,

    es geht um folgendes: Australien hat jahrelang die Quali-Spiele im ozeanischen Verband dominiert. Um an der WM teilnehmen zu dürfen, mussten sie aber in die Relegation gegen ein Team aus Südamerika - und scheiterten. Seitdem sich Australien im asiatischen Verband mit stärkeren Teams misst, verbesserte sich automatisch die Qualität. Und das haben sie schlussendlich Frank Lowy zu verdanken.
    Schönen Gruß aus der Sportredaktion
    Matthias Bossaller

    Antwort auf "Quatsch"

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