BaseballDie Ballet-Ikone mit Baseball-Stollen

Vor einem Jahr verpflichteten die Minnesota Twins einen deutschen Schüler und zahlten ihm 800.000 Dollar Umzugsgeld. Wie sich das Baseballtalent in den USA eingelebt hat. von 

Seit einem Jahr spielt Max Kepler-Rozycki in Amerika Baseball

Seit einem Jahr spielt Max Kepler-Rozycki in Amerika Baseball   |  © Tobias Hase/dpa

Ein Wilder aus dem Busch fuchtelt mit einem Holzprügel herum. So stellen sich Amerikaner einen deutschen Baseballspieler vor. Die Verantwortlichen der Minnesota Twins dachten vor einem Jahr anders. Sie verpflichteten den Berliner Max Kepler-Rozycki. Allein für die Unterschrift erhielt er 800.000 Dollar, so viel Geld hatte noch kein Baseballclub für einen europäischen Spieler bezahlt.

Wegen seines Wechsels zum Team der Major League Baseball (MLB) nannte ihn das Wall Street Journal: "Baryshnikov (Ballet-Ikone) mit Baseball-Stollen". Auch andere Medien überschütteten ihn mit Lob. Der 1,90-Meter-große Max Kepler-Rozycki scheint mit diesem Schritt Alles richtig gemacht zu haben. In den vergangen zwölf Monaten bestand er die Führerscheinprüfung, macht sein High-School-Diplom und wurde unter die zehn besten Nachwuchsspieler der Minnesota Twins gewählt. "Er hat mehr geschafft, als wir dachten", sagt seine Mutter Kathy Kepler, die Amerikanerin ist.

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Seit dem 24. August 2009 lebt er nun in Fort Meyers, Florida. Aus seinem Klassenzimmer sieht er den Baseballplatz, zum Training brauchte er keine Minute. "An manchen Tagen wäre ich gern in der Schule geblieben", sagt Max Kepler-Rozycki. "Ich bin oft müde gewesen." An die Hitze und die vielen neuen Menschen musste er sich erst gewöhnen. Der 17-Jährige trainiert jeden Tag, macht Krafttraining und bestreitet mehrere Spiele pro Woche. Eingelebt hat er sich inzwischen trotzdem. Er habe bereits viele Freunde gefunden und die Schule sei leichter gewesen als in Deutschland, sagt er.

Dort spielte er für den Deutschen Meister Regensburg Legionäre und besuchte das Baseball-Internat. "In Deutschland war er sportlich etwas unterfordert", sagt seine Mutter, Kathy Kepler. "Bei den Minnesota Twins ist er eines von vielen Talenten." In den Nachwuchscamps kämpft jeder Spieler für sich. Hier müssen sie schnell erwachsen werden. "Früher hat er immer gesagt: 'Ich bin so lang und dünn, ich sehe aus wie ein Freak", erzählt seine Mutter. Inzwischen hat er durch das Krafttraining zugenommen. Die Motivation kommt aus ihm selbst heraus.

Schon mit sechs Jahren, kam er in einer Schulliga in Berlin mit Baseball in Berührung. Sechs weitere Sportarten probierte er aus, irgendwann wollte er nur noch Baseball spielen. Im Alter von zehn Jahren spielte er bei den Challengers erstmals Baseball in einem Verein. 2008 folgte der Wechsel in das Sportinternat.

Seine Mutter zog gemeinsam mit ihm nach Amerika. Seine Schwester und sein Vater blieben in Deutschland. "Wir wollten Max nicht allein lassen", sagt Kathy Kepler. Sie organisierte seinen Unterricht an der High-School, koordinierte seine Termine und kümmerte sich um Besuch aus Deutschland. Ein Agent betreut die Baseballtermine, seine Mutter übernimmt den Rest des Managements.

Doch der Weg in die Amerikanische Baseballprofiliga scheint selbst für das deutsche Supertalent weit. Frühestens 2014 könnte Max Kepler-Rozycki dort auflaufen. "Ich habe keine Angst meine Jugend zu verschenken", sagt er. "Ich kämpfe mich durch, bis zu den Profis." Dazu braucht er militärische Disziplin: lange Haare und ein Bart sind verboten, ab 11 Uhr liegen die jungen Talente im Bett. Die Trainingslager sind hart, manche Spieler nennen es die Hölle. Max Kepler-Rozycki sagt, er wolle den Sprung in die MLB schaffen. "Wenn das in drei Jahren klappen würde, wäre das schon sehr gut."

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Leserkommentare
    • medscot
    • 01. August 2010 11:36 Uhr

    Ich muß zugeben, daß mir nicht bewußt war, daß die Twins in Florida trainieren. Das war aber kein Tip-fehler, oder?

    Muß für die Beziehung der Eltern bei allem STolz auf den Sohn schon schwierig sein.

    Trotzdem freut es mich für Max sehr, das kann eine tolle Erfahrung sein und es scheint so als wäre er noch recht vernünftig dabei und nicht zu verbohrt - das wäre schön.

    • Esquire
    • 01. August 2010 12:34 Uhr

    Die Mutter Amerikanerin, der Vater dem Name nach Pole. Der Sprößling ein Baseballtalent. Der Aufhänger "made in Germany".

    Ich sehe jeden Autor in der Verantwortung ein gewisses fair-play einzuhalten. Bei negativ Schlagzeilen wäre dieser junge Mann nicht deutsches Nachwuschstalent, sondern ein Jugendlicher mit Immigartionshintergrund und getrennt lebenden Eltern.

    • 42317
    • 01. August 2010 13:05 Uhr

    Eine ehrgeizige Mutter, die das Leben ihres Kindes lieber selbst plant. Ein Jugendlicher, der zumindest manchmal doch lieber in die Schule gegangen wäre, als zum Training. In die Schule, die leichter ist als in Deutschland, wo er wiederum sportlich unterfordert war.

    Das liest sich eher wie die Grundlage für ein Psychodrama, und nicht wie der Anfang einer blühenden Karriere mit Happy End. Vielleicht kommt er in ein paar Jahren auf die Idee, dass seine eigenen Wünsche und die Wünsche seiner Mutter doch nicht so gleich sind.

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    • RobJir
    • 01. August 2010 13:55 Uhr

    Das einzige, was in diesem Text zum Ausdruck kommt, ist, dass man manchmal für seine Träume Opfer bringen muss. Wie z.B. viel Training, ein Umzug usw..
    "Nothing worth having comes easy", sagen dazu die US-Amerikaner.
    Die Mutter scheint mir nur den Traum des Kindes unterstützen zu wollen, indem sie so viel hilft, wie sie kann.
    Gerade Kindern/Jugendlichen, die für eine Sache ein besonderes Talent vorweisen, (sei es sportlich, oder schulisch) hilft man am meisten, indem man dieses Talent täglich fördert und fordert. Und gerade weil den Normalbürgern so ein Talent außergewöhnlich erscheint, scheint auch die Förderung des Talents das Kind zu überfordern. Das denkt man aber auch nur, weil man als Norm einen Menschen ohne dieses extraordinäre Können als Maßstab nimmt.

    Trotzdem schöne Sache, ich hoffe, der Junge geht seinen Weg. Auf jeden Fall wird er erstmal ein amerikanisches College mit Vollstipendium besuchen können, auch das ist eine tolle Sache, falls es mit der MLB nicht klappen sollte.
    Was ich jedoch stark hoffe, ist, dass der hier erwähnte Muskelaufbau nicht auf Steroiden o.ä. basiert, schließlich ist sowas in der MLB auch Gang und Gäbe. (siehe B. Bonds)

  1. Wie entscheidet sich eigentlich im Baseball, ob jemand gut oder schlecht ist? Vor den Ball dreschen und dann losspurten ist ziemlich öde. Kein Wunder, dass die Girlies im Vorprogramm offenbar mehr Aufmerksamkeit erfahren, als die Spieler.

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    • ericzim
    • 01. August 2010 15:28 Uhr

    zunächst: girlies im vorprogramm habe ich beim baseball noch nicht gesehen, sollte es sie geben, bekommen sie jedenfalls keine große aufmerksamkeit.
    baseball besteht auch nicht nur aus "auf den ball dreschen und losspurten", da könnte man fußball auch unter "losspurten und auf den ball dreschen" zusammenfassen - ungefähr genauso spannend.
    informieren sie sich bitte erst, bevor sie unqualifizierte kommentare von sich geben. vielleicht gibt es in ihrer nähe ja einen verein, bei dem sie zu einem spiel vorbeischauen und sich einen echten einblick verschaffen können.

    • ericzim
    • 01. August 2010 15:28 Uhr

    zunächst: girlies im vorprogramm habe ich beim baseball noch nicht gesehen, sollte es sie geben, bekommen sie jedenfalls keine große aufmerksamkeit.
    baseball besteht auch nicht nur aus "auf den ball dreschen und losspurten", da könnte man fußball auch unter "losspurten und auf den ball dreschen" zusammenfassen - ungefähr genauso spannend.
    informieren sie sich bitte erst, bevor sie unqualifizierte kommentare von sich geben. vielleicht gibt es in ihrer nähe ja einen verein, bei dem sie zu einem spiel vorbeischauen und sich einen echten einblick verschaffen können.

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    "vielleicht gibt es in ihrer nähe ja einen verein, bei dem sie zu einem spiel vorbeischauen und sich einen echten einblick verschaffen können." Hab ich bereits getan und mein Urteil hat sich dadurch nur bestätigt. Ausserdem hab ich mich passend zu dem Artikel in den Wikipedia-Bericht zu Baseball eingelesen, um zu erkunden, was die Amis an diesem Sport so toll finden. Und auch da konnte ich nur eins finden: "auf den ball dreschen und losspurten". Taktische Kombinationen aus dem Spiel heraus gibt es praktisch nicht. Eine Gestaltungsmöglichkeit der Spieler ist bis auf einige wenige, ziemlich kurzatmige Details, nicht vorhanden. Räumliche Zusammenhänge und Strategien Fehlanzeige. Sollten nicht einmal Girlies im Vorprogramm auftreten würde selbst dieser triftige Grund wegfallen ins Stadion zu gehen.

  2. "vielleicht gibt es in ihrer nähe ja einen verein, bei dem sie zu einem spiel vorbeischauen und sich einen echten einblick verschaffen können." Hab ich bereits getan und mein Urteil hat sich dadurch nur bestätigt. Ausserdem hab ich mich passend zu dem Artikel in den Wikipedia-Bericht zu Baseball eingelesen, um zu erkunden, was die Amis an diesem Sport so toll finden. Und auch da konnte ich nur eins finden: "auf den ball dreschen und losspurten". Taktische Kombinationen aus dem Spiel heraus gibt es praktisch nicht. Eine Gestaltungsmöglichkeit der Spieler ist bis auf einige wenige, ziemlich kurzatmige Details, nicht vorhanden. Räumliche Zusammenhänge und Strategien Fehlanzeige. Sollten nicht einmal Girlies im Vorprogramm auftreten würde selbst dieser triftige Grund wegfallen ins Stadion zu gehen.

  3. Hallo Herr Heymann,

    die folgenden Worte sind weder böse gemeint, noch sind Sie der einzige Adressat auf Zeit-Online.
    Bereits in der Überschrift muss ich lesen: "Wie sich das Baseballtalent in den USA eingelebt hat."
    Das ist kein deutscher Hauptsatz!
    Wäre Ihr Text ein Roman, so würde ich das unter künstlerischer Freiheit verbuchen. In Ihrem Fall handelt es sich aber um einen deskriptiven Artikel.
    Wenn schon die schreibende Zunft die elementaren Regeln nicht beachten kann, ist es eigentlich nicht weiter verwunderlich, wenn bei den nachwachsenden Generationen eine abnehmende Lese- und Schreibkompetenz festgestellt werden muss.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Baseball | Minnesota | Agent | MIT | USA | Unterricht
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