Oliver Bierhoff ist als Manager dafür verantwortlich, dass alles rund um die Nationalmannschaft funktioniert. Er berät den Bundestrainer und hält ihm den Rücken frei. Gut möglich, dass sein Anteil an der Image-Verbesserung des Nationalteams ein großer ist. Eigentlich hätte sich längst einmal einer der wichtigen Fußballherren ein Herz nehmen und neben Joachim Löw auch Oliver Bierhoff danken müssen. Für die perfekte Organisation während dieser Weltmeisterschaft, für das optimale Mannschaftshotel, für die gut strukturierten Abläufe vor und nach den Spielen und für einiges mehr. Macht aber keiner.

Am vergangenen Donnerstag saß Oliver Bierhoff vor dem Restaurant des Mannschaftshotels in Südafrika . Es sollte eines dieser vielen WM-Interviews werden. Es wurde eines, dessen Veröffentlichung der Deutsche Fußball-Bund ( DFB ) und er selbst im Nachhinein untersagten. Es hätte zu viel – "inhaltlich und sprachlich" – geändert werden müssen, lautete eine Begründung des Pressesprechers. Darauf, ob die Fragen des Gesprächs veröffentlicht werden, hat der DFB allerdings keinen Einfluss.

ZEIT ONLINE: Herr Bierhoff, wo werden Sie nach der WM arbeiten?

ZEIT ONLINE: Streiten Sie sich eigentlich gerne?

ZEIT ONLINE: Sie sind ein Dickkopf?

ZEIT ONLINE: Manche sagen, Sie seien der Event-Manager der Fußballer. Stört Sie das?

ZEIT ONLINE: In welcher Situation in den vergangenen sechs Jahren hat Sie Ihr Job am meisten genervt?

ZEIT ONLINE: Sie ärgern sich also, wenn Sie morgens die Zeitung aufblättern?

Oliver Bierhoff war etwas erkältet. Einen zwanzigminütigen Frage-Antwort-Termin mit anderen Journalisten hatte er an diesem Tag schon hinter sich gebracht. Er erzählte, dass ihm diese Medientermine keinen Spaß machen. Gleich nachdem das Aufnahmegerät lief, sagte er zu, dass er darauf hinweisen werde, falls Worte fallen, die nicht veröffentlicht werden sollen.

ZEIT ONLINE: Was glauben Sie, würde sich das Image der Nationalelf ohne Sie verbessern oder verschlechtern?

ZEIT ONLINE: Aber den Posten des Managers wird es weiterhin geben?

ZEIT ONLINE: Wer ist Ihr Comic-Held?

ZEIT ONLINE: Was lesen Sie hier im Mannschaftshotel, wenn der Tag vorbei ist?

ZEIT ONLINE: Ihnen wird vorgeworfen, arrogant und gewieft zu sein. Wie viele Werbeverträge laufen eigentlich aktuell auf Ihren Namen?

ZEIT ONLINE: Was denn genau?

ZEIT ONLINE: Damals wurde Ihr Verbindung zu Nike kritisiert.

ZEIT ONLINE: Sie sagen, Ihr Image hat sich verschlechtert. Wieso eigentlich? Sind nur die Medien schuld?

ZEIT ONLINE: Das heißt, Sie wollen sagen, um Ihnen zu schaden, werden in der Presse Falschinformationen verbreitet?

Die Kontrolle des DFB über die Kommunikation ist groß

Vor mehr als zehn Jahren, kurz nach dem Höhepunkt seiner Spielerkarriere, hatte Oliver Bierhoff Geld dafür bekommen, sich vor einer Kamera mit der Hand durch sein gewaschenes und geföhntes Haar zu fahren. Der Werbespot sah gut aus. Zu gut. Wenn heute der Name Bierhoff fällt, haben viele Fans immer noch jene Föhnfrisur vor Augen.

Wer Menschen, die in der Fankurve schreien und das deutsche Team bejubeln, nach Bierhoffs Verdiensten fragt, bekommt dagegen zunächst nichts zu hören. Dann fallen viele undankbare Worte. Auch wenn man im Archiv nach Artikeln über Bierhoff sucht, findet man Interviews und Porträts, in denen er selten richtig gut wegkommt. "Smart und hart", lautet eine Schlagzeile, die es gut mit Bierhoff meint.

ZEIT ONLINE: Wer hat in Deutschland ein Interesse, die Nationalmannschaft zu schwächen?

ZEIT ONLINE: Hört sich ein wenig so an, als wären Sie es leid, sich rechtfertigen zu müssen. Sind Sie verbittert?

ZEIT ONLINE: Sie machen das jetzt seit sechs Jahren. Ist jetzt der Punkt, an dem Sie denken, auch mal was anderes zu machen?

ZEIT ONLINE: Wenn nach der WM Matthias Sammer neuer Trainer der Nationalelf werden sollte, machen Sie als Manager also nicht weiter?

ZEIT ONLINE: Joachim Löw und Sie haben in den vergangenen Jahren etwas aufgebaut. Wie schwer wäre es für eine neue Person, da weiter zu machen, wo Sie aufhören?

Der Playboy schrieb vor dieser Weltmeisterschaft, Oliver Bierhoff sei unter Deutschlands großen Fußballern der Ungeliebteste. Andere Zeitungen nannte ihn eine Ich-AG oder nur den Buhmann. Man kann den Eindruck gewinnen, dass es Menschen gibt, die froh wären, wenn Bierhoff nach der WM keinen neuen Vertrag beim DFB bekommt. Vielleicht zählt er selbst zu ihnen.

ZEIT ONLINE: Was halten Sie von der Bild-Zeitung? Kennen Sie die Journalisten, die dort über Ihre Arbeit schreiben, persönlich?

ZEIT ONLINE: War das gelogen?

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, dass die Sportredaktion der Bild-Zeitung eine politische Linie gegen Jürgen Klinsmann, gegen Löw und gegen Bierhoff verfolgt hat?

Im vergangenen halben Jahr berichteten die Bild -Zeitung und die Sport Bild neun Mal größer über Bierhoff. Von Amtsmissbrauch und persönlicher Bereicherung war die Rede. Wenn man die Artikel hintereinander legt, sehen sie wie eine Kampagne aus. Wenige Wochen vor der Weltmeisterschaft berichtete die Bild -Zeitung schließlich auf der Titelseite darüber, dass Bierhoffs Frau ihr Baby verloren habe.

Es gibt Personen, die wirken aus der Ferne arrogant, eingebildet, besserwisserisch, glatt. Wenn man sie dann jedoch trifft, ist man überrascht über ihre Offenheit und Authentizität. Oliver Bierhoff ist so einer.

Das Gespräch mit ihm dauerte nur ein knappe halbe Stunde. Bierhoff hatte sich in Rage geredet. Aber er hatte nichts gesagt, was die Fußballwelt erschüttern würde. Vielleicht wirkte er so authentisch, weil er ehrlich war. Vielleicht dürfen seine Worte deshalb nicht veröffentlicht werden.

Eigentlich wollte die Presseabteilung des DFB das Gespräch am Tag vor dem Viertelfinale freigeben. Normalerweise liest der Pressesprecher des Verbandes den vorgelegten Text gemeinsam mit dem Interviewten. Oft werden dann gerade die Textstellen gestrichen, die interessant oder kontrovers sind. Fast immer aber schickt die Pressestelle etwas zurück, das guten Gewissens veröffentlicht werden kann, weil es für die Leser einen Erkenntnisgewinn enthält.

Diesmal aber sagte der Pressesprecher des DFB, man müsste so viel ändern – dafür habe man keine Zeit, er nicht, und Oliver Bierhoff auch nicht. In den vergangenen neun Jahren sei dies nur zwei oder drei Mal vorgekommen.

Wenn man sich in die Situation Bierhoffs versetzt, lässt sich nachvollziehen, weshalb er seine so offen geäußerten Worte nicht veröffentlicht sehen will. Wenn diejenigen, die handeln, nicht mehr denen, die darüber schreiben, vertrauen können, haben sie vielleicht keine andere Wahl mehr, als sich einzumauern. Nur was, wenn die Mauern so hoch sind, dass der wahre Oliver Bierhoff gar nicht mehr zu erkennen ist?

Der DFB hat inzwischen ein eigenes Fernsehstudio. Er beschäftigt mehrere Leute in der Abteilung Medien. Die Pressekonferenzen werden im Fernsehen und im Internet live übertragen. Exklusive Interviews geben Nationalspieler häufig zuerst den PR-Redakteuren des Verbandes. Die Kontrolle über die Kommunikation ist groß. Seit etwa einem Jahr soll Oliver Bierhoff zusätzlich einen eigenen PR-Berater beschäftigen.

Zur Begründung, weshalb das Interview nicht freigegeben wurde, sagte der Pressesprecher noch: "Das ist nicht der Bierhoff, wie er sonst rüberkommt."