Gay-Games in Köln Vom Zauber der Regenbogen-Spiele

Beim größten schwul-lesbischen Sportturnier der Welt starten Sportler aus 70 Ländern. Manche müssen unerkannt bleiben, um Strafen in ihrer Heimat zu entgehen.

Der australische Wasserspringer Matthew Mitcham eröffnet am Samstag die Gay Games in Köln

Der australische Wasserspringer Matthew Mitcham eröffnet am Samstag die Gay Games in Köln

Es wird ein Sportfest ohne Zwang und getrennte Kabinen: Die Gay Games sind das größte internationale schwul-lesbische Breitensportturnier. Alle vier Jahre, im olympischen Rhythmus, finden sie statt. Dieses Jahr präsentiert sich die Veranstaltung zum ersten Mal in Deutschland, Köln. 10.000 Teilnehmer aus rund 70 Ländern werden ab Samstag erwartet. Ohne Qualifikationen oder Teilnehmerbeschränkungen konnte man sich bewerben, egal, ob heterosexuell, homosexuell, transgender oder transsexuell. Unabhängig von Religion, Nationalität, ethnischer Herkunft, der politischen Überzeugung, den athletischen Fähigkeiten, den körperlichen Möglichkeiten, dem Alter oder dem Gesundheitszustand. Die meisten Sportler starten im Fußball, Schwimmen, Tennis und Golf. Weniger, dafür umso schillernder, sind die Anhänger der Randsportarten wie Synchronschwimmen, Bridge oder Eiskunstlauf.

Gay Games

Seit ihrer Premiere 1982 in San Francisco finden die Gay Games alle vier Jahre statt. Um die Austragung der Spiele 2010 hatten sich außer Deutschland noch Johannesburg und Paris beworben. Der Zuschlag ging nach Köln, dort finden die Spiele vom 31. Juli bis zum 7. August statt. 35 Disziplinen stehen auf dem Programm.

"Schwule Eiskunstläufer lieben große Kostüme, das Scheinwerferlicht, wollen glitzern", sagt Philippe Carouge. 31 Jahre ist der hochgewachsene, schlanke Trainer alt. Als Letzter ist er an diesem Trainingsabend für die Gay Games auf die Eisfläche gekommen und hat sogleich das Wort ergriffen. "Wir haben nicht viel Zeit. Jeder macht seine Kür einmal durch. Elena, Fred, Rainer – ihr fangt an", ruft er zwischen seine Vereinsfreunde, die bereits rückwärts, vorwärts, kreiselnd über das Eisoval gleiten. Philippe Carouge wird bei den Gay Games auch eine Kür zeigen. Als Eistänzer wird er anders als Eisläufer nicht springen und hat keine akrobatischen Elemente in seinem Repertoire. Seit er fünf Jahre alt ist, steht er mit seinen dünnen langen Armen und Beinen auf dem Eis.

Im Alter von 14 Jahren betrieb er Eistanzen als Leistungssport. Zu Abiturszeiten hörte er auf. Ein Jahr später, Carouge kam gerade mit seinem damaligen Freund und jetzigen Ehemann zusammen, stellte ihm seine Trainerin im Solinger Turnerbund die Frage: "Du, da ist einer, der ist schwul – kannst du nicht mal?"

Carouge wurde Trainer, für einen Mann, dessen Traum es war, einmal bei den Gay Games zu starten. "Für eine Kür von einer Minute vierzig nach Sydney zu fliegen – das war verrückt", erzählt er. Verrückt sein, ist mittlerweile die Regel. Carouge liebt es, auf Wettbewerbe hin zu trainieren. Oder andere dort hinzuführen. Allen seinen Kölner Eiskollegen schrieb er nicht nur die Choreographie auf den Leib, sondern schneiderte ihnen teilweise auch noch ein Kostüm. Angefertigt bei Carouge Couture, dem Geschäft des selbstständigen Modedesigners.

"Eiskunstläufer sind publikumssüchtig. Bei uns ist es immer eine Spur lauter, hysterischer als bei den anderen", sagt Carouge. Und lustiger. Gerade fegt Rainer, alias der kecke Franzose, in seinem blau-weiß geringelten Shirt mit den roten Hosenträgern und der Baskenmütze übers Eis. Das Publikum johlt und klatscht. Auch Jessica und Bernd. Das Hetero-Ehepaar ist seit zwei Jahren mit dabei. Jetzt wollen sie sich bei den Gay Games messen. Zu der Musik von Rednex schieben sie als Cowgirl und Boy los. Bernd noch etwas hölzern, Jessica mutig.

Leser-Kommentare
  1. Bei den meisten Sportarten wird zwischen Männern und Frauen unterschieden. Frauen haben weniger Muskelmasse.
    Es gibt Behindertenwettkämpfe. Behinderte hätten bei normalen Wettkämpfen keine Chance.
    Warum benötigen Schwule eigene Wettkämpfe?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • jwenz
    • 30.07.2010 um 17:34 Uhr

    Darum soll es doch gehen, oder?

    • 247
    • 30.07.2010 um 19:37 Uhr

    Denn nur noch darum kann es heutzutage gehen. Sonst kann man ja gleich den Einzelsport abschaffen. Bedenken Sie, was ist im Sport heute überhaupt noch fairness? Es gibt den einen, gleichen Menschen, der durch Training zu einem besseren Sportler wird, nicht mehr; heutzutage spielen da andere Faktoren eine Rolle: welche Frau ist am nähesten dran, ein Mann zu sein, ohne juristisch keine Frau mehr zu sein, wer hat einen Gendefekt, der für mehr Blutkörperchen im Blut sorgt, welcher Sprinter ist afrikanischer, welcher Schwimmer europäischer, und schließlich, wer hat die besseren Drogen oder besseres Blut gespritzt bekommen...

    In dem sci-fi-Anime "Ghost in the Shell" wird in die Zukunft blickend auch prophezeit, dass die Paralympics mal von der Beliebtheit die neuen Olympics werden, weil dann die Behinderten mit ihren elektrischen Prothesen bessere Sportler als gesunde Menschen sein werden. Dann konkurrieren nur noch die Elektronikhersteller gegeneinander.

    Also entweder man genießt das Drama und die Körperästhetik in dem Sport, oder man lässt es ganz bleiben. Aber Fairness ist ja schon fast das Gegenteil von Sport; das kann man von ihm nicht verlangen.

    • jwenz
    • 30.07.2010 um 17:34 Uhr

    Darum soll es doch gehen, oder?

    • 247
    • 30.07.2010 um 19:37 Uhr

    Denn nur noch darum kann es heutzutage gehen. Sonst kann man ja gleich den Einzelsport abschaffen. Bedenken Sie, was ist im Sport heute überhaupt noch fairness? Es gibt den einen, gleichen Menschen, der durch Training zu einem besseren Sportler wird, nicht mehr; heutzutage spielen da andere Faktoren eine Rolle: welche Frau ist am nähesten dran, ein Mann zu sein, ohne juristisch keine Frau mehr zu sein, wer hat einen Gendefekt, der für mehr Blutkörperchen im Blut sorgt, welcher Sprinter ist afrikanischer, welcher Schwimmer europäischer, und schließlich, wer hat die besseren Drogen oder besseres Blut gespritzt bekommen...

    In dem sci-fi-Anime "Ghost in the Shell" wird in die Zukunft blickend auch prophezeit, dass die Paralympics mal von der Beliebtheit die neuen Olympics werden, weil dann die Behinderten mit ihren elektrischen Prothesen bessere Sportler als gesunde Menschen sein werden. Dann konkurrieren nur noch die Elektronikhersteller gegeneinander.

    Also entweder man genießt das Drama und die Körperästhetik in dem Sport, oder man lässt es ganz bleiben. Aber Fairness ist ja schon fast das Gegenteil von Sport; das kann man von ihm nicht verlangen.

    • jwenz
    • 30.07.2010 um 17:34 Uhr

    Darum soll es doch gehen, oder?

    Antwort auf "Absoluter Unfug"
    • 247
    • 30.07.2010 um 19:37 Uhr

    Denn nur noch darum kann es heutzutage gehen. Sonst kann man ja gleich den Einzelsport abschaffen. Bedenken Sie, was ist im Sport heute überhaupt noch fairness? Es gibt den einen, gleichen Menschen, der durch Training zu einem besseren Sportler wird, nicht mehr; heutzutage spielen da andere Faktoren eine Rolle: welche Frau ist am nähesten dran, ein Mann zu sein, ohne juristisch keine Frau mehr zu sein, wer hat einen Gendefekt, der für mehr Blutkörperchen im Blut sorgt, welcher Sprinter ist afrikanischer, welcher Schwimmer europäischer, und schließlich, wer hat die besseren Drogen oder besseres Blut gespritzt bekommen...

    In dem sci-fi-Anime "Ghost in the Shell" wird in die Zukunft blickend auch prophezeit, dass die Paralympics mal von der Beliebtheit die neuen Olympics werden, weil dann die Behinderten mit ihren elektrischen Prothesen bessere Sportler als gesunde Menschen sein werden. Dann konkurrieren nur noch die Elektronikhersteller gegeneinander.

    Also entweder man genießt das Drama und die Körperästhetik in dem Sport, oder man lässt es ganz bleiben. Aber Fairness ist ja schon fast das Gegenteil von Sport; das kann man von ihm nicht verlangen.

    Antwort auf "Absoluter Unfug"
    • 247
    • 30.07.2010 um 19:42 Uhr

    Ich wollte damit sagen, dass dann auch die Frauensportarten und Paralympics eigentlich keine Berechtigung hätten und an sich nur noch der normale Männersport unter Erlaubnis von Dopingmitteln existieren dürfte. Da es aber nicht so sein darf, können ruhig, so viele Aufteilungen und Turniere im Sport stattfinden, wie die Leute es mögen.

  2. hätten schon am Anfang schnell geklärt warum diese Spiele statt finden: "...Ohne Qualifikationen oder Teilnehmerbeschränkungen konnte man sich bewerben, egal, ob heterosexuell, homosexuell, transgender oder transsexuell. Unabhängig von Religion, Nationalität, ethnischer Herkunft, der politischen Überzeugung, den athletischen Fähigkeiten, den körperlichen Möglichkeiten, dem Alter oder dem Gesundheitszustand..."

    Nur weil man sich nicht bei den "richtigen" Olympischen Spielen qualifiziert hat, ist man schließlich kein schlechter Sportler. Hier wird einfach jedem die Möglichkeit gegeben zu zeigen wer er/sie ist und was er/sie kann.

    Ich fnde es wunderbar. Hier geht es nicht nur um einen Sieg sonder um Persönlichkeit und neue Kontakte.

    • Buh
    • 30.07.2010 um 20:48 Uhr

    Das werde ich mir aufjedenfall antun. Als Homosexuelle und Kölnerin bleibt einem fast nix anderes übrig! Ich freue mich darauf!

    Das Setup der spiele ist fast schon revolutionär. Nicht künstliche Kategorisiereungen entscheiden darüber ob ich teilnehmen darf, sondern meine lust teilzunehmen. Im "normalen" olympischen Sport kommt es immer wieder zu Problemen, weil jemand zu männlich oder zu weiblich ist, weil jemand als Behindert einegstuft wird, es für sich aber nicht ist, weil jemand als asexuel angesehen werden will, diese kategorie aber nicht existiert.

    Ausserdem ist es interessant so viele verscheidene Menschen zu sehen, die sich trotz ihrer Verschiedenheit total respektieren und freude aneinander haben. bisher hatten die Gay-Games zudem immer ein hohes Niveau. Zuschauen macht da Spaß. Und dass es keine getrennten Kabinen gibt ist auch wunderbar. Wir brauchen soetwas! Mehr dynamik, mehr Individualismus um besser in der Gruppe zu funktionieren und friedlich miteinander leben zu können.

    Respekt!

  3. @ 247: Mal so ganz nebenbei, Frauensport mit behindertensport gleichzusetzen ist schon mehr als unverschämt. Männersport dann auch noch als den "normalen Sport" zu bezeichnen, ist noch viel unverfrohrener und verrät ihr Weltbild. Sie gehören vermutlich auch zu denjenigen, vor denen Homosexuelle Angst haben müssen.

    Ich persönlich finde es schade, dass Homosexualität heute noch als Stigma gilt. Das sollte nicht sein. Die Veranstaltung finde ich super, da sie für Akzeptanz sorgt und eine schöne Möglichkeit ist, international Verbindungen zu schaffen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der von ihnen Zitierte hat nur erklärt, weshalb manche Unterscheidungen ja noch Sinn machen mögen.

    Ich persönlich halte rein gar nichts davon, ausgerechnt Gay-Games zu veranstalten, vor allem, wenn es damit nicht einmal zwangsweise was zu tun hat. Was für eine Botschaft sendet das denn aus? So mancher wird sich dann denken: Aha, die sind also doch anders, die haben sogar eigene Sportspiele.

    Warum nicht sowas wie Fun-Games oder Go-Lympics oder was auch immer. Unterschiede bekämpft man nicht, indem man sie ständig künstlich hervorhebt.

    Der von ihnen Zitierte hat nur erklärt, weshalb manche Unterscheidungen ja noch Sinn machen mögen.

    Ich persönlich halte rein gar nichts davon, ausgerechnt Gay-Games zu veranstalten, vor allem, wenn es damit nicht einmal zwangsweise was zu tun hat. Was für eine Botschaft sendet das denn aus? So mancher wird sich dann denken: Aha, die sind also doch anders, die haben sogar eigene Sportspiele.

    Warum nicht sowas wie Fun-Games oder Go-Lympics oder was auch immer. Unterschiede bekämpft man nicht, indem man sie ständig künstlich hervorhebt.

  4. eine großer wettkampf im sinne des spasses ^^. Ich würde es mir zu gern anschauen ^^ einfach des Spasses wegen :) Ich glaube das wird eine geniale Party wird es live übertragen ?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service