WM-Analyse Aktion und Reaktion
Was bleibt von der WM? Obwohl das Angriffsspiel immer variabler wird, reagierten die meisten Teams bloß. Nur eine Mannschaft wollte immer den Ball. Von O. Fritsch
© Christophe Simon/AFP/Getty Images

Spanien beherrscht Ball und Raum: Hier Carles Puyol gegen Robin van Persie
Vereinsmannschaften sind besser eingespielt als Nationalmannschaften. Daher sind, rein sportlich betrachtet, Weltmeisterschaften nicht so interessant wie die Champions League und die nationalen Ligen. Dennoch hat die WM 2010 einen spielerisch hochwertigen und gerechten Sieger gefunden: Spanien. Kein Zufall, denn die Elf besteht großteils aus Profis des FC Barcelona, des stilprägenden Vereins des vergangenen Jahrfünfts. Deutschland ist gegen Barcelona minus Messi ausgeschieden.
Wir haben ein gutes Turnier erlebt, gerade wenn man es mit den beiden vorigen vergleicht. Die Spanier haben sich zum Ende hin gesteigert, ihren Kombinationen zuzusehen, erfreut die Ästheten. Deutschland hat der Fußballwelt Höhepunkte gegen England, Argentinien und Australien beschert, dabei sechzehn Tore geschossen.
Uruguay hat im Angriff dynamisch gespielt und herrliche Treffer erzielt. Ghana war für Spannung und Drama zuständig, Argentinien zumindest unterhaltsam. Mexiko und Chile bereicherten das Turnier, obwohl sie im Achtelfinale ausschieden, mit offensiver Ausrichtung. Holland schoss immerhin das schönste Tor: das 1:0 Giovanni van Bronckhorsts gegen Uruguay aus nahezu vierzig Metern.
Taktische Trends werden an Weltmeisterschaften nicht gesetzt, sondern allenfalls nachvollzogen. Das System 4-2-3-1 ist derzeit " state of the art ", alle vier Halbfinalisten formierten sich so, ebenso drei der vier unterlegenen Viertelfinalisten. Die deutschen Ohrfeigen für England und Argentinien stehen exemplarisch für die Abkehr vom 4-4-2 und dessen Unterlegenheit.
Die Reduzierung auf eine statt zwei Spitzen darf nicht mit einer Tendenz zur Defensive verwechselt werden. Die Dreierreihe im offensiven Mittelfeld kann mit Halbstürmern besetzt sein, die abwechselnd nach vorne stoßen (etwa Lukas Podolski, Mesut Özil und Thomas Müller). Für die deutsche Elf bekamen sogar die beiden defensiven Mittelfeldspieler, vor allem Sami Khedira, den Auftrag, in den Strafraum zu gehen. Ob sich bald ein 4-2-4-0 durchsetzen wird? Es wäre die logische Folge des immer variabler werdenden Angriffsspiels.
Nichts Neues dagegen in der Verteidigung: Die Viererkette ist nach wie vor das Non-plus-Ultra – auch wenn man gespannt sein darf, wohin die Experimente des Taktikforschers Marcelo Bielsa mit der Dreierkette führen werden. Davor ordnen zwei "Sechser" den Raum vor der Abwehr. Für Spanien (Sergio Busquets und Xabi Alonso) und Deutschland eher Spielmachertypen, für Holland die Abräumer alter Schule, Nigel de Jong und Mark van Bommel, die beide im Finale hätten Rot sehen können.
- Datum 12.07.2010 - 15:28 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Schön zu lesen. Dank an Herrn/Frau O. Fritsch...
Der Kommentar von Wilson ist beim besten Willen kein Zeugnis seines Fußballsachverstandes, den er häufig an den Tag legt, wenn er nicht gerade über Deutschland schreibt. Völlig merkbefreit ist seine Einschätzung Deutschlands: Dem Führungstreffer Deutschlands ging in jedem Spiel eine Phase aggressiven Pressings und Ballbesitzes bei hoher Zirkulation voraus - gegen Argentinien entstand erst das vierte Tor durch einen Konter. Aber leider ist auch der restliche Artikel voll von Platitüden ohne Mehrwert.
Herr Fritsch, diese Dichotomie zwischen aktivem und reaktivem Fußball ist zu sehr dem Wunschdenken Menottis geschuldet, als dass sich tatsächlich die entscheidenden Entwicklungen anhand dieser Konfliktlinie zeigen würden. Jede Mannschaft reagiert nun mal auf ihren Gegner. Die verschiedenen Ansätze, in welchen Räumen einer Mannschaft an Überzahl gelegen ist, scheinen mir da von größerer Bedeutung.
Ich frage mich, wie es die Schweizer geschafft haben die Spanier zu besiegen. Die Spieler aus der Schweiz werden denen aus Spanien ja nicht überlegen sein.
Ob man den guten Herrn Hitzfeld motivieren könnte auch aus der deutschen Defensive eine "Alpenfestung" zu machen?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass das der wohl schönste Artikel der Zeit über die WM gewesen ist. Vielen Dank, es hat wirklich kurzweiligen Spaß gemacht ihn zu lesen.
Spanien ist hochwertiger Sieger, aber diese Mannschaft hatte nicht den schwersten Weg ins Finale gehabt.
Vor dem Finale war nur Deutschland der echte Schwergewicht, hatte aber vor dem Spiel mit Spanien schon 2 Fussballriese zu bewältigen. Die Kräfte, auch bei der besten Mannschaft, sind nicht unendlich. Spanier trafen so gesagt auf gute Gegner um ihre Leistung steigern zu können. Ich beobachte das seit 80er Jahre - eine Mannschaft zermürbt sich in Schlachten, "Klassikern" - andere erntet die Früchte
ihrer relativ günstigen Turnierlage, alles ist wie im Leben, gesetzmäßig, aber nicht immer gerecht. Deshalb bin ich überzeugt - es gibt Champions vor dem Finale.
Ach, wenn ich so etwas lese... “Fußballriese”... Was nützen solche Etiketten, wenn sich die Mannschaften nicht wie Riesen verhalten, konkret, im Spiel? Ihr Argument, die deutsche Mannschaft hätte sich kräftetechnisch ausgedünnt, weil sie zuvor gegen 2 “Fußballriesen” antreten musste, kann man so nicht stehen lassen. England hatte eine völlig desorganisierte Abwehr (zudem wurden ihnen motivatorisch die Füße gebrochen durch das nicht anerkannte Lampard-Tor), und Argentinien bestand nur aus Stars: überall nur Stars, aber keine Mannschaft. (Und über Australien wollen wir gar nicht erst reden.)
Dort, wo die deutsche Mannschaft mal wirklich auf einen (in diesem Turnierzusammenhang) ernsthaften Gegner stieß — Serbien nämlich — k*ckte sie gleich ab; und gegen Spanien folgerichtig auch. Die Kopie kann das Original eben nicht bezwingen. Oder, wie es ein britischer Kommentator formulierte: wer auf das Konter setzt, wird im Konter umkommen.
Ach, wenn ich so etwas lese... “Fußballriese”... Was nützen solche Etiketten, wenn sich die Mannschaften nicht wie Riesen verhalten, konkret, im Spiel? Ihr Argument, die deutsche Mannschaft hätte sich kräftetechnisch ausgedünnt, weil sie zuvor gegen 2 “Fußballriesen” antreten musste, kann man so nicht stehen lassen. England hatte eine völlig desorganisierte Abwehr (zudem wurden ihnen motivatorisch die Füße gebrochen durch das nicht anerkannte Lampard-Tor), und Argentinien bestand nur aus Stars: überall nur Stars, aber keine Mannschaft. (Und über Australien wollen wir gar nicht erst reden.)
Dort, wo die deutsche Mannschaft mal wirklich auf einen (in diesem Turnierzusammenhang) ernsthaften Gegner stieß — Serbien nämlich — k*ckte sie gleich ab; und gegen Spanien folgerichtig auch. Die Kopie kann das Original eben nicht bezwingen. Oder, wie es ein britischer Kommentator formulierte: wer auf das Konter setzt, wird im Konter umkommen.
Das, was mich an dem Artikel am meisten beeindruckt, ist das Wort "Jahrfünft". Ich werds mir merken. Mal sehn, ob die Tendenz zur Bilanzierung weiter intlationiert..., so dass wir bald "Jahrzweite" huldigen.
Ach, wenn ich so etwas lese... “Fußballriese”... Was nützen solche Etiketten, wenn sich die Mannschaften nicht wie Riesen verhalten, konkret, im Spiel? Ihr Argument, die deutsche Mannschaft hätte sich kräftetechnisch ausgedünnt, weil sie zuvor gegen 2 “Fußballriesen” antreten musste, kann man so nicht stehen lassen. England hatte eine völlig desorganisierte Abwehr (zudem wurden ihnen motivatorisch die Füße gebrochen durch das nicht anerkannte Lampard-Tor), und Argentinien bestand nur aus Stars: überall nur Stars, aber keine Mannschaft. (Und über Australien wollen wir gar nicht erst reden.)
Dort, wo die deutsche Mannschaft mal wirklich auf einen (in diesem Turnierzusammenhang) ernsthaften Gegner stieß — Serbien nämlich — k*ckte sie gleich ab; und gegen Spanien folgerichtig auch. Die Kopie kann das Original eben nicht bezwingen. Oder, wie es ein britischer Kommentator formulierte: wer auf das Konter setzt, wird im Konter umkommen.
Der "ernste Gegner", den Sie da benennen, ...mir war so, als war da nach der Vorrunde schon Schluss. Gabs ein Nebenanturnier für "ernste Serben"? Und sicherlich finden Sie auch, dass wahre Größe nur die "ernsten" Schweizer hatten...., weil die ja gegen "ernste" Spanier gewonnen hatten. Tolle Analyse Ihrerseits. Fast blieb mir das Lachen im Halse stecken.
Der "ernste Gegner", den Sie da benennen, ...mir war so, als war da nach der Vorrunde schon Schluss. Gabs ein Nebenanturnier für "ernste Serben"? Und sicherlich finden Sie auch, dass wahre Größe nur die "ernsten" Schweizer hatten...., weil die ja gegen "ernste" Spanier gewonnen hatten. Tolle Analyse Ihrerseits. Fast blieb mir das Lachen im Halse stecken.
Die Analyse zu dieser WM greift viel zu kurz. Das dabei nicht auf Pressing. Kompaktheit oder Passspiel eingegangen wird, spricht schon für sich. Stattdessen ernsthaft von einer Entwicklung zu einem sonderbaren 4-2-4-0 zu reden, gibt zu denken.
1. Die erfolgreichen Mannschaften dieser WM waren in der Lage ihre Gegner in deren Hälfte mit klug eingesetzen Pressing unter Druck zu setzen und die Defensive bereits in den vordere Mannschaftsreihen beginnen zu lassen. (Die „Defensive“ besteht nicht nur aus der Abwehrreihe).
Wichtig ist dabei ein geschlossenes & kompaktes Auftreten der gesamten Mannschaft, bei dem alle Mannschaftsteile wie ein einzelner Körper auftreten. Argentinien hat das stark vernachlässigt und wurde bestraft.
Die Spanier sind darin die stärkste Mannschaft, ihr kompaktes Pressing weit in gegnerischer Hälfte mit perfekter Raumaufteilung gegen D war von einer anderen Welt und gab der DFB-Elf keinen Raum ihr Spiel aufzuziehen (vgl auch die ersten 20 min des CL-Spiels 2010 Arsenal-Barca).
2. Wichtig an diesem Turnier war eine gute Technik. Das junge deutsche Team, genauso, wie die Holländer und die Spanier waren enorm ballsicher und präzise in den Pässen. Wenige Fehler im Mittelfeld, präzise & schnelle Pässe in den Angriff waren entscheidend. Negativbeispiel hier: England.
Was Herr Wilson angeht, da stimme ich erz zu. Den deutschen Elf zu unterstellen, sie wollten an diesem Turnier nicht Fussball spielen ist einfach nur albern.
Warum habe ich nur 1500 Zeichen?!?
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