"Es muss Sabbatjahre geben, in denen man etwas zurückschraubt."
Zehn Medaillen haben die Deutschen bei der EM 2006 gewonnen, unter die besten drei Nationen wollen Harksen und Czingon auch dieses Jahr kommen. Auf eine genaue Medaillenzahl will sich keiner festlegen. Aber wer sie holen kann, die Medaillen, das ist leicht aufzuzählen. Bartels, Robert Harting (Diskus), Ariane Friedrich (Hochsprung), Nadine Müller (Diskus), Carolin Nytra (Hürdensprint) und Christian Reif (Weitsprung) gehören zum Beispiel dazu.
Sie müssen ein Plansoll erfüllen, anders geht es nicht. "Unsere Sponsoren wären sicher nicht begeistert, wenn wir 2010 als Zwischenjahr verkaufen würden", sagt Harksen. Vor den TV-Anstalten ganz zu schweigen. Gerade nach der glanzvollen WM in Berlin muss der DLV die Gunst der Stunde nutzen und die eigene Sportart gut präsentieren. Und der Kampf um TV-Präsenz ist hart. Aber Fernsehen und Sponsoren wären noch viel weniger begeistert, wenn bei der WM 2011 und bei Olympia 2012 ausgelaugte Athleten anträten oder verletzte überhaupt nicht starten könnten. Vor diesem Problem stehen Czingon und Harksen. Kein einziger deutscher Zehnkämpfer startet in Barcelona, alle sind verletzt. Hochspringer Raul Spank, WM-Dritter von 2009: wegen Verletzung EM-Norm nicht erfüllt. Weitspringer Sebastian Bayer, Hallen-Europarekordler: nach langer Verletzung EM-Norm nicht geschafft. Ein kleiner Ausschnitt der Ausfälle.
"Die Aufeinanderfolge von WM 2007, Olympia 2008 und WM 2009 haben die Athleten stark gefordert", sagt Czingon. „Es gibt mehr Probleme, Verletzungen auszukurieren, als wir erwartet hatten.“ Spank fällt ihm spontan als Beispiel ein. Deshalb hat er auch Verständnis für Schwarzkopf. Wegen einer Schleimbeutelentzündung hatte die Siebenkämpferin bei der WM 2009 nach drei Disziplinen aufgegeben. „Wir dürfen nicht jeden Höhepunkt mit aller Macht ansteuern wollen“, sagt Czingon. "Es muss Sabbatjahre geben, in denen man etwas zurückschraubt." Nur zu viele sollten dies nicht tun, sonst bekommt er Probleme.
Ältere Athleten, die enorm beansprucht sind, könnten zum Beispiel bei der Hallensaison zurückschrauben. Das ist eine der Überlegungen von Czingon. „Der Verschleiß, den wir produzieren, und die Defizite im Studium und Beruf werden irgendwann so groß, dass der Athlet sich diesen Freiraum zwangsweise nehmen muss“, sagt er auch.
Sebastian Bayer fliegt auf jeden Fall nach Barcelona, auch ohne Norm. Für Samstag ist ein Ticket gebucht. Da steigt das Finale der Hürdensprinterinnen. Carolin Nytra soll da eine Medaille holen. Bayers Freundin.
- Datum 26.07.2010 - 15:57 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Wie bei vielen Dingen steht in Deutschland die Vermarktung und das Geld im Vordergrund so auch im Sport. Wo sind unsere (ob Ost- oder Westdeutschland) mal so bedeutungsvollen 100m-,200m-, 400m H-, 800m-, 1500m-, oder 5000m-Läufer gebleben? Wir haben keine gute Nachwuchsarbeit in Deutschland. Ich sehe keinen Fortschritt in der Leichtathletik in D. England, Frankreich, Belgien, Russland ja sogar in der Türkei sind gute Fortschritte erkennbar. Die 100m-Läuferin oder der Weitspringer werden vermarktet und dann sind sie weg vom Fenster. Hätte M. Sammer sein Konzept der Herausbildung von Nachwuchsmannschaften nicht verwirklicht, hätten wir 2010 im Fussball trotz schneller Eindeutschung von türkischen und afrikanischen Spielern kein Sommermärchen (ein furchtbares Wort) erlebt. Es bestimmt in der deutschen Leichtathletik nicht die Sportler mit ihren Trainern das Geschehen sondern nur Geld, Geld. Die Nachwuchsausbildung ist in Deutschland seit 1990 schon immer schlecht gewesen, in vielen Sportarten wie Tennis, Wintersport ausser Biathlon, Radsport so auch in der Leichtathletik. Keine Konzepte gibt es. Wir werden uns an Sportlern anderer Länder erfreuen müssen.
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