Argentinien Das lange Warten auf Diego
Argentinien ist gespannt, ob Maradona nach dem WM-Aus seinen Vertrag verlängert. Doch der umgibt sich lieber mit Politikern, als sich zu entscheiden.
© Juan Baretto/AFP/Getty Images

Venezuelas Präsident Hugo Chavez (rechts) im Gespräch mit Diego Maradona
Immer, wenn es Diego Maradona schlecht geht, dann sucht die argentinische Fußball-Legende die Nähe zu den Mächtigen dieser Welt. Als Maradona auf dem Höhepunkt seiner Fett- und Drogensucht einen neuen Anfang versuchte, zog es ihn zu Kubas Revolutionsführer Fidel Castro. In den vergangenen Tagen diente Maradona als willkommene Staffage für Venezuelas umstrittenen Staatspräsidenten Hugo Chavez. Der brach im Beisein seines prominenten Gastes mal eben die diplomatischen Beziehungen zum Nachbarland Kolumbien ab.
Maradona stand daneben und lächelte. Kritisches Nachfragen hatte Chavez von seinem devoten Staatsgast nicht zu erwarten.
In einer Krise befindet sich der argentinische Fußballverband spätestens seit dem bitteren 0:4 im WM-Viertelfinale gegen Deutschland. Denn Maradona lässt seinen Verbandspräsidenten zappeln. Bei einem Treffen mit Julio Humberto Grondona wurde am Montag erneut keine Einigung über die Fortsetzung seines Engagements erzielt. "Das Treffen ist zu Ende, das Rätsel geht weiter", titelte die Zeitung La Nacion auf ihrer Homepage unmittelbar nach der gut zweistündigen Unterredung. "Zu Venezuela sagt er Ja und was ist mit der Nationalmannschaft?", fragte das Fachblatt Olé in Anspielung auf Maradonas venezolanische Propaganda-Aktion.
Zuvor hatte der 49-Jährige endlich seine Bedingungen für ein Weitermachen genannt. "Wenn man in meinen Trainerstab eingreift, dann werde ich die Nationalmannschaft verlassen", hatte er in einem Radiointerview gesagt. Maradonas Devise für die Zukunft lautet offenbar: Einfach weiter so.
Grondona macht derweil gute Miene zum bösen Spiel und spielt den sanftmütigen Vaterersatz: "Diego entscheidet selbst, wie es weitergeht." Doch fast alle Beobachter in Buenos Aires sind sich sicher: Während der Copa America 2011 im eigenen Land wird Diego Maradona auf der Trainerbank sitzen und versuchen, mit dem Gewinn des ersten kontinentalen Titels seit 1993 sein Trainerimage aufzupolieren.
Wie es dagegen strukturell im argentinischen Fußball weitergehen soll, weiß niemand so recht. Maradona präsentiert öffentlich keinerlei Konzepte. Vorschläge für eine effektivere Jugendarbeit oder eine Reform der Junioren-Nationalmannschaften, wie sie in den kriselnden europäischen Fußball-Großmächten England, Italien oder Frankreich im Zuge der Aufarbeitung des Scheiterns bei der Weltmeisterschaft diskutiert werden, gibt es keine.
Stattdessen gibt es Rückendeckung von der argentinischen Staatspräsidentin Christina Kirchner. Sie hatte schnell das Gespür dafür entwickelt, dass die Mehrzahl der Fans trotz ausbleibenden Erfolges auf der Trainerbank treu zu ihrem Idol steht. Dank der Unterstützung aus Politik und Fanvolk konnte sich Maradona Zeit lassen.
Eine Diva lässt eben warten. Maradona liegt laut argentinischen Medienberichten ein unterschriftsreifer Vertrag bis zur WM 2014 vor. Mit Maradona als medialem Zugpferd erwarten die Verbandsfunktionäre bessere Vermarktungschancen für die Copa America und die anschließende südamerikanische WM-Qualifikationsrunde. Diese droht ohne das als Gastgeber bereits qualifizierte Brasilien farblos genug zu werden.
- Datum 27.07.2010 - 15:58 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Maradona ist ein netter Spaßvogel aber keinesfalls eine ernstzunehmender Trainer.
Die Argentinische Mannschaft braucht einen Fußballstrategen.
"Doch fast alle Beobachter in Buenos Aires sind sich sicher: Während der Copa America 2011 im eigenen Land wird Diego Maradona auf der Trainerbank sitzen und versuchen, mit dem Gewinn des ersten kontinentalen Titels seit 1993 sein Trainerimage aufzupolieren."
Als dieser Text auf der Zeit-Homepage erschien, diskutierte Argentinien bereits über Maradonas Nachfolger.
Offensichtlich ist der Autor aus Bogotá doch ein bisschen weit weg von Buenos Aires
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