Olympia 2018 München hat erst einmal ausgeglänzt
Bevor sich die deutsche Olympiabewerbung für 2018 mit der Konkurrenz auseinandersetzt, muss München interne Probleme lösen. Es fehlen Geld und Rückhalt in der Bevölkerung.
© Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Wie lange werden sie noch lächeln? Willy Bogner und Katarina Witt.
Krisensitzung. Anders kann man die Gesellschafterversammlung der Münchner Olympiabewerbung für die Winterspiele 2018 an diesem Donnerstag kaum nennen. Noch vor drei Wochen hatte die Bewerbung gestrahlt, weil das Internationale Olympische Komitee (IOC) sie mit guten Noten ins Finale gewinkt hatte. Jetzt hat München erst einmal ausgeglänzt. Bevor sie das Duell mit Südkoreas Mitbewerber Pyeongchang aufnehmen, müssen sich die deutschen Bewerber mit sich selbst beschäftigen. Bewerbungsgeschäftsführer Willy Bogner hatte in einem Brief Probleme angesprochen. Auch eine Rücktrittsdrohung ließ sich herauslesen, auch wenn der Modeunternehmer später sagte, es sei nicht so gemeint gewesen. Bei Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer ist der Ärger auf jeden Fall angekommen: "Es muss jetzt Klarheit geschaffen werden. Die Dinge sind der Bewerbung nicht bekömmlich, sie müssen vom Tisch." Gleich mehrerer Problemen müssen sich die Gesellschafter annehmen:
Finanzen:
30 Millionen Euro soll die Bewerbung kosten. Vielleicht auch 35. Es könnten auch noch mehr werden, je nachdem, wie viel die Gesellschafter in die Bewerbung investieren. Bisher sind erst 20 Millionen Euro eingenommen. "Es ist schwerer als erwartet, in Zeiten der Krise private Mittel einzuwerben", räumt Michael Vesper ein, der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Seehofer verkündet dennoch: "Wir wollen an dem Konzept festhalten, die Bewerbung nicht aus Steuermitteln zu bestreiten." Wer am Ende ein Defizit ausgleichen muss, ist jedoch vertraglich geregelt: die Gesellschafter – außer dem Mehrheitsgesellschafter DOSB. Das sind der Freistaat Bayern, die Stadt München, die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen und der Landkreis Berchtesgadener Land. Das Geld müsste also doch aus Steuermitteln genommen werden. Ein Modell wäre, der Bewerbungsgesellschaft zunächst ein weiteres Darlehen zu gewähren. Schon 2009 hatten Land und Stadt mit einem Überbrückungskredit aushelfen müssen.
Austragungsorte:
Kurz nach der Kür zur Bewerberstadt durch das IOC hat München schon eine Änderung am Konzept vorgenommen. Die Langlauf- und Biathlonwettbewerbe sollen nicht mehr in Oberammergau ausgetragen werden. Das Risiko war den Planern zu groß, die dortigen privaten Flächen nicht zu bekommen. Es ging um 200 Grundstücke in der Hand von mehr als 150 Besitzern. Das hätten lange Verhandlungen werden können, zumal für die Wettbewerbe das komplette Land gebraucht worden wäre. Oberammergau wird nun durch das Gut Schwaiganger ersetzt. Es gehört dem Land Bayern.
In Garmisch-Partenkirchen sieht es anders aus. Dort finden die alpinen Wettbewerbe statt, es werden unter anderem Übernachtungs- und Parkmöglichkeiten benötigt, und dafür muss die Bewerbungsgesellschaft die Bauern überzeugen, ihre Flächen abzugeben. Elisabeth Koch, CSU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, sagt: "Anstatt den Landwirten freundlich, offen und ehrlich zu begegnen, hat man sie von oben herab behandelt." Von 80 bis 90 Grundstücken in Garmisch-Partenkirchen ist die Rede. Finanzielle Entschädigung sei dabei nicht der kritische Punkt. "Es geht den Bauern um die Scholle. Die Wiesen sind zum Teil seit Jahrhunderten in Familienbesitz", sagt Koch. Es hallt jedoch der Satz aus der Bewerbungsgesellschaft nach, die Bauern sollten doch ihre hochsubventionierten Flächen für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Der Sprecher der Olympia-Bewerbungsgesellschaft Jochen Färber sagt: "Wir haben auch Landwirte, die der Bewerbung ganz positiv gegenüberstehen und gerne Olympische Spiele haben wollen."
Derzeit würden Einzelgespräche geführt. "Das ist wie bei einem Hauskauf, der ist auch nicht nach 24 Stunden abgeschlossen", sagt Färber. Was passiert, wenn nicht alle Landwirte ihre Flächen abgeben, ist offenbar schon durchgespielt worden: Dann könnten zum Beispiel Gebäude in die Höhe gebaut werden.
Zustimmung:
Der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen hat zwar 2007 einstimmig beschlossen, bei der Olympiabewerbung mitzumachen. "Der Gemeinderat besteht aber nur aus 31 Leuten, man sollte auch den Bürgern noch die Gelegenheit geben, darüber abzustimmen", sagt Elisabeth Koch. Einer solchen Abstimmung sehe die Bewerbungsgesellschaft "gelassen entgegen", sagt Färber. "Es würde nicht ins Bild passen, wenn Garmisch-Partenkirchen 2011 die alpinen Ski-Weltmeisterschaften austrägt, aber keine Olympischen Spiele haben will." Die große Mehrheit sei dafür und würde sich nur noch nicht laut genug äußern. Dass es Diskussionen und Kritik gebe, gefährde die Münchner Bewerbung nicht, sagt ihr Sprecher, "das IOC hat gelernt damit umzugehen".
Ökologie:
Die ökologische Komponente haben die Münchner eher als Pluspunkt gesehen. Und dafür auch vom IOC Lob bekommen. In Deutschland genügt das Konzept nicht allen Ansprüchen. Ludwig Hartmann, Landtagsabgeordneter der Grünen, sagt: "Schon jetzt sind viel zu viele Flächen in der Region versiegelt. Das Schmelzwasser braucht in den Tälern einfach Flächen." Die Bewerbungsgesellschaft entgegnet, dass der Flächenverbrauch bedeutend größer gewesen wäre, wenn Garmisch-Partenkirchen nicht als ein Zentrum der Spiele eingeplant worden wäre, sondern stattdessen etwa Langlauf- und Biathlonwettbewerbe in Ruhpolding stattfinden würden.
Den ökologischen Preis der Winterspiele hält Ludwig Hartmann für zu hoch – auch weil Garmisch-Partenkirchen zu tief liegt. Unmengen von Kunstschnee würden benötigt, um Pisten und Loipen zu präparieren. Hartmann gehört zu denjenigen, die sich zur "Nolympia"-Bewegung zusammengeschlossen haben. Den Rückzug aus Oberammergau hat er als ersten Erfolg gefeiert. Den nächsten erhofft er sich bei einem Bürgerentscheid in Garmisch-Partenkirchen. Dort liegen bereits Unterschriftenlisten aus, Infostände sollen folgen. Die Fixierung auf Winterspiele würde dem Ort Entwicklungsmöglichkeiten für den viel wichtigeren Sommertourismus verbauen. "Je länger die Bewerbung läuft", sagt Hartmann, "desto größer ist der Imageschaden vor Ort."
Erschienen im Tagesspiegel
- Datum 15.07.2010 - 10:33 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










Wozu brauchen wir Olympia?
Gebts doch den Tafeln!
Man tut gerade so (von Seiten der Politik und Sportverbände), als ob das Ausrichten solcher Veranstaltungen, zu einem Geschäfts- und Motivationsmodell für Deutschland werden soll. Dabei ist es nur ein weiterer, kurzsichtiger Schritt in die "Brot und Spiele" - Gesellschaft. Was ist das für eine Ausrichtung? Wollen wir ein Land mit zukunftsfähigen, leistungfähigen Menschen sein oder Land voll Jubler, die keine eigenen Ergbnisse vorzuweisen haben (außer vielleicht ihrem Bierbauch) ? Die Beteiligung an der Bewerbung von Prominenten, die selbst über solche Events erfolgreich wurden, empfinde ich als sehr fragwürdig und unsympathisch. Und als letzes möchte ich noch sagen, dass mir schon jetzt vor Frauen Fußball WM im nächsten Jahr graut. Diese WM wird nämlich jetzt schon als das nächste "Sommermärchen" angepriesen.
Wer schon mit einer harmlosen Großveranstaltung wie dem ökumenischen Kirchentag völlig überfordert ist, der sollte besser die Hände von Olympia lassen...
Es ist der IOC und die Deppen die Olympia holen wollen.
Lassts es einfach weg, kein Mensch will im schönen Garmisch noch mehr Leere Häuse stehen haben.
Mal abgesehen davon gibt es nur eine Landstraße die nach Garmisch führt, die ist kaum ausbaufähig...wie sollen da an einem Tag zig tausend Menschen durchkommen, ohne das man dabei die Landschaft derarlt verschandelt.(Durch neue Straßen, übrigens soll es eine Extra Straße nur für die Sportler geben...krank seids ihr da oben im Stüberl)
Es ist der IOC und die Deppen die Olympia holen wollen.
Lassts es einfach weg, kein Mensch will im schönen Garmisch noch mehr Leere Häuse stehen haben.
Mal abgesehen davon gibt es nur eine Landstraße die nach Garmisch führt, die ist kaum ausbaufähig...wie sollen da an einem Tag zig tausend Menschen durchkommen, ohne das man dabei die Landschaft derarlt verschandelt.(Durch neue Straßen, übrigens soll es eine Extra Straße nur für die Sportler geben...krank seids ihr da oben im Stüberl)
Sölden im Sommer: eine landschaftliche Katastrophe! Entsprechende Folgen sind auch in Garmisch zu erwarten, wenn dort die Winter-Olympiade ausgetragen werden soll.
Es ist der IOC und die Deppen die Olympia holen wollen.
Lassts es einfach weg, kein Mensch will im schönen Garmisch noch mehr Leere Häuse stehen haben.
Mal abgesehen davon gibt es nur eine Landstraße die nach Garmisch führt, die ist kaum ausbaufähig...wie sollen da an einem Tag zig tausend Menschen durchkommen, ohne das man dabei die Landschaft derarlt verschandelt.(Durch neue Straßen, übrigens soll es eine Extra Straße nur für die Sportler geben...krank seids ihr da oben im Stüberl)
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren