NationalmannschaftDie Seele des jungen deutschen Fußballs
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"Wir spielen nicht mehr so wie Deutschland vor zehn Jahren."

Denn jene Szene trug sich zu, als Müller längst die Gelbe Karte gesehen hatte. "Ich habe gewusst, was los ist. Dass ich gesperrt bin, das war natürlich ein bitterer Moment", sagte Müller hinterher: "Ich habe mich eine Minute geärgert, aber dann musste ich es abschütteln." Man kann es auch anders ausdrücken: Wenn es so ist, dass der wieder einmal grandiose Bastian Schweinsteiger das Team anschiebt, es lenkt und es zusammenhält, kurz das Herz dieser Mannschaft ist, so ist es Thomas Müller, der dem Spiel dieser Elf eine Seele verleiht.

Es gibt viele Spieler, denen ein solches oder ähnliches Schicksal schon begegnet ist. Und nicht wenige haben sich darin ergeben. Müller aber spielte weiter, als hätte es diese Gelbe Karte nie gegeben. Im Gegenteil, und genau daran ließe sich Müllers Wert und Einfluss auf die Elf ablesen. Nicht er, sondern die Mannschaft spielte für ein paar Minuten wie benebelt, ja geradezu so, als wäre sie gesperrt fürs Halbfinale. Müller aber spielte sein Spiel weiter, und riss dabei die anderen mit.

Der Ausfall von Thomas Müller wiegt schwer. Er habe ja gezeigt, "mit welcher Torgefahr er bei diesem Turnier präsent ist", sagte Joachim Löw. Der Bundestrainer ist nun gefordert. Wer soll, wer kann Müller ersetzen?

"Das werden wir auch schaffen", sagte Löw kämpferisch. Klar, Trochowski, Kroos, Marin oder auch Cacau, der jedoch von Bauch und Rücken geplagt wird, machen sich Hoffungen. Doch jeder weiß, wie schwer das wird, einen Müller in dieser Form zu ersetzen. Oliver Bierhoff sagte nur: "Da müssen sich die anderen eben noch mehr reinhauen, dass er dann wieder das Finale spielen kann."

Vielleicht sollte die gesamte Mannschaft ein paar mehr Müller’sche Züge annehmen. Zuzutrauen ist es ihr. "Was die Mannschaft an Willen abgerufen hat, das war nicht nur internationales Niveau, sondern Champions-Niveau", sagte Löw nach dem stilbildenden Sieg: "Ich habe meinen Spielern gesagt: Ihr seid jünger, schneller und ausdauernder." Er hätte auch sagen können: Ihr seid alle Müller!

Thomas Müller lachte, als er das hörte: "Wir spielen nicht mehr so wie Deutschland vor zehn Jahren. Das macht uns so sympathisch", sagte er, bevor er die Mixed Zone am anderen Ende verließ. Aber Vorsicht mit der Verve. "Es ist wichtig, dass wir jetzt nicht emotional überdrehen", sagte Löw und beruhigte die Nation: "Bei aller Freude habe ich gespürt, dass die Spieler sofort weiterdenken, denn das Turnier geht noch weiter." Möglichst bis ins Finale.

Erschienen imTagesspiegel

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Leserkommentare
    • CM
    • 05. Juli 2010 12:48 Uhr

    Also, ich hoffe, daß alle deutschen Spieler antreten können, aber Frau Merkel ab jetzt zuhause bleibt.

    Sollen wir denn jedes Mal 200.000 Euro für ein Fussballticket ausgeben, wenn die deutsche Mannschaft spielt? Angela Merkel hat den deutschen Steuerzahler ihre Eintrittskarte zum Viertelfinale 200.000 Euro bezahlen lassen, indem sie eigens zum letzten Spiel flog, und zwar stilecht mit einem Sonderflug der Flugbereitschaft und nicht wie wir Sterblichen mit einer Linienmaschine.

    Das ist das Dümmste, was man in einem hochverschuldeten Land tun kann, wenn man die Bürger davon überzeugen will, daß eisernes Sparen nötig ist. Was wäre denn daran abwegig, eine eigene Lustreise abzusagen, um mit gutem Beispiel voranzugehen?

    Vor allem, wenn die größte Fußballparty der Welt, die Berliner Fanmeile, in zehn Minuten vom Kanzleramt aus zu Fuß zu erreichen war? Was sagt Frau Merkel den 350.000 Fans, die in der Hauptstadt mit dem Public Viewing offenbar sehr zufrieden waren?

    Mein Vorschlag: "Danke dafür, daß Ihr mir den Flug mit der Sondermaschine bezahlt habt." Sonst heißt sie bald "die Ulla Schmidt der CDU"...

  1. aber woher wollen Sie eigentlich wissen, dass es der Bundeskanzlerin überhaupt Spaß gemacht hat, eine "Lustreise" war? In meinen Augen sah sie eher gequält aus, die Freude erschien mir eher künstlich, aufgesetzt. Also war es anscheinend eine ganz normale dienstliche Angelegenheit wie viele andere auch. Die Medien reden von nichts anderem mehr, Fußball ist Politik, also können Politiker auch auf dieser Bühne auftreten, denke ich. Auf Steuerzahlerkosten.

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    • CM
    • 05. Juli 2010 15:00 Uhr

    Also, ich weiß nicht, wie es aussieht, wenn Frau Merkel sich aus ganzem Herzen freut, ich kenne nur diese Art der Körpersprache, die Ihnen "künstlich, aufgesetzt" erscheint und für mich einfach nur dümmlich aussieht.

    Meine Theorie: sie will vor dem absehbaren Ende der Koalition noch einmal was Nettes erleben. Zuhause warten schon diejenigen, die an ihrem Stuhl sägen. Irgendwann kommt noch Roland Koch aus der Reserve und gibt ihrer Kanzlerschaft den Fangschuss beim Versuch, vom "Hessen-Hitler" (so die Zeitschrift Titanic über Koch) zum CDU-Führer zu werden.

    Hier noch iin kleines Rätsel für Fußballfreunde, das ich heute fand... wer ist das:

    Drei Mannschaften stehen auf dem Platz, mit drei Toren, alle versuchen ständig, mit dem Ball eines der anderen Tore zu treffen, wobei das meist aus dem Abseits geschieht. Dabei werden die Gegner übel beschimpft und gefoult bis zur Blutgrätsche, und der Schiri hat eine Sonnenbrille, einen weißen Stock und einen Hund. Die Zuschauer buhen schon seit Beginn des Spiels und übergeben sich mittlerweile auf den Rängen in mitgebrachte Spucktüten, und alle hoffen, daß der Schlusspfiff früher kommt als vorgesehen...

    Na?

    Ist doch ganz einfach...

    CDU, CSU und FDP bei der Regierungsarbeit...

    • CM
    • 05. Juli 2010 15:00 Uhr

    Also, ich weiß nicht, wie es aussieht, wenn Frau Merkel sich aus ganzem Herzen freut, ich kenne nur diese Art der Körpersprache, die Ihnen "künstlich, aufgesetzt" erscheint und für mich einfach nur dümmlich aussieht.

    Meine Theorie: sie will vor dem absehbaren Ende der Koalition noch einmal was Nettes erleben. Zuhause warten schon diejenigen, die an ihrem Stuhl sägen. Irgendwann kommt noch Roland Koch aus der Reserve und gibt ihrer Kanzlerschaft den Fangschuss beim Versuch, vom "Hessen-Hitler" (so die Zeitschrift Titanic über Koch) zum CDU-Führer zu werden.

    Hier noch iin kleines Rätsel für Fußballfreunde, das ich heute fand... wer ist das:

    Drei Mannschaften stehen auf dem Platz, mit drei Toren, alle versuchen ständig, mit dem Ball eines der anderen Tore zu treffen, wobei das meist aus dem Abseits geschieht. Dabei werden die Gegner übel beschimpft und gefoult bis zur Blutgrätsche, und der Schiri hat eine Sonnenbrille, einen weißen Stock und einen Hund. Die Zuschauer buhen schon seit Beginn des Spiels und übergeben sich mittlerweile auf den Rängen in mitgebrachte Spucktüten, und alle hoffen, daß der Schlusspfiff früher kommt als vorgesehen...

    Na?

    Ist doch ganz einfach...

    CDU, CSU und FDP bei der Regierungsarbeit...

  2. [...]

    Bitte keine unnötige Provokationen. Die Redaktion/is

    Antwort auf "200.000 Euro..."
    • Anonym
    • 05. Juli 2010 16:46 Uhr

    für wie dämmlich sie sich selber und ihre Mitbürger halten.

    Davon abgesehen , darf man mal an solche Leute wie Ulla Schmidt und andere Linke erinnern , die ihre Privelegien in übelster Weise ausgenutzt haben.

    Antwort auf "200.000 Euro..."
  3. nur deutsche (zeit-online-leser) schaffen es bei nem beitrag zur neuen deutschen fussi-lust comments zur politik zur schreiben.. 6/6 comments, respect :P
    ihr habt ja recht, aber trotzdem nice1, meckert bis die schwarte kracht.. auch bei solchen artikeln

  4. Nein, es war kein offizieller Termin von Angie. Im Interview nach dem Spiel sagte sie selbst, sie sei "als Fußballfan hier".
    Den Skandal selbst beim Namen genannt.

    Grüße
    Hinterfrager

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    • Puella
    • 06. Juli 2010 14:29 Uhr

    ...hätte sie ja auch "als Fan" mit der Lufthansa anreisen können und "als Fan" selbst bezahlen können.

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