Fußball in Nordkorea "Die Weltmeisterschaft hat Nordkorea verändert"
Karl Messerli hält die Transferrechte an nordkoreanischen Fußballern. Sich in dem Regime nicht zu engagieren, hieße, die Falschen zu bestrafen, sagt er im Interview.
© JEWEL SAMAD/AFP/Getty Images

Jong Tae-Se stürmt ab der kommenden Spielzeit für den VfL Bochum
Karl Messerli ist ein Schweizer Unternehmer, der seit 15 Jahren regelmäßig geschäftlich in Nordkorea unterwegs ist. Unter anderem handelt er mit Plüschtieren. Seit anderthalb Jahren bearbeitet er ein neues Geschäftsfeld. Er hält exklusiv die Rechte für Transfers von nordkoreanischen Nationalspielern nach Westeuropa.
Zeit Online: Herr Messerli, in Jong Tae-Se wechselt der erste Nordkoreaner in die Zweite Bundesliga. Reicht es für den "Rooney Asiens" nur für den VfL Bochum?
Karl Messerli: Sein Manager hat einen Anfängerfehler gemacht und wollte einfach nicht abwarten. Vermutlich dachte er, es sei das einzige Angebot. Jong Tae-Se hätte mit Sicherheit in der ersten Liga spielen können. Die Bochumer haben sich geschickt verhalten und ziemlich viel Druck gemacht. Vielleicht haben die Verantwortlichen ja verheimlicht, dass sie nur in der zweiten Liga spielen (lacht). Ich weiß es nicht.
Zeit Online: Sie waren also nicht am Wechsel von Jong Tae-Se beteiligt?
Messerli: Nein, ich habe erst später mit ihm telefoniert, da hatte sein Manager bereits alles erledigt.

Karl Messerli, 63, ist Textilunternehmer aus der Schweiz. Er war selbst als Fußballprofi in Basel, St. Gallen und Zürich aktiv.
Zeit Online: Wie funktioniert dann ihr Geschäftsmodell, wenn sie an dem Transfer des besten Spielers Nordkoreas nicht beteiligt sind?
Messerli: Jong Tae-Se ist ein Sonderfall. Er spielte schon länger in Japan und hat beide Staatsangehörigkeiten. Ich kümmere mich nur um Transfers von Nordkorea nach Westeuropa. Zurzeit müssen die Vereine keine Ablösesumme, sondern nur das Gehalt zahlen. Geld verdiene ich erst, wenn ein großer Verein die Spieler abwirbt, wenn also für die Spieler Transfersummen bezahlt werden.
Zeit Online: Haben Sie sich geärgert, als Sie die Leistungen der Nordkoreaner bei dieser WM gesehen haben?
Messerli: Nein, habe ich nicht. Ich habe mein Leben lang mit Fußball zu tun gehabt: Solche Spiele gibt es einfach. Wenn es schnell drei Null steht, dann verliert man auch mit sieben Toren Unterschied. Natürlich sollte eine hohe Niederlage bei einer Weltmeisterschaft nicht passieren, aber ich habe immer gesagt, dass es den Nordkoreanern an Erfahrung fehlt.
Zeit Online: Mussten Sie den Taschenrechner herausholen, um den Verlust ihres Investments zu berechnen?
Messerli: Nein, ich muss davon nicht leben. Ich sehe die Investition als interessantes Projekt. Gerade für Vereine, die finanziell nicht so gut aufgestellt sind, sind Spieler aus Nordkorea eine gute Alternative. Qualität ist nicht nur in der Nationalmannschaft vorhanden, sondern auch im Nachwuchsbereich. Die U20-Mannschaft der Damen hat gerade erst gegen Brasilien gewonnen.
Zeit Online: Sehen Sie sich als Förderer des nordkoreanischen Fußballs?
Messerli: Ja, im Fußball können Sie sich nur weiterentwickeln, wenn sie internationale Wettbewerbe bestreiten, sonst kommen sie nicht vom Fleck. Sie können zehn Mal pro Woche trainieren, das bringt nichts.
Zeit Online: Moralische Bedenken?
- Datum 16.07.2010 - 07:44 Uhr
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Wie kann man nur guten Gewissens Geschäfte mit einem solchen Regime machen?
Vielleicht sollte man Herrn Messerli die zwei folgenden Bücher zur Lektüre vorschlagen:
Im Dienst des Diktators, Indgrid Steiner-Gashi & Dardan Gashi, 978-3-8000-7450-1
Die Kinogänger von Chongjin, Barbara Demick, 978-3-426-27438-5
Über soo viel Naivität und ein solches Maß an Wirklichkeitskonstruktion. Was glauben Sie denn wie es in dem Rest der Welt zugeht?
Tse...
Das in dieser Welt jeder Profitgeil ist und das auf Kosten Anderer (dem NKoreanischen Volk). Statt Geschäfte dort zu betreiben, sollte Herr Messerli sich lieber für Menschenrechte einsetzen.
Haben Sie schon mal etwas von der Menschenrechtssituation in China gehört, wo Kinder verkauft, Oppositionelle weggesperrt und Demonstranten erschossen werden? Und nun schauen Sie bitte mal auf die Etiketten Ihrer Kleidung oder das Label Ihres iPhones, des Computers, der Kamera, des Spielzeugs, etc. Oh, kommt aus China. Aber SIE machen ja keine Geschäfte mit China, nicht?! Sehr naiv!
verändert: ein paar der Spieler sind geflüchtet. Ich hoffe, ihre Verwandten wurden nicht zu hart bestraft.
Irgendwo muss man ja anfangen!
Ich denke Herr Messerli, der lange Jahre regelmäßig das Land bereist, kann Veränserungen eher komentieren, wie Schriftsteller aus dem Ausland. Wir gehen von den Abläufen aus, wie sie seinezeit in der Sowjetunion waren, da waren die Veränderungen sehr schnell vollzogen. Es ist zwar keine Demokratie nach unseren Vorstellungen geworden, aber die Marktwirtschaft hat sich etabliert. Bei den heute noch komunistisch regierten Ländern muß man mehr Geduld für die Veränderungen haben. Im Laufe der Zeit wird sich dieses System durch die wirtschaftliche Internationalisierung von selbst erledigen. Wenn man die dortigen Menschenrechtsverletzungen aufzeigt muß man auch noch viele andere Länder aufführen. Beispiele: ehem. Sowjetunion, alle arabischen Lander, teilweise südamerikanische u.s.w. Man darf den Focus nicht nur einseitig auf ein Land richten.
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