Taktik

Joachim Löw hielt an seiner Aufstellung und der 4-2-3-1-Formation fest. Doch ordnete er offenbar seinem Mittelfeld an, tiefer, also näher zur eigenen Abwehr zu verteidigen als gegen England. Ziel war es, Lionel Messi im Zentrum zu blocken. Dies gelang exzellent, Messi musste sich teilweise sehr weit zurückfallen lassen, um den Ball zu bekommen und blieb fast ohne Wirkung nach vorne. Auch die einzige Spitze, Miroslav Klose, wich noch mehr nach hinten aus als sonst, sodass man beinahe von einem 4-6-0 sprechen konnte. Im Gegenzug beteiligten sich fast alle Spieler an der Offensive, sogar Innenverteidiger Arne Friedrich. Mit bekanntem Ende.

Argentinien baute erneut auf ein 4-4-2 mit einer Art Raute im Mittelfeld. Das muss nicht immer eine offensive Ausrichtung sein, war es aber in diesem Fall. Das Team litt an der Teilung ihrer Mannschaft in Offensive und Defensive. Die Stürmer und das Mittelfeld verteidigten schwach, die Verteidiger machten keinen Druck, man denke vor allem an die Außenverteidiger Gabriel Heinze und Nicolás Otamendi. Argentinien litt auch an einem großen Loch vor seiner Abwehr. Vor allem Schweinsteiger hatte im Zentrum immer sehr viel Raum, wenn er erst einmal die vorderste Linie überspielt hatte. Deutschland hatte von der ersten Minute an sehr viel Raum – und zwar in der Zone, in der gefährliche Aktionen vorbereitet werden.

Argentinien war taktisch deutlich unterlegen. Die deutsche Elf überstand eine lange Schwächephase in der Offensive zwischen der 30. und 60. Minute, weil sie viel besser verteidigte und dem Ballführenden keinen Raum ließ. Und wenn doch, stellte sie wenigstens die Passwege zu. Argentinien am Ende ohne Gegenwehr.

Einzelkritik

Manuel Neuer wurde nicht, um es mit der schönsten Fußballphrase zu sagen, zu einer Glanzparade gezwungen. Hielt die wenigen Schüsse aufs Tor fest, hatte nur eine kurze Unsicherheit, als er die kurze Ecke bei einem Flügellauf einmal aufmachte. Darfst nicht spekulieren, Keeper!

Philipp Lahm machte die rechte Seite komplett dicht. Fehlerlos im Zweikampf, sicher am Ball, gut im Spielaufbau.

Per Mertesacker steigerte sich an der Seite Arne Friedrichs zum soliden Abwehrspieler. Gewann viele Zweikämpfe, hielt ein Mal seine Birne hin, rückte in den richtigen Momenten aus der Kette raus und zurück. Muss trainiert haben.

Arne Friedrich ist auf dem besten Weg ins Allstar-Team. Abwehrchef, der zur Not auch seine Position verlässt. Ein Mal allerdings ließ Higuain ihn ins Leere laufen. Schoss sogar noch ein Tor, das Kloses Tor gegen Russland im Oktober 2009 ähnelte.

Jerome Boateng verteidigte nicht ganz so stark wie seine Kollegen. Gerade in der ersten Halbzeit schlüpften die Argentinier durch die Schnittstelle zur Mitte. Komisch, da Boateng Rechtsfüßer ist und nach innen die größere Reichweite hat. Hab ich keine Erklärung für. Außerdem lässt er manchmal seinen Gegenspieler flanken.

Meine Güte, Bastian Schweinsteiger ! Ich dachte, er hätte den Mund vor dem Spiel zu voll genommen. Und dann legte er in der Defensive so ein Spiel hin. Gegen Messi, der in diesem Spiel manchmal wie ein 23-Jähriger wirkte. In der Offensive misslangen Schweinsteiger einige Pässe, dafür war er am ersten Tor doppelt beteiligt: erst den Ball nach vorne getrieben und die Seite gewechselt, dann den Freistoß serviert. Beim dritten Tor ließ er alles stehen, was im Wege stand, darunter auch Higuain, der in diesem Moment verteidigte wie ein Wassereimer.