Nationalelf "Das kleine Finale ist ein großes Ziel"

Der Kampf um WM-Platz drei: Erst kurz vor dem Anpfiff haben die DFB-Spieler ihren Frieden mit diesem Spiel geschlossen. Immerhin können sich die Ersatzspieler beweisen.

Zum Abschied wollen die deutschen Spieler noch einmal jubeln

Zum Abschied wollen die deutschen Spieler noch einmal jubeln

Diagnose: Spiel um Platz drei? Am Freitagmorgen war es ganz schön eng im Ärztezimmer des WM-Quartiers, gleich vier Fußballer holten sich ihre Krankschreibung ab. Lukas Podolski und Philipp Lahm hat die Grippe erwischt, Miroslav Klose zwickt’s nun schon seit Tagen im Rücken. Tim Wiese hat einen entzündeten Schleimbeutel im Knie. Ja, will denn keiner mehr mitspielen am Samstag gegen Uruguay?

"Ich habe mir ehrlich gesagt das Spiel um den dritten Platz früher nie angeguckt", hatte Philipp Lahm gesagt, bevor ihn die Viren niederstreckten, und da dürften viele seiner müden Kollegen in ihren Hotelzimmern genickt haben. Nach neun Wochen gemeinsamer Reise ist ein akuter Spannungsabfall im WM-Quartier an der Main Road 26 zu beobachten, da muss schon der stets hochprofessionelle Manager Oliver Bierhoff aus dem Hotel treten und betonen, dass "das Turnier noch nicht vorbei ist, das ist wichtig".

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Und weil dieses Spiel um den dritten Platz bei so einer WM in der Tat nicht so ganz unwichtig ist, schließlich würden zwei Niederlagen ganz zum Schluss den Gesamteindruck blöderweise erheblich beeinflussen, wird das Team um Bundestrainer Joachim Löw (der ebenfalls mit Schüttelfrost im Bett liegt) im letzten WM-Spiel auf eine altbekannte Arznei setzen: die Ersatzspieler-Injektion.

Die Frische der deutschen Nationalmannschaft sitzt auf der Bank. Dennis Aogo und auch Serdar Tasci dürfen sich einige Chancen ausrechnen, zumindest im letzten WM-Spiel erstmals ein paar Minuten mitspielen zu dürfen. So war das auch bei der WM 2006, als Mike Hanke wochenlang tatenlos auf der Bank saß, dann aber im Spiel um den dritten Platz zwanzig Minuten mitkickte. Genauso wie Oliver Kahn: Der hatte damals in Stuttgart, beim 3:1 gegen Portugal, seinen ersten Einsatz bei jener WM.

Von einer "Belohnung" spricht Co-Trainer Hansi Flick, von einem "Dankeschön an die Ersatzspieler" redet Manager Bierhoff. Vielleicht darf Stefan Kießling noch mal ran, nach immerhin 21 Toren in der Liga und nur einem WM-Kurzeinsatz. Vielleicht darf Holger Badstuber, der so heftig kritisierte Außenverteidiger, noch mal das kurzärmelige Trikot anziehen. Ja, vielleicht kommt sogar Jörg Butt zu einem Einsatz, weil der so überraschend loyale Tim Wiese (Bierhoff: "Er hat der Mannschaft als Typ gut getan") sich ausgerechnet jetzt verletzt hat. Aber auch für Butt wäre es etwas Besonderes; Der Mann saß schon bei der WM 1998 und auch 2002 tapfer wochenlang auf der Ersatzbank der Nationalmannschaft, er ist jetzt 36 Jahre alt. Und es ist davon auszugehen, dass Butt nicht mehr ganz so viele Weltmeisterschaften auf dem Rasen erleben wird. "Auch sein Einsatz ist eine Alternative", sagt Bierhoff.

Neben dem emotionalen Moment für die Spieler aus der dritten Reihe kommt aber in der Tat auch eine gewisse sportliche Verpflichtung hinzu. Die Ersatzspieler wollen zeigen, dass auch sie "frischen und attraktiven Fußball" (Bierhoff) zeigen können. Und außerdem ist da ja noch die Geschichte von der WM 2006, die dann auch Philipp Lahm zum Umdenken bewegte: Deutschland war gerade ausgeschieden gegen Italien, müde reiste die Mannschaft nach Stuttgart. Später sah man dann eben jene Fußballer wieder, wie sie lachend aus ihren Zimmern winkten – hinaus zu tausenden Fans, die sich vor dem Hotel versammelt hatten. "Wir haben vor vier Jahren gesehen, wie schön das sein kann", sagt Lahm. "Wir wollen einen schönen WM-Abschluss haben." Und Flick sagte: "Auch das kleine Finale ist ein großes Ziel."

Nicht jeder will das so stehen lassen. Die Südafrikaner in den Kneipen wittern Geschäftemacherei der nicht mehr ganz so beliebten Fifa ("Die wollen doch wieder nur Tickets verkaufen!"), für die Deutschen hingegen ist es längst lästige Routine. Schon zum fünften Mal und damit so oft wie keine andere Nation steht die Nationalmannschaft im Spiel um den dritten Platz bei einer Weltmeisterschaft. Und 1970 trafen sie schon einmal auf Uruguay, bei der WM in Mexiko Stadt war das. Das entscheidende Tor zum 1:0 erzielte damals Wolfgang Overath.

Einmal noch quälen, am Sonntagabend wartet schon der A 380 auf dem Rollfeld des Flughafens von Johannesburg. Mit dem geht es dann heim nach Frankfurt, kurz vor 7 Uhr soll der Flieger aufsetzen. Dass die Spieler während des WM-Finals schon in der Luft sind, findet Bierhoff nicht so schlimm: "Es tut keinem weh, das Spiel nicht zu sehen." Dafür schmerzt die Niederlage gegen Spanien noch zu sehr.

Erschienen im Tagesspiegel
 

 
Leser-Kommentare
  1. ...Spanien war einfach besser...., also ran und besser werden... und zeigen, dass man das will und kann. Im Fussball ist das doch ganz einfach: .... keine Angst vor dem Gegner haben und schön kombinieren und Tore schiessen.

  2. Hallo liebe Leser/-innen,

    wir sind ein paar Wissenschaftler des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und sagen mit Eurer Hilfe die Spiele der WM vorher. Wir befinden uns gerade im Endspurt und brauchen noch dringend Hilfe. Also schaut doch mal vorbei unter:
    www.wmbauchentscheidungen.de
    Liebe Grüße,
    Eric

  3. Es gab mehr als dreissig Teams, die sich bis auf die Zähne bekämpft haben. JEDES einzelne von denen würde sich freuen, da zu sein, wo unsere deutsche Jungmillionärstruppe nun ist. Inklusive Brasilien, Italien, Frankreich, England...

    Und was machen unsere Fußballer?

    Sie spielen ein bisserl französisch und scheiden muffig, launig und stinkereich (weil sich ihr Marktwert erhöht hat, aha...) in den Jet.

    Danach fahren sie direkt in den Urlaub. Der Depp, der Zuhause die Fahne geschwenkt hat, der kann einpacken.

    Was das ganze noch mit Sport zu tun hat, muss man erklären. Und wieso wir alle mit unseren Steuermitteln diese Sache auch noch fördern, ebenfalls.

    Spätrömische Dekadenz in Südafrika.

    Anders kann man das nicht nennen.

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    bitte wieder zurück in Ihren Keller, ab Montag können Sie wieder rauskommen, dann ist alles vorbei. Aber reden Sie nicht von Dingen, bei denen deutlich auffällt, dass Sie es anderen nur mieß machen wollen.

    bitte wieder zurück in Ihren Keller, ab Montag können Sie wieder rauskommen, dann ist alles vorbei. Aber reden Sie nicht von Dingen, bei denen deutlich auffällt, dass Sie es anderen nur mieß machen wollen.

  4. .. und das sehen alle großen Fußballnationen ganz genau so. insoweit wären die sicher unheimlich gerne an der Stelle der Deutschen im Halbfinale gestanden. Aber ob die eigene Mannschaft 3. oder 4. wird interessiert den brasilianiaschen Fan genauso wenig wie den deutschen.

    hat mit spätrömischer Dekadenz nichts zu tun, nur mit dem eigenen Anspruchsdenken. Für einen "Zwerg" wie Uruguay hingegen ist das Spiel sicher ein Erfolg, die konnten ja vor der WM nicht mal sicher sein, dass sie die Vorrunde überstehen.

    • mo13
    • 10.07.2010 um 13:51 Uhr

    ich persönlich denke nicht, dass der zweite schon der erste verlierer ist.

    von unseren sog. jungmillionären hat denk ich keiner die wm gespielt um geld zu verdienen. ich fand es gradezu berauschend wie selbstlos die mannschaft aufgetreten ist. entäuschung über das verpasste finale ist jetzt doch nur nachvollziehbar, grade wenn man bedenkt, dass man letzte wm mit einer schlechteren mannschaft genauso weit war.

    vor der wm war ich nur zuschauer, jetzt bin ich echter fan der deutschen mannschaft.

  5. Ich sehe es auch als dekadentes Verhalten, total unsportlich.

    Ausserdem zeigt es nur eine absolute Selbstüberschätzung, die sich leider immer breitgemacht hat.
    Die Deutsche Mannschaft hatte bisher auch Glück. Mann weiß nicht wirklich wo sie steht. Spanien war der erste Gegner, mit Plan und Taktik. Nicht viel sah man von den Deutschen, ausser der Abwehr eigentlich gar nichts. Löw hatte keine Antwort.
    Lahm war gar nicht erst zu sehen. Der sollte schnell die K-Binde wieder abgeben.

    Argentinien hatte starke Spieler, aber weder Plan noch Taktik. Es war nicht schwer zu gewinnen. England spielt seit langem katastrophalen Fussball. Trotzdem hatten die Deutschen Glück. Gegen Serbien und Ghana, alles Mittelklassefussball. Australien kann überhaupt keinen Fussball spielen.

    Das Halbfinale lag eigentlich schon über den Verhältnissen der deutschen Mannschaft.
    Also nicht schlecht.

    Es gibt auch unbequeme Mannschaften. Zu denen gehört Uruguay.
    Ein tolles Team mit klasse Fussball zwischendurch.
    In diesem Spiel zeigt sich erst, wo Löw und Co. stehen.

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    Gewinnt Deutschland, dann eh nur mit Glück, verliert Deutschland, dann haben sie schlecht gespielt. Wenn man so direkt an die Spiele ran geht kann auch nichts bei rauskommen. Nur komisch dass Deutschland für ihre Spiele weltweit gelobt wurde. Und diesen Respekt bekommt man nicht für glückliches Gewinnen. Und wenn die anderen keinen Plan und keine Taktik hatten, dann hatten wir auf jedenfall eine, ansonsten wären die Spiele nicht so deutlich ausgegangen. Und das nach der ganzen Anstrengung auch mal die Luft raus ist, kapiert anscheinend auch keiner. Die Schreiber hier gehen sicherlich jeden Tag freudestrahlend zur Arbeit. Das hat nichts mit Geld zu tun. Ich denke keiner der Spieler hat es nötig dies fürs Geld zu tun. Die könnten in dieser Zeit genauso in Urlaub fahren...

    Ich fände es mal eine große Sache wenn die ganzen selbst ernannten "Experten" hier einfach mal ihre Klappe halten würden und das Feld denen überlassen, die wirklich etwas davon verstehen...

    Ich kann dem nur zustimmen. Insgesamt hat unsere Mannschaft eine hervorragende WM gespielt. Mehr ist nicht drin. Ich wünsche Spanien den Titel, dann haben wir wenigstens gegen den Weltmeister verloren.

    • RalfBr
    • 12.07.2010 um 2:24 Uhr

    @ sternentau

    Ein wunderbare Gelegenheit für Sie und einige mehr, jetzt mir dem DFB-Team "abzurechnen".

    Zeigen Sie mal Argumente auf, warum die DFB-Elf nach Ihrer Meinung nur Glück hatte gegen England und Argentinien 8 Tore zu schießen, und 4:1 bzw. 4:0 zu gewinnen.

    Und gegen Uruguay wars Ihrer Meinung nach sicher auch wieder Glück, mit Müller (der, rein zufällig, weil die anderen Gegner so schlecht waren, auch noch Torschützenkönig geworden ist, aber wie Sie schon gesagt haben, nur Glück) mehr Torschüsse zu haben und dann auch noch 3:2 zu gewinnen.

    Da bin ich aber mal auf Ihre Reaktion gespannt.

    Los, schreiben Sie, ich warte auf Ihre Antwort. Viel Argumente werden Ihnen sowieso nicht einfallen, aber ich lasse mich gerne überraschen.

    Gewinnt Deutschland, dann eh nur mit Glück, verliert Deutschland, dann haben sie schlecht gespielt. Wenn man so direkt an die Spiele ran geht kann auch nichts bei rauskommen. Nur komisch dass Deutschland für ihre Spiele weltweit gelobt wurde. Und diesen Respekt bekommt man nicht für glückliches Gewinnen. Und wenn die anderen keinen Plan und keine Taktik hatten, dann hatten wir auf jedenfall eine, ansonsten wären die Spiele nicht so deutlich ausgegangen. Und das nach der ganzen Anstrengung auch mal die Luft raus ist, kapiert anscheinend auch keiner. Die Schreiber hier gehen sicherlich jeden Tag freudestrahlend zur Arbeit. Das hat nichts mit Geld zu tun. Ich denke keiner der Spieler hat es nötig dies fürs Geld zu tun. Die könnten in dieser Zeit genauso in Urlaub fahren...

    Ich fände es mal eine große Sache wenn die ganzen selbst ernannten "Experten" hier einfach mal ihre Klappe halten würden und das Feld denen überlassen, die wirklich etwas davon verstehen...

    Ich kann dem nur zustimmen. Insgesamt hat unsere Mannschaft eine hervorragende WM gespielt. Mehr ist nicht drin. Ich wünsche Spanien den Titel, dann haben wir wenigstens gegen den Weltmeister verloren.

    • RalfBr
    • 12.07.2010 um 2:24 Uhr

    @ sternentau

    Ein wunderbare Gelegenheit für Sie und einige mehr, jetzt mir dem DFB-Team "abzurechnen".

    Zeigen Sie mal Argumente auf, warum die DFB-Elf nach Ihrer Meinung nur Glück hatte gegen England und Argentinien 8 Tore zu schießen, und 4:1 bzw. 4:0 zu gewinnen.

    Und gegen Uruguay wars Ihrer Meinung nach sicher auch wieder Glück, mit Müller (der, rein zufällig, weil die anderen Gegner so schlecht waren, auch noch Torschützenkönig geworden ist, aber wie Sie schon gesagt haben, nur Glück) mehr Torschüsse zu haben und dann auch noch 3:2 zu gewinnen.

    Da bin ich aber mal auf Ihre Reaktion gespannt.

    Los, schreiben Sie, ich warte auf Ihre Antwort. Viel Argumente werden Ihnen sowieso nicht einfallen, aber ich lasse mich gerne überraschen.

  6. bitte wieder zurück in Ihren Keller, ab Montag können Sie wieder rauskommen, dann ist alles vorbei. Aber reden Sie nicht von Dingen, bei denen deutlich auffällt, dass Sie es anderen nur mieß machen wollen.

  7. Gewinnt Deutschland, dann eh nur mit Glück, verliert Deutschland, dann haben sie schlecht gespielt. Wenn man so direkt an die Spiele ran geht kann auch nichts bei rauskommen. Nur komisch dass Deutschland für ihre Spiele weltweit gelobt wurde. Und diesen Respekt bekommt man nicht für glückliches Gewinnen. Und wenn die anderen keinen Plan und keine Taktik hatten, dann hatten wir auf jedenfall eine, ansonsten wären die Spiele nicht so deutlich ausgegangen. Und das nach der ganzen Anstrengung auch mal die Luft raus ist, kapiert anscheinend auch keiner. Die Schreiber hier gehen sicherlich jeden Tag freudestrahlend zur Arbeit. Das hat nichts mit Geld zu tun. Ich denke keiner der Spieler hat es nötig dies fürs Geld zu tun. Die könnten in dieser Zeit genauso in Urlaub fahren...

    Ich fände es mal eine große Sache wenn die ganzen selbst ernannten "Experten" hier einfach mal ihre Klappe halten würden und das Feld denen überlassen, die wirklich etwas davon verstehen...

    Antwort auf "@ Björn Arnold"

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