WM-Abschluss der Nationalelf "Champions wie wir"

Zum Abschluss ein Fußballfest ohne Zwänge: Mit dem Sieg gegen Uruguay beendet die Nationalmannschaft eine bemerkenswerte WM und macht Joachim Löw stolz. Von S. Dobbert, Port Elizabeth

Joachim Löw (l.) und Bastian Schweinsteiger: Ein stolzer Trainer und sein bester Spieler

Joachim Löw (l.) und Bastian Schweinsteiger: Ein stolzer Trainer und sein bester Spieler

Am Nachmittag vor dem letzten deutschen Spiel bei dieser WM in Südafrika: Eine junge Dame aus Port Elizabeth spazierte durch die Straßen vor dem imposanten Nelson-Mandela-Bay-Stadion. Fußball? "Nein", sagte sie. Für dieses langweilige Spiel um Platz drei werde sie nicht ins Stadion gehen. Das werde sie noch nicht mal im Fernsehen schauen.

Finale der Verlierer, Spiel um die goldene Ananas oder auch einfach jene von allen 64 WM-Partien, welche außer der Profit-Abteilung der Fifa niemand braucht. Das Spiel um Platz drei ist nicht gerade beliebt. Aber am vergangenen Abend war es eines der aufregendsten dieser Weltmeisterschaft.

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Lattenschüsse, Ballkombinationen, Freistoßzauberer, Grätschen durch den Regen, ein Abseits- und fünf gezählte Tore. Der 3:2-Erfolg der Deutschen war ein Fußballfest ohne taktische Zwänge. Auch wenn es nur um den dritten Platz ging, die Nationalspieler kämpften, als ginge es um nichts Geringeres als das Erbe Franz Beckenbauers.

"Wichtig war, dass wir das letzte Spiel gewinnen." Halb sagte, halb keuchte Joachim Löw den Journalisten nach dem Spiel seine Aussagen zu. Seine Erkältung hatte ihn noch fest im Griff, doch es schien, als wollte er keinem Schnupfen, keinem Halsweh oder sonst was erlauben, diesen letzten Auftritt in Südafrika zu gefährden.

Losgelöst und emotional wie selten in den vergangenen Wochen hatte der Trainer seine Mannschaft während des Spiels angefeuert. Danach sagte er angeschlagen, aber zufrieden: Jawoll, "Champions wie wir, die stehen auch wieder auf".

Insgesamt habe die Nationalmannschaft "ein bemerkenswertes Turnier" in Südafrika gespielt, sagte der Chefcoach und meinte damit nicht nur die Leistung auf dem Platz. Sein Team habe neben dem Platz Charakterwerte wie Mut, Teamwork, Respekt und Seriosität verkörpert. Sie hätten nicht nur mit-, sondern füreinander gespielt", sagte der Bundestrainer und war sichtlich stolz darauf.

Und, wie geht es nun weiter? Joachim Löw bestätigte keine der Spekulationen, wonach er bereits Gespräche über die Verlängerung seines Vertrages geführt habe. Er werde nun nach Hause fahren, sich erholen, die Ruhe genießen, seine Gedanken ordnen. Dann werde eine gewisse Leere einsetzen. Und dann, nach zwei, drei Tagen werde ihm sicher auch wieder eine Idee einfallen.

Zum Willen der Fifa gehört es, dass selbst alle Drittplatzierten in einer kurzen Zeremonie eine Bronzemedaille überreicht bekommen. Diese Mini-Siegerehrung nach dem Spiel führte zu dem Moment, als Theo Zwanziger, Präsident des DFB und damit Verhandlungspartner wenn es um die Verlängerung des Arbeitsvertrages Löws geht, dem Bundestrainer die Medaille umhängte. Joachim Löw wollte sich danach mit einem Händedruck bedanken, doch nach einem Augenblick des Zögerns schnappte sich Zwanziger den Trainer, umarmte ihn und drückte ihn fest an sich. Es sah so aus, als sei Zwanziger viel daran gelegen, dass beide zusammenkommen.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 11.07.2010 um 9:12 Uhr

    Herr Löw sollte Bundestrainer bleiben und die junge Mannschaft weiter aufbauen. Ziel sollte es sein: 1.) 2012 Europameister , 2.) 2014 Weltmeister. Für eine deutsche Nationalmannschaft soll und müßen hohe Ziel gesteckt werden. Weil "nur dabei sein" kann und darf nicht das Ziel sein. ( Bayern München tritt ja in der Bundesliga auch nicht mit den Ziel an : dieses Jahr wollen wir nur Zweiter werden und geben sich damit zufrieden) So sollte unser Nationalmannschaft und Trainer auch denken . wir wollen auch die NR. 1 werden !!!

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    • dacapo
    • 11.07.2010 um 12:10 Uhr

    Der FC Bayern tritt in der BL auch nur an, um erster zu werden, so sollte es auch die Nationalmannschaft angehen. So meinten Sie. Toll. Zum einen, was die BL betrifft, sähe es schlecht aus mit dem Fußball in Deutschland, wenn das die anderen Mannschaften das so zulassen. Genauso, was der Weltfußball ausmacht. Es gibt und gab auch noch nie eine Mannschaft, die so einfach durchmarschieren konnte, weil sie die WM gewinnen wollte. Das Anliegen zu haben, den Titel zu gewinnen, ist legitim. Nicht mehr und nicht weniger.

    • dacapo
    • 11.07.2010 um 12:10 Uhr

    Der FC Bayern tritt in der BL auch nur an, um erster zu werden, so sollte es auch die Nationalmannschaft angehen. So meinten Sie. Toll. Zum einen, was die BL betrifft, sähe es schlecht aus mit dem Fußball in Deutschland, wenn das die anderen Mannschaften das so zulassen. Genauso, was der Weltfußball ausmacht. Es gibt und gab auch noch nie eine Mannschaft, die so einfach durchmarschieren konnte, weil sie die WM gewinnen wollte. Das Anliegen zu haben, den Titel zu gewinnen, ist legitim. Nicht mehr und nicht weniger.

    • TDU
    • 11.07.2010 um 10:55 Uhr

    Selten so spannend ein Spiel um den dritten Platz, welches sogar in der letzten Minute noch in die Verlängerung hätte gehen können. Das zeigt auch die Mentalität der heutigen deutschen Mannschaft: Wir nehmen es, wie es kommt, die Entäuschung hintendran gestellt, aber deswegen keinesfalls ohne Ehrgeiz und Engagement. Finde ich gut.

    Dennoch sollte der tragische Held eine akzeptierte Größe im Fussball bleiben.

  1. so richtig ärgert sich der, der nicht mit auf das Treppchen darf.

    Tolles Turnier - und wie der Bundestrainer sprachbewusst "mit-einander" und "für-einander" so klar trennt zeigt doch deutlich, dass es mit der Intelligenz in Deutschland noch nicht ganz vorbei ist - ganz abgesehen davon, dass die Mannschaft echte Vorbilder für das Land sein können.

  2. Diese "jungen Wilden" haben ihr "Zeug" sehr gut gemacht; man wird sich weltweit an die tollen Spiele unserer Elf erinnern. Chapeau!!!

    • okky
    • 11.07.2010 um 11:06 Uhr

    Anmerkung: Dieser Kommentar war für einen anderen Artikel bestimmt und wurde deshalb an dieser Stelle hier entfernt. Die Redaktion/km

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