Holland und das Endspiel "Hier wohnen Weltmeister"

Straßen leuchten in orange, Brauereien rechnen mit Rekord-Umsätzen: Ganz Holland ist aus dem Häuschen - ein kleiner niederländischer Ort aber freut sich besonders auf das WM-Finale.

Das Café Robben in Bedum, dem Geburtsort von Arjen Robben

Das Café Robben in Bedum, dem Geburtsort von Arjen Robben

Träge hängen die Flaggen von Fenstern und Balkonen. Kein Wind weht an diesem warmen Wochenende und niemand, der die Fahnen schwenkt. Drinnen, im kühlen Dunkel der Kneipe, sitzen sechs Männer am Tresen. Noch scheint der Ort ausgestorben - aber heute Abend wird Bedum beben. Denn hier, in der kleinen Gemeinde im Norden der Niederlande, fiebern sie dem Finale der Fußball-WM besonders entgegen: Bedum ist der Geburtsort von Arjen Robben, dem Stürmer-Star, der heute Abend die Niederlande zum Weltmeister-Titel schießen soll.

Der Gastwirt: Gerrit Koning betreibt das Café Robben

Der Gastwirt: Gerrit Koning betreibt das Café Robben

Das hoffen sie alle hier - und im ganzen Land draußen. Holland ist aus dem Häuschen, ein Land in Party-Stimmung. "Das ist einmalig", sagt Gerrit Koning. In Bedum in der nord-niederländischen Provinz Groningen betreibt Koning ein Café - alle zwei Jahre, während Europa- und Weltmeisterschaften, wird seine Kneipe zum "Café Robben". Aus Spaß sei die Idee vor sechs Jahren entstanden, "wir wollen Arjen und die Elftal damit feiern".

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Und das zeigen sie auch: Das schwarze Haus ist geschmückt in Orange und mit Nationalflaggen. Und nicht nur das "Café Robben" und der Ort Bedum leuchten in oranje, wahrscheinlich ist in ganz Holland die Farbe Orange ausverkauft. Straßen sind geschmückt, und wenn Holland spielt, steht das Leben still.

Das Halbfinal-Spiel haben weit über elf Millionen Zuschauer im Fernsehen gesehen - in einem Land mit nur rund sechzehn Millionen Einwohnern. Vor Freude springen Fans in Amsterdam die Grachten, Rotterdam feiert mit Feuerwerken. KLM, die niederländische Fluglinie, bietet für das Finale Sonderflüge nach Südafrika an, andere Fluglinien ermöglichen kostenlose Umbuchungen, um rechtzeitig zuhause zu sein.

Sogar Kultur-Größen passen sich an: Star-Geiger André Rieu hat sein Klassik-Konzert in Maastricht von Sonntagabend auf den Nachmittag verlegt. Beim "North Sea Jazz"-Festival in Rotterdam werden Leinwände aufgebaut und Stevie Wonder tritt spontan erst nach dem Schlusspfiff auf. Ein Flaggenhersteller produziert Fahnen im Schichtbetrieb: "Hier wohnen Weltmeister", steht darauf.

Brauereien rechnen derweil schon mit Rekord-Umsätzen. 78,5 Liter Bier trinken die Holländer durchschnittlich pro Kopf und Jahr. Es sei damit zu rechnen, dass der Konsum während der WM höher liegt, erklärt Jack Vorhoek vom Verband der niederländischen Brauereien, der Tageszeitung De Volkskrant . Allein in der Hauptstadt Amsterdam wird das WM-Finale gegen Spanien heute wohl in über tausend Kneipen übertragen, auf der offiziellen Fan-Meile beim Reichsmuseum erwartet die Stadtverwaltung über vierzigtausend Besucher.

Denn mit jedem Spiel seien es mehr geworden, wie ein Mitarbeiter berichtet. Mit jedem Sieg wurde die Stimmung besser, die Eurphorie größer. Jetzt, kurz vor dem Finale, liegt eine Spannung über dem ganzen Land.

Leser-Kommentare
  1. Die niederländischen Fußball-Fans sitzen rund um das WM-Finale gegen Spanien auf dem Trockenen.

    Um mögliche Krawalle in Holland zu verhindern, wurde für Sonntag und Dienstag ein landesweites Alkoholverbot in Kraft gesetzt.

    Auf allen öffentlichen Plätzen, in Bahnhöfen, Zügen, anderen öffentlichen Verkehrsmitteln und bei Veranstaltungen darf kein Alkohol ausgeschenkt werden.

    http://www.focus.de/sport...

  2. Der Sachverständige O.Kahn hatte in der Halbzeitpause des Finales analysiert, dass die Holländer es mangels spielerischer Potenz offenbar mit Kloppen versuchen. Schön über die elf Spieler verteilte gelbe Karten waren es am Ende.
    Und elf Spanier, die vorübergehend mehr um ihre Gesundheit bangten als um den WM-Titel.
    Ging es den Niederländern womöglich gar nicht um den WM-Titel? War es Rache für Phillip II ?

    Das sei "auch Fußball", verkündete Kahn. Wobei er geflissentlich übersah, dass sich die ungelenke Keilerei ein paar hundert Millionen Menschen mit Vergnügen anschauen wollten.

    Die Frage stellt sich, ob Herr Löw bei seinem eigenen Anlauf nicht auf diese eigentlich nahe liegende Taktik, die Spanier durch Prügel zu demoralisieren, gekommen war. Oder wollte er schlichtweg in Schönheit und Eleganz untergehen? Mal wieder Nazi-Vorwürfe der englischen Herrenmenschenpresse vor Augen?

    • Atan
    • 12.07.2010 um 9:27 Uhr

    dass "Oranje" es im dritten Anlauf endlich mal schafft und mir die Niederländer aus eigener Erfahrung grundsätzlich sympathisch sind. Nach den ersten gelben Karten verging mir diese Haltung allerdings und ich bin froh, dass die eindeutig beste Mannschaft das Tunier gewonnen hat.
    Sport ist immer noch Sport, und als Kriegsersatz taugt so eine spassfreies Gehacke sowieso nicht.

  3. wie User Atan im 3. Posting: ich war absolut dafür, dass die Elftal den Titel im 3. Anlauf holt, sie hätten es längst verdient gehabt, ausserdem mag ich Holland und die Niederländer.

    Aber die Hackerei und vor allem das ständige Meckern und Rumgenöle mit dem Schiedsrichter hat völlig abgetörnt. Statt Endlosdiskussionen mit dem Schiri zu führen, hätten sie besser zugesehen, wie sie ihr Potenzial entfalten.

    Demgegenüber haben die Spanier ansatzweise ihre Klasse sehen lassen und haben wenigstens stellenweise etwas Eleganz spüren lassen. So sind sie verdient Weltmeister geworden. Auch gut.

  4. ... die Spanier, die gemeckert haben und permanent Karten für Holländer gefordert haben. So etwas war mindestens so unsportlich wie das ein oder andere Foul und gehört nicht in den Fußball.

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