Interview mit Maradona"Ich möchte der Letzte sein, der den Pokal küsst"

Ich bin gereift, sagt Argentiniens Trainer Diego Maradona. Im Interview redet er über seine Taktik, die Einzigartigkeit von Lionel Messi und deutsche Verbalattacken. von Carlos Carpaneto

Ich habe keinen gesehen, der auch nur 30 Prozent von Messi hat: Argentiniens Trainer Diego Armando Maradona

"Ich habe keinen gesehen, der auch nur 30 Prozent von Messi hat": Argentiniens Trainer Diego Armando Maradona  |  © Valery Hache/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Diego Maradona, Sie sind der einzige Trainer, der Küsse verteilt.

Diego Maradona: Ich war schon immer so. Du kannst den ganzen Tag trainieren, von morgens bis abends, aber wenn kein Feeling zwischen dir und den Spielern ist, dann kannst du keine Geschichte schreiben. Niemand soll glauben, dass hier ein Zauberer am Werk ist. Die Zauberer sind die mit den kurzen Hosen. Natürlich gibt es die Guardiolas, Mourinhos, Menottis, Bilardos und Basiles – Trainer, die einiges erreicht haben. Aber durch ihre Spieler.

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ZEIT ONLINE: Was unterscheidet Sie von diesen Trainern?

Maradona: Ich bin im richtigen Moment zu einer Gruppe argentinischer Spieler gekommen, die zusammenspielen, um die Menschen zu erfreuen. Ich danke Gott, dass sie alle gesund sind.

ZEIT ONLINE: Es gibt auch Trainer, die mit den besten Spielern im Kader scheitern ...

Maradona: Das stimmt. Aber ich bin gereift. Denn die WM verlangt es, schnelle Entscheidungen zu treffen. Ich wusste: Wenn wir wieder spüren, was das argentinische Trikot bedeutet und was eine Weltmeisterschaft bedeutet, dann werden wir anders auftreten.

ZEIT ONLINE: Nach Bastian Schweinsteigers Verbalattacken sagten Sie, dass Schweinsteiger wohl nur nervös sei. Sind Sie denn gar nicht nervös vor dem Spiel gegen Deutschland?

Maradona: Ich mache mir keine großen Sorgen wegen Deutschland. Wenn wir gleichviel Ballbesitz haben, dann sind wir im Vorteil, weil wir den Ball besser kontrollieren können. Wie wir im März gegen Deutschland gespielt haben, war taktisch perfekt. Ich möchte, dass die Jungs verstehen, dass wir dem Gegner nicht den Ball herschenken können, wie wir es zwanzig Minuten lang gegen Mexiko getan haben. Wenn wir die Kontrolle am Spiel abgeben, dann ist das ganz allein unsere Schuld.

ZEIT ONLINE: Man sagt, dass die Einzelspieler Argentiniens Mannschaft so gut machen. Schmälert das Ihren Verdienst?

Maradona: Ich möchte der Letzte sein, der den Pokal küsst, denn die Spieler sind es, die ihn gewinnen. Dass das klar ist!

ZEIT ONLINE: Spüren Sie jetzt den Respekt vor dem Trainer Maradona, den Sie vorher vermissten und worüber Sie sich in derben Worten Luft gemacht haben?

Maradona: Ich habe nie daran geglaubt, was einige geschrieben haben. Ich kannte meine Fähigkeiten, wusste, was ich geben kann. Deshalb haben mich die Kritiken während der Qualifikation nicht geschockt. Ich wusste, dass ich eines Tages genau den Mascherano haben würde, den ich heute habe, und nicht den Mascherano, der mit einer Hälfte seiner Gedanken bei Real Madrid war und mit der anderen in Barcelona. Ich wusste, dass ich diesen Messi haben würde, diesen Tevez …

ZEIT ONLINE: Genießen Sie die WM mehr als erwartet?

Maradona: Nein, ich habe mir das genau so vorgestellt.

ZEIT ONLINE: Ist Lionel Messi wie der Maradona von 1986 oder eher wie der Maradona von 1982?

Maradona: Diese Vergleiche müssen aufhören, Messi sprengt alle Schubladen. Er ist so gut, dass er mit einer Krone auf das Spielfeld gehen könnte.

ZEIT ONLINE: Messi sagt, es läge an Ihnen, dass er so gut ist.

Leserkommentare
  1. ...Koksergelaber. Die reden alle so wenn ihnen nach dem Konsum noch ein par Gehirnzellen übrig geblieben sind. Man muss sicher seine Leistung anerkennen aber man darf auch nicht vergessen wieso wird so jemand überhaupt süchtig, ist doch eine Schwäche? Und die so genannten Verbalattacken der Deutschen finde ich sympathisch, die sollen ruhig mal ein wenig Farbe bekennen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • dacapo
    • 03. Juli 2010 12:21 Uhr

    Wenn dem so wäre, aber warum ist denn für Sie Schwäche ein Makel? Wissen Sie überhaupt, wie viele Süchtige in Ihrer Umgebung leben? Das behaupte ich unbekannterweise. Also, das gehört nicht hier hin, das wäre eine andere Diskussion.

    • dacapo
    • 03. Juli 2010 11:41 Uhr

    Ihnen erst das Interview mit Maradonna zu der Erkenntnis führt, es gibt Menschen, die sich zum Guten ändern.

    • dacapo
    • 03. Juli 2010 12:03 Uhr

    Man kommt von einem Extrem ins Andere.

    • dacapo
    • 03. Juli 2010 12:21 Uhr

    Wenn dem so wäre, aber warum ist denn für Sie Schwäche ein Makel? Wissen Sie überhaupt, wie viele Süchtige in Ihrer Umgebung leben? Das behaupte ich unbekannterweise. Also, das gehört nicht hier hin, das wäre eine andere Diskussion.

    Antwort auf "Religiöses..."
    • dacapo
    • 03. Juli 2010 14:29 Uhr

    Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei dem Spiel der Technokraten gegen den Herzlichen, welche Brille sie auch immer vorgeben zu tragen. Aber die Sichtweise, dass die Deutschen nie mit Herz spielen können, war schon immer falsch. Der Bessere möge gewinnen, aber ich möchte von Ihren Lieblingen bitte nicht sehen, dass sie eine kleine Druckstelle dem Schiedsrichter zeigen um einen Strafstoß heraus zu holen. Für ein Genie sollte es selbstverständlich sein, solche kindischen Verhaltensweisen seinen Spielern auszutreiben. Das macht Größe aus, die hat Maradonna leider nicht mehr. Noch mal, sein Auftreten ist Vorstadtstadtkneipen-Niveau in irgendeiner argentinischen Stadt. Darauf (trinken wir) acht Kreuzzeichen.

    Antwort auf "Der Beste,"
    • dacapo
    • 03. Juli 2010 18:51 Uhr

    An den mit der Blau-Weißen Brille.
    Das meine ich. Die mit Herz spielenden Argentinier regen sich fast über jede Schiedsrichterentscheidung auf. Die Deutschen regen sich nur einmal über die Gelb Karte wegen Handspiels von Müller auf, welches eine fragwürdige Entscheidung war. Was meine Beschreibung "Vorstadtkneipe" angeht, dann habe ich folgendes hinzuzufügen: Warum steckt Maradonna nach einem Spielstand, der keine Hoffnung auf eine Erwiderung der argentinischen "Wunderfüßen" aussah, steckte er seine Hände in die Taschen, an einer steckte ja der Rosenkranz, den er sonst so "werbewirksam" übermassen zur Schau stellte. Das ist kein Genie mehr, das ist eine Tragödie. Aber jeder bekommt, was er verdient, auch wenn es von dem ist, von dem er Beistand erhofft.

    • dacapo
    • 03. Juli 2010 18:55 Uhr

    Überall und zu jeder Zeit hat Löw nur Kritik zu hören bekommen. Denen allen muss man ins Stammtischbuch schreiben, es gehört schon etwas mehr dazu, etwas besser zu wissen, wenn man meint, es zu wissen.

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  • Schlagworte Diego Maradona | Lionel Messi | Real Madrid | Argentinien | Trainer | Xavi
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