Spaniens Dominanz Das ballsicherste Mittelfeld der Welt

Spanien spielt nicht mehr den glänzenden Fußball wie vor Jahren. Doch der Halbfinalgegner Deutschlands imponiert noch immer mit Dominanz.

Die Spanier herzen ihren besten Torschützen: David Villa

Die Spanier herzen ihren besten Torschützen: David Villa

Zwei Jahre vergehen im wirklichen Leben wie im Flug, im Fußball ist es eine lange Zeit. Spielsysteme ändern sich, Mannschaften entwickeln sich. Der Aufstieg des leichtfüßig kombinierenden deutschen Teams ist das beste Beispiel. Die spanische Nationalmannschaft nimmt auf diesen Zeitgeist wenig Rücksicht. Seit dem Gewinn der Europameisterschaft 2008 hat sich im Team von Trainer Vincente del Bosque, der Luis Aragones nachfolgte, wenig geändert. Der auf Dominanz ausgerichtete Kombinationsfußball ist geblieben – wie auch der Erfolg.

Beim 1:0-Sieg im Viertelfinale gegen Paraguay kamen neun Spieler zum Einsatz, die vor zwei Jahren in der Siegerelf von Wien standen. Im Gegensatz zu Bundestrainer Joachim Löw, der die DFB-Elf konsequent verjüngte, frischte del Bosque sein Team lediglich mit Sergio Busquets (21) und Gerard Piqué (23) auf, zwei Stars des FC Barcelona. Zwar sind die Spanier noch nicht in den schönen Spielfluss gekommen, mit dem sie bei der EM die Fans betörten, und sie verloren gar das erste Spiel bei der WM gegen die Schweiz mit 0:1. Doch sie kämpften sich ins Turnier. "Mehr als zu spielen, konkurrieren wir jetzt", sagt Torwart und Kapitän Iker Casillas und Trainer del Bosque ergänzt: "Wir haben gegen Paraguay nicht sehr gut gespielt, aber wir haben Mittel gefunden, uns mit jeder Mannschaft auseinanderzusetzen."

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Die Kritik der Puristen im Land, del Bosque würde das schöne Spiel verraten, verhallte im Erfolg. Zudem ist der Vorwurf ungerecht. Die Spanier praktizieren immer noch den ansehnlichen Kombinationsfußball, mit dem sie Tempo und Rhythmus des Spiels vorgeben. Bislang haben sie im Turnier jeden Gegner dominiert, hatten 58 Prozent Ballbesitz und 80 Prozent der Pässe fanden den Mitspieler. Zum Vergleich: Das deutsche Team zeigte 73 Prozent Passgenauigkeit.

Das Mittelfeld ist die Keimzelle spanischer Klasse. Das Barcelona-Duo Xavi Hernandez und Andrés Iniesta bildet die Kreativabteilung, sie werden von Busquets und Real-Spieler Xabi Alonso nach hinten abgesichert. "Xavi und Iniesta spielen in Barcelona seit Jahren zusammen, sie sind die ballsichersten Spieler der Welt", urteilt Bundestrainer Löw. Das geniale Duo ist schuld daran, dass Cesc Fábregas, beim FC Arsenal der unumstrittene Regisseur, in der "selección" nur Ersatzspieler ist.

Xavi ist der große, zentrale Organisator des spanischen Spiels, sein kongenialer Partner Iniesta der Künstler im Team. In Barcelona entwickelt er jedoch mehr Offensivdrang als im Nationalteam und weicht häufig nach rechts oder links aus. Das liegt daran, dass er nach zahlreichen Verletzungen nicht richtig fit ist. Bei Ballbesitz zieht er zu sehr ins Zentrum, dem spanischen Aufbauspiel fehlt etwas die Breite.

Die beiden Außenverteidiger Sergio Ramos und Joan Capdevilla sind an vielen Offensivaktionen der Spanier beteiligt. Anders als die behäbigen Argentinier Otamendi und Heinze, die gegen Deutschland fast ausschließlich defensiv beschäftigt waren. Dass die Spanier erst zwei Gegentore kassierten, liegt an Carles Puyol, dem beharrlich zu seinen langen Locken stehenden Verteidiger und Piqué, seinem Teamkameraden aus Barcelona. Piqué trägt den Spitznamen "Piquenbauer", weil er ähnlich elegant spielt wie früher Franz Beckenbauer. Sein Offensivspiel besitzt allerdings größere Dynamik als das des "Kaisers".

Der Star einer neiderregend gut besetzten Mannschaft ist derzeit David Villa. Der kleine Stürmer aus der Bergbauregion Asturien ist auf dem besten Weg, Torschützenkönig der WM zu werden. Fünf der sechs spanischen Turniertore schoss der linke Halbstürmer. Die Frage muss erlaubt sein: Was würde Spanien ohne seinen Torjäger ausrichten? Und: Wie setzt er sich gegen Philipp Lahm durch, einen der besten Rechtsverteidiger des Turniers?

Wie auch immer der schönste Treffer gelang Villa gegen Honduras: nach einem Solo traf er genau in den Winkel. "Villa ist im Abschluss der wohl gefährlichste Spieler der WM", sagt Joachim Löw. Der linke Halbstürmer trifft nicht nur aus fast allen Positionen, er arbeitet auch vorbildlich in der Defensive und verteidigt seinen außer Form geratenen Sturmpartner Fernando Torres. "Wir haben von der Arbeit Fernandos extrem profitiert", sagt Villa. Das beweist: sie stehen für einander ein.

Wenn die Spanier auch ein wenig Glanz vergangener Tage eingebüßt haben, der Respekt des Gegners ist ihnen gewiss. "Spanien war für mich vor Turnierbeginn der klare WM-Favorit, das ist es immer noch", sagt Arne Friedrich.
 

 
Leser-Kommentare
    • TDU
    • 07.07.2010 um 19:23 Uhr

    Der Titel bringt es auf den Punkt und erklärt, warum das Spiel heute abend das schwerste wird.

    • Ghassi
    • 07.07.2010 um 23:51 Uhr

    Diese Niederlage ist für diese so junge DFB-Auswahl ein herber Rückschlag. Für sämtliche Infos rund um die WM und Südafrika, empfiehlt sich das Südafrika-Portal: http://2010sdafrika.wordp...

  1. Hallo an alle,

    wir vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung versuchen immer noch die WM-Spiele vorherzusagen. Also helft uns unter:
    www.wmbauchentscheidungen.de

    Liebe Grüße,
    Eric Schulz

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