Spanien: Verwandt mit Iniesta
Oft sitzt er vor dem Fernseher und schreit, schimpft und klatscht. Beim WM-Finale fieberte Spanien-Pate Matthias Stolz nur ein bisschen mit. Der Schmerz saß noch zu tief.
© Doug Pensinger/Getty Images

Siegtorschütze Andres Iniesta
Die Familie meiner Freundin ist jetzt recht glücklich, glaube ich. Man muss diese Freude aus wenigen Zeichen herauslesen, beim Vater meiner Freundin etwa dadurch, dass er die Mannschaft indirekt als "Genies" bezeichnet hat, was ihm nicht so oft passiert. Auch bei meiner Freundin ist das so: Sich offen über Spanien freuen, das geht nicht, denn ihre Familie kommt ja aus Katalonien, wie gesagt. Es hilft auch nur wenig, wenn ein Katalane namens Iniesta das Siegtor schießt, von dem es heißt, er sei sogar über ein paar Ecken mit ihnen verwandt.

Matthias Stolz arbeitet als Redakteur für das ZEITmagazin und ist kein Modespanienfan. Wirklich nicht.
Das Halbfinale war blöd, weil ich es neben meiner Freundin verbrachte, einer Frau, die sich über den spanischen Sieg noch weniger freuen wollte als sonst, weil ich neben ihr schrecklich litt, ich war ja eigentlich doch für Deutschland, weswegen ich mir wiederum Mühe gab, nicht ganz so schrecklich zu leiden (dabei finde ich, dass das Leiden beim Fußball besonders schön ist und dass man es hier nicht zu verstecken braucht. Das ist nicht bei jedem Leiden so).
Am allerliebsten hätte ich so geheult wie jener kleine Junge auf der Tribüne des Stadions, den die Fernsehkameras einfingen und das Bild lief hinter Netzer und Delling und die drehten sich um zu dem Kind, und sagten sinngemäß, so schlimm sei es dann doch nicht. Doch! Es ist schlimm, wenn die eigene Mannschaft verliert. Wenn es nicht schlimm wäre, wären alle Stunden vor dem Fernseher sinnlos gewesen.
Im Fernsehen ist es immer die Pest, wenn darüber berichtet wird, wie sich ein Land freut, weil man dann immer nur die üblichen Hopser der Fanmenge sieht und Fahnengeschwenke oder man hört den Satz "Sie wollen gar nicht mehr nach Hause, hier auf dem Platz Soundso in Soundso, so sehr freuen sie sich mit ihrer Mannschaft." Im Hintergrund sieht man ungefähr 17 Fans, die so betrunken sind, dass sie den Weg nach Hause nicht mehr finden.
Tatsächlich zu erfahren, warum sich jemand freut oder wie er sich beim Fußballschauen verhält, ist jedoch immer interessant. Ich hätte zum Beispiel jenen deutschen Familienvater, der beim Finale in Gohren am Bodensee als einziger in einem Biergarten vor mir aufstand und stramm stand, als die deutsche Nationalhymne gespielt wurde, gerne gefragt, warum er das tut. In Berlin habe ich sicher tausend Menschen Fußball gucken sehen, da ist nie jemand aufgestanden, noch nicht mal ironisch. Warum also dieser Vater? Ist er Soldat und es ist einfach in ihm drin? Wollte er seinen Kindern Vorbild sein? Bildete er sich ein, durch Mitsingen selbst Teil der Mannschaft zu sein?
Ich selbst bin auch nicht frei von seltsamen Verhaltensweisen, wenn meine Mannschaft spielt. Dann schreie ich auch vorm Fernseher, als säße ich im Stadion. Ich klatsche auch, wenn ein Verteidiger zum Einwurf klärt. Es hilft mir sehr. Ich schimpfe auch, so sehr, dass es manchmal heißt, ich sollte mich doch mal benehmen.
Beim
Finale
war ich ruhig, es spielte ja nur Spanien gegen Holland. Ich fieberte ein bisschen mit für Spanien. Vor allem hoffte ich, meine Freundin sich freuen zu sehen, wenn Spanien dann Weltmeister ist. Vielleicht auch, weil ich hoffte, das würde meinen eigenen Schmerz vom Halbfinalspiel lindern. Zu meiner Überraschung jedoch wollte sie dann sogar schon vor der Pokalübergabe nach Hause. Das war dann doch weitaus weniger Euphorie, als ich gebraucht hätte.
Die WM-Paten: Jedes teilnehmende Land bekommt einen Paten aus den Redaktionen von ZEIT ONLINE, ZEIT oder extern. Die Paten porträtieren die Länderteams und schreiben subjektive Spielberichte zu den Partien ihres Teams.









Hmm soweit ich weiss ist Iniesta Spanier und kein Katalane. Er spielt zwar beim FC Barcelona. Das hat aber nicht zu bedeuten das er Katalane ist. Hier im katalanischen Fernsehen spricht er nur spanisch und kein Català.
Trotzdem ein sympathischer Mensch (zumindest macht er in den Fernsehinterviews diesen Eindruck) und ein super Fussballspieler. Super Tor gestern. Glückwünsche an die Furia roja.
=> Meine Freundin (Katalanin) hat sich gestern auch nicht sonderlich gefreut.
wirklich schade, dass die Katalanen das immer noch so verkrampft sehen.
Ich glaube eher das die Katalanen das mittlerweile sehr entspannt sehen und mittlerweile die richtigen Schlüsse gezogen haben.
Aber das hat nichts mit dem Sport zu tun. Deswegen sollten wir es dabei belassen.
Ich glaube eher das die Katalanen das mittlerweile sehr entspannt sehen und mittlerweile die richtigen Schlüsse gezogen haben.
Aber das hat nichts mit dem Sport zu tun. Deswegen sollten wir es dabei belassen.
Ich glaube eher das die Katalanen das mittlerweile sehr entspannt sehen und mittlerweile die richtigen Schlüsse gezogen haben.
Aber das hat nichts mit dem Sport zu tun. Deswegen sollten wir es dabei belassen.
Ich kann nur bestätigen, dass sich in Spanien sehr viele Leute nicht über den Erfolg der spanischen Mannschaft freuen. Die Realität ist nun mal komplexer als in den meisten Medien dargestellt.
Danke an Herrn Stolz für die differenzierte Darstellung.
Entschuldigung for writing in english, mein deutsch ist nicht sehr gutt : Iniesta could be catalan if he feels like, because he lives in our country for years and we are open and not ethnic nationalists, but is born in (south) Spain. I like Iniesta as a player and person, but I´m catalan and in the match I was with Holland. Our real final was saturday and we won it totally : 1.500.000 catalans claimed for independence collapsing Barcelona. Compare : spanish ( or catalans ) celebrating spanish victory were 75.000. I have nothing against spanish people, my own parents are born close to Iniesta´s place, but I want to decide my future
[...]
Teilweise entfernt. Bitte verzichten Sie auf diffamierende Äußerungen und bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/km
Anders als der Autor, der anscheinend, obwohl eindeutig Deutscher, darüber nachdenken musste für wen er sein sollte ("eigentlich doch für Deutschland")und es sonst vielleicht noch fertig gebracht hätte, für Spanien zu sein, nur im ihr einen Gefallen zu tun.
...auf der Tribüne des Stadions war ein Mädchen!
Dear katalanisch,
If you make a connection between an article about a football match to politics please stick to the facts. The demonstration on Saturday was NOT a demonstration for independence (even though some catalanist politicians tried to hijack it for this purpose by spreading separatist buttons, billboards and flags for free; and on the other side the Spanish right intends to mark it as this). It was a protest against the decision of the Constitutional Court, and that´s why it could gather so many people. As I live in Barcelona I also talked to some of the participants and no one of them was for an independent Catalonia, they all came there to protest against this sentence.
About the match: there were not 75.000 people celebrating after the match, there were 75.000 watching at the only Public Screen the City Council had installed. And there was also simply no space for more, because the entire space reserved for spectators was full. I had to go back from that place (Plaça Espanya) to my neighbourhood of Gracia after the match and believe me, there were certainly more then only this 75.000 celebrating. Even in a traditional catalanist bulwark as Gracia you saw people with Spanish flags and shirts celebrating.
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