Elefanten trabten über den Stadionrasen, Shakira sang gemeinsam mit Südafrikas beliebtester Band, und Nelson Mandela grüßte bei einem seiner wahrscheinlich letzten öffentlichen Auftritte die Besucher seines Landes. Ja, da war was los. Als die Sonne über Johannesburg vor einem dunkelroten Horizont unterging, erreichte dieses Fußballturnier seinen Höhepunkt. Wer sich auf dieser Welt für wichtig hält, war gekommen. Der Fifa-Boss Sepp Blatter und Südafrikas Präsident Jacob Zuma lachten. Das Finale wurde zum gelungenen Abschluss einer geglückten Fußball-WM.

Lindi ist eine große Südafrikanerin mit kräftigen Armen. Seit dem Eröffnungsspiel stand sie während jeder WM-Partie im Soccer-City-Stadion hinter dem Imbisstresen. Sie freut sich und sagt, Spanien sei ein würdiger Gewinner des ganzen Turniers. Als der Torwart der spanischen Mannschaft nach dem Finale vor Freude weint, belegt sie die letzten Hotdogs dieser WM.

Etwa 700 Millionen Menschen haben auf allen Teilen der Erde live zugesehen, wie Andres Iniesta das spanische Team in der Verlängerung zum Weltmeistertitel schoss. Das letzte Spiel der 64 WM-Partien war nicht das ansehnlichste, nicht das torreichste, nicht das beste, aber ein äußerst spannendes. Lindi bewertet diesen Abend als den "coolsten von allen." An keinem der WM-Spiele habe sie mehr Hotdogs verkauft.

Wer Erfolg in Geld misst, kennt das Ungeheuerliche: 3,2 Milliarden Dollar soll die Fifa an ihrem Turnier in Südafrika verdient haben, so viel wie niemals zuvor. Auch wenn der Verband sich gern so präsentiert (und Joseph Blatter sich Hoffnungen auf den Friedensnobelpreis macht), wie eine gemeinnützige Organisation handelt die Fifa nicht. Aber diese WM ist weitaus mehr als ein Erfolg für den Weltfußballverband. Vom Glanz, dem Stolz, dem Selbstbewusstsein und der Freude dieses Turniers
wird Südafrika lange profitieren. Die Welt war zu Gast. Und die Afrikaner haben den Gast positiv überrascht.

Es gibt wohl kein Ereignis, welches in der heutigen Zeit ein größeres Gemeinschaftsgefühl und eine globalere Massenbegeisterung auslöst als eine Fußball-WM, kommentierte der ZEIT ONLINE-Leser Gregor.

Keine Präsidentschaftswahl, keine olympischen Spiele, keine politische Massenbewegung und auch kein Krieg können in den modernen Staaten wohl noch ein ähnliches länderumspannendes Gefühl erschaffen, wie die Fifa es mit ihrer WM vermag. Ist das kein oder ein Grund zur Freude?

Natürlich ist die Kritik am ganzen Zirkus berechtigt. Auch wenn diese WM-Wochen ohne ernsthafte Zwischenfälle verliefen, alle Stadien so gut wie ausverkauft waren, kein Mensch durch Kriminelle getötet wurde.

Da ist der 60 Jahre alte Taxifahrer, der in der Küstenstadt Port Elizabeth nach dem letzten Spiel in seinem Taxi um das imposante neue Nelson-Mandela-Bay-Stadion fährt und sich kopfschüttelnd fragt, wofür der Fußballtempel jetzt noch gut sein soll, wenn die Fußball-WM beendet ist. Da sind die hunderten Besucher, die nicht auf dem Flughafen in Durban landen konnten und das Halbfinale der deutschen Mannschaft verpassten, weil acht Privatjets die Landebahn nicht freimachen wollten.

Für die Zeit nach der WM befürchten Einwanderer ähnliche fremdenfeindliche Übergriffe wie vor zwei Jahren. Während des laufenden Turniers begannen die Sicherheitsangestellten wegen der Hungerlöhne und Arbeitsbedingungen zu streiken. Sie mussten durch zigtausende Staatspolizisten ersetzt werden.

Wie jede WM zuvor hatte auch diese ihre Probleme, aber trotz zahlreicher Befürchtungen verlief sie reibungsloser als viele Fahrten mit der Deutschen Bahn.

Nach Momenten der Freude, Jubel, Trauer, Trunkenheit und Fußball-Freundschaft bleibt nun nicht weniger als die Erinnerung. Diese WM hat dem Selbstbewusstsein eines zusammenwachsenden Volkes einen Kick gegeben. Allein in der Erinnerung daran wird Südafrika zukünftig Mut finden.

Lindi sagt, niemals zuvor habe sie ihr Land in so einer friedlichen und offenen Stimmung erlebt. Und: "Verdammt", ruft sie, "habt ihr nicht vorher alle gezweifelt? Am Ende hat doch alles so gut geklappt wie bei Euch damals vor vier Jahren." Im größten Stadion Afrikas steht sie abseits des letzten WM-Trubels hinter der Imbisstheke. Die Hotdog-Verkäuferin ist stolz, dank eines Fußballturniers.