Spanien-Team Auf der Suche nach den Löchern
Die spanische Nationalmannschaft spielt den beeindruckendsten Fußball der Welt. Am Ende aber brauchte sie eine Standardsituation zum Sieg. Ein Problem fürs Finale?
© Jewel Samad/AFP/Getty Images

Carles Puyol (Mitte), umringt von seinen talentierteren Mitspielern
Carles Puyol ist ein hartnäckiger Typ. Das war er schon immer. Es gibt die Geschichte, dass er damals, als er als Nachwuchsfußballer um Aufnahme in die Talentschmiede des großen FC Barcelona bat, immer wieder abgewiesen wurde, und dennoch stets wieder kam. Zu schlecht gehst du mit dem Ball um, sagten die Jugendcoaches, ich will aber doch, sagte Puyol. Irgendwann durfte er dann bleiben, es hat sich gelohnt.
Ein Ballkünstler ist er immer noch nicht, weshalb man Carles Puyol ein bisschen bedauern muss. Beim Training der spanischen Nationalelf wird er sich ob seiner gröberen Ballbehandlung sicher den einen oder anderen Witz seiner durchweg technisch beschlagenen Kollegen anhören. Beim 1:0 im Halbfinale gegen die DFB-Elf aber war es Puyols Hartnäckigkeit, die dafür sorgte, dass die Spanier nun zum ersten Mal in der WM-Geschichte im Finale stehen.
Bereits in der 13. Minute hatte er bei einem Eckballausflug die Führung für sein Team auf dem wild-gelockten Kopf, da zielte er noch drüber. Eine Spielstunde später machte er es besser, als er mit viel Anlauf und wenig Gegenwehr das letztlich einzige Tor dieses WM-Halbfinals köpfte. Dass die Spanier in diesem Spiel tatsächlich auf eine Standardsituation angewiesen waren, mag als kleiner Treppenwitz in die WM-Geschichte eingehen. Es sagt aber auch mehr über den spanischen Fußball aus, als ihm lieb sein kann.
Die Spanier sind eine Mannschaft, die gar nicht anders kann, als ihr Spiel zu spielen. Während andere Teams mal mutiger, mal vorsichtiger, mal gemütlicher, mal flotter oder mal kürzer und mal weiter spielen, gibt es für die spanische Elf nur eine Taktik: passen, laufen, passen. Wenn wir den Ball haben, dann geben wir ihn nicht mehr her. Spanien legt sich den Gegner zurecht, spielt solange um die Abwehr herum, bis sich das entscheidende Loch auftut. Wenn das klappt, ist es der beeindruckendste Fußball der Welt.
Im Gegensatz zur deutschen Elf, die irgendwie überwältigt wirkte, von Größe und Relevanz dieses Fußballspiels, traten die Iberer mit so viel Selbstverständnis auf, als würden sie wöchentlich ein WM-Halbfinale bestreiten. Der Ball lief, von Xavi zu Iniesta zu Busquets und wieder zurück. Jeder wusste, was er zu tun hatte, schließlich spielt man ja immer so. Das feste System gab dem Team von Vicente del Bosque Sicherheit.
Doch die Ballkreiselei hat ihre Grenzen. Der ähnlich veranlagte FC Barcelona wurde im Halbfinale der Champions League vom extrem unterkühlt spielenden späteren Sieger Inter Mailand ausgekontert. Die können ruhig den Ball haben, solange wir die Tore schießen, hatte Mailand-Trainer José Mourinho seinem Team einst im Mai mit auf dem Weg gegeben. Eine ähnliche Taktik hat wohl auch Jogi Löw vor diesem Spiel ausgerufen.
Und obwohl man die spanische Überlegenheit während der ganzen Partie beobachten konnte, erspielten sich Xavi und Freunde nur wenige echte Torchancen. Eine Gelegenheit von David Villa sowie ein gefährlicher Iniesta-Ball parallel zum deutschen Tor waren die einzigen herausgespielten gefährlichen Situationen. Es ist das alte Manko des schönen Spiels: Es ist ineffektiv. Aufwand und Ertrag liegen viele Torwartabschläge voneinander entfernt.
Im Finale wartet eine ebenfalls extrem nonchchalant spielende Elf, die Niederländer. Während sich die deutsche Mannschaft im Halbfinale mit ihrer Rolle als Konterteam nicht ausreichend identifizieren konnte, werden die Männer von Bert van Marwijk damit kein Problem haben. So schlugen sie im Halbfinale sogar die spielerisch limitierten Uruguayer. Die niederländische Abwehr wird jedenfalls kaum größere Löcher bieten als die deutsche heute. Aber vielleicht ist den Spaniern das ja sogar egal. Im Notfall gibt es ja noch diesen Carles Puyol.
- Datum 08.07.2010 - 02:43 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Die Spanier brauchen eigentlich zu viele Torchancen, um ein Spiel zu entscheiden, aber dank ihrer unglaublichen Ballkontrolle im Mittelfeld konnten sie es sich bisher leisten. Irgendwann macht der Gegner einen Fehler, und zack, sind sie da und gewinnen 1:0, und wenn's dann eben "nur" durch einen "popeligen" Eckball oder Elfmeter ist. Und die holländische Abwehr ist alles andere als fehlerfrei, hat ja nun doch schon das ein oder andere Törchen kassiert. Also entweder die Holländer schaffen es, dieses grandiose Mittelfeld wenigstens etwas zu entzaubern, und auch mal die spanische Abwehr unter Druck zu setzen (was bisher noch nicht einer einzigen Mannschaft gelungen ist). Oder sie machen's auf die Schweizer Art: Vorne mit Glück einen reinmachen und dann mit möglichst wenigen Fehlern hinten und einer weiteren gehörigen Portion Glück den Sieg festhalten. Wobei die Holländer sicherlich erheblich besser kontern können als die Schweizer... Wenn die Spanier in Führung gehen, wird's ganz ganz schwer, weil die kontrollieren das Spiel wesentlich besser als etwa Brasilien.
Ich gönne Spanien den Sieg, er ist verdient.
Sie spielen den besten Fußball der Welt.
Aber: Sie spielen auch den langweiligsten Fußball der Welt.
Es ist immer schwierig, den Sieger zu kritisieren ohne beleidigt zu wirken.
Dennoch möchte ich anmerken, dass die Medien - bevor sie mal wieder die Leier mit dem besten Team der Welt anstimmen - sich die Spiele der Weltmeisterschaft ansehen und auch mal auf die Ergebnisse schauen.
Eine Mannschaft, die in den KO-Spielen ausschließlich 1:0 spielt, gabs schon mal: Deutschland 2002.
Ich erinnere mich, dass wir damals viel Spott einstecken mussten über diese Ergebnisse.
Warum wird Spanien dennoch angehimmelt?
Weil man bei Spanien immer das Gefühl hat, dass sie wissen was sie tun. Gegen die Schweiz waren sie wie schon Deutschland gegen Serbien besser, aber der Gegner hatte einmal Glück gehabt.
Die Spanier kontrollieren das Spiel und spielen Pässe mit traumwandlerischer Sicherheit und Genauigkeit. Das wollen Sie doch nicht mit dem Fußball der Deutschen von 2002 vergleichen!? Damals sind die Deutschen dank harter Abwehrarbeit, "Titan" Kahn und dank Kloses und Ballacks guter Form so weit gekommen. Schauen Sie sich mal das Team von damals an. Feine Techniker finden sie da nur in Bernd Schneider, der Rest sind grundsolide "Arbeiter" ;-)
Vor dem Spiel hieß es, die spanische Zitrone werde von der deutschen Zitronenpresse ausgequetscht - tatsächlich fand man gestern das Bild vom spanischen Matador und dem deutschen Bullen vor.
Ich habe selten ein so unterhaltendes Fußballspiel gesehen wie das Halbfinalspiel Spanien Deutschland. Die Pässe waren wunderschön über flache Distanzen in die Zwischenräume gespielt, die Spieler tänzelten im deutschen Strafraum herum, und spannende Momente wurden von beiden Seiten produziert.. letztendlich jedoch mehr von den Spaniern. Gegen die Spanier wirkte die deutsche Auswahl etwas plump und hat leider nicht den nötigen Vorwärtsdruck aufbauen können, um eine solch schnelle Mannschaft in Bedrängnis zu bringen.
Weil man bei Spanien immer das Gefühl hat, dass sie wissen was sie tun. Gegen die Schweiz waren sie wie schon Deutschland gegen Serbien besser, aber der Gegner hatte einmal Glück gehabt.
Die Spanier kontrollieren das Spiel und spielen Pässe mit traumwandlerischer Sicherheit und Genauigkeit. Das wollen Sie doch nicht mit dem Fußball der Deutschen von 2002 vergleichen!? Damals sind die Deutschen dank harter Abwehrarbeit, "Titan" Kahn und dank Kloses und Ballacks guter Form so weit gekommen. Schauen Sie sich mal das Team von damals an. Feine Techniker finden sie da nur in Bernd Schneider, der Rest sind grundsolide "Arbeiter" ;-)
Vor dem Spiel hieß es, die spanische Zitrone werde von der deutschen Zitronenpresse ausgequetscht - tatsächlich fand man gestern das Bild vom spanischen Matador und dem deutschen Bullen vor.
Ich habe selten ein so unterhaltendes Fußballspiel gesehen wie das Halbfinalspiel Spanien Deutschland. Die Pässe waren wunderschön über flache Distanzen in die Zwischenräume gespielt, die Spieler tänzelten im deutschen Strafraum herum, und spannende Momente wurden von beiden Seiten produziert.. letztendlich jedoch mehr von den Spaniern. Gegen die Spanier wirkte die deutsche Auswahl etwas plump und hat leider nicht den nötigen Vorwärtsdruck aufbauen können, um eine solch schnelle Mannschaft in Bedrängnis zu bringen.
Weil man bei Spanien immer das Gefühl hat, dass sie wissen was sie tun. Gegen die Schweiz waren sie wie schon Deutschland gegen Serbien besser, aber der Gegner hatte einmal Glück gehabt.
Die Spanier kontrollieren das Spiel und spielen Pässe mit traumwandlerischer Sicherheit und Genauigkeit. Das wollen Sie doch nicht mit dem Fußball der Deutschen von 2002 vergleichen!? Damals sind die Deutschen dank harter Abwehrarbeit, "Titan" Kahn und dank Kloses und Ballacks guter Form so weit gekommen. Schauen Sie sich mal das Team von damals an. Feine Techniker finden sie da nur in Bernd Schneider, der Rest sind grundsolide "Arbeiter" ;-)
Vor dem Spiel hieß es, die spanische Zitrone werde von der deutschen Zitronenpresse ausgequetscht - tatsächlich fand man gestern das Bild vom spanischen Matador und dem deutschen Bullen vor.
Ich habe selten ein so unterhaltendes Fußballspiel gesehen wie das Halbfinalspiel Spanien Deutschland. Die Pässe waren wunderschön über flache Distanzen in die Zwischenräume gespielt, die Spieler tänzelten im deutschen Strafraum herum, und spannende Momente wurden von beiden Seiten produziert.. letztendlich jedoch mehr von den Spaniern. Gegen die Spanier wirkte die deutsche Auswahl etwas plump und hat leider nicht den nötigen Vorwärtsdruck aufbauen können, um eine solch schnelle Mannschaft in Bedrängnis zu bringen.
Eigentlich ist es egal wer Weltmeister wird ob Holland ,Spanien oder Deutschland. WIR sind Europa und Europa ist und wird Weltmeister. Das kleinliche gedöngel ist als wenn das Saarland gegen Bremen (austauschbar) Weltmeister wird. Freut euch auch mit den Spaniern die waren noch nie Weltmeister immer die gleichen wird langweilig und man muss auch jönne könne Felicitaciones Espana.
Natürlich kommen hinterher all die Hobbytrainer zum Vorschein. Dennoch halte ich die Taktik der deutschen Mannschaft gestern für falsch. Vor allem Chile hat im dritten Gruppenspiel in den ersten 20 Minuten vorgemacht, wie man Spanien aus dem Konzept bringt. Spanien das Mittelfeld zu überlassen und auf Tempogegenstöße zu setzen, ist tödlich, wenn diese Mannschaft den besten Tag ihres Turniers erwischt - dann gibt sie nämlich den Ball gar nicht erst her.
Leider war die deutsche Mannschaft gestern sogar schwächer als die des EM-Endspiels vor zwei Jahren, die hatte damals zumindest 10 gute Auftaktminuten. Das hat mich doch überrascht.
Technisch ist das, was die Spanier spielen, sicher beeindruckend. Aber mitreißend ist es nicht, weil das unendliche Kreisspiel um den Strafraum ein wenig an Handball erinnert, sehr kühl wirkt. Da kommt einfach kein Tempo ins Spiel. Man könnte Tiki-Taka auch als die offensive Variante des Catenaccio bezeichnen: Der Riegel steht im Mittelfeld. Wenn er aufgebaut ist, hat der Gegner schon verloren.
Jetzt droht ein eher langweiliges Endspiel: ein effizientes Oranje gegen ein unterkühlt-brillantes Spanien. Es würde mich wundern, wenn es so ein hin und her gibt wie im Endspiel 86 mit fünf Toren. Das war eigentlich das letzte wirklich gute WM-Endspiel.
...vollkommen anschließen. Der spanische Fußball ist perfekt, aber nicht mitreißend. Deutschland hat gestern auch viel zu passiv agiert und die Spanier viel zu wenig bedrängt. Dabei hätten die Deutschen bei ihren wenigen Offensivaktionen doch merken müssen, wie sehr Spanien hinten wackelt.
Die Holländer werden das anders handhaben. Besonders Mark van Bommel wird Xavi und Iniesta mal den ein oder anderen "mitgeben" und nicht so passiv nebenher laufen.
Ich bin wirklich kein Freund von "Treterfußball" aber ein WM-Halbfinale ohne auch nur EINE Gelbe Karte erlebt man selten. Es müssen ja keine bösen Fouls sein, aber dem Gegner ab und zu auch körperlich mal zu zeigen, dass er nicht alle Zeit der Welt hat den Ball zu kontrollieren, das darf schon mal sein.
...vollkommen anschließen. Der spanische Fußball ist perfekt, aber nicht mitreißend. Deutschland hat gestern auch viel zu passiv agiert und die Spanier viel zu wenig bedrängt. Dabei hätten die Deutschen bei ihren wenigen Offensivaktionen doch merken müssen, wie sehr Spanien hinten wackelt.
Die Holländer werden das anders handhaben. Besonders Mark van Bommel wird Xavi und Iniesta mal den ein oder anderen "mitgeben" und nicht so passiv nebenher laufen.
Ich bin wirklich kein Freund von "Treterfußball" aber ein WM-Halbfinale ohne auch nur EINE Gelbe Karte erlebt man selten. Es müssen ja keine bösen Fouls sein, aber dem Gegner ab und zu auch körperlich mal zu zeigen, dass er nicht alle Zeit der Welt hat den Ball zu kontrollieren, das darf schon mal sein.
Richtig: Spanien spielt ein System und das ziemlich perfekt. Aber das ist sicherlich kein Angsthasenfussball und auch kein System, dass unschlagbar ist (siehe Beispiel Barcelona im Kommentar und Hitzfeld mit der Schweiz).
Vielleicht liegt darin auch das Geheimnis des Erfolges: das passende System zu Mannschaft zu finden und dann nur wenig zu variieren.
Fussball ist vor allem Chancenverwertung: NER - URG 3:2, GER - ESP 0:1. Auch am Sonntag im Finale treffen wieder zwei gleichwertige Mannschaften gegenüber.
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