Südafrika nach der WM Durch Fußball vereint

Die Fußball-WM war teuer. Das Geld wäre in Südafrika anderswo vielleicht besser angelegt gewesen. Aber der Gewinn für das Land ist riesig.

Alles in allem hat Südafrika einen anständigen Job gemacht – und die ganze Welt war Zeuge

Alles in allem hat Südafrika einen anständigen Job gemacht – und die ganze Welt war Zeuge

Die Vuvuzelas sind verstummt, das Feuerwerk ist abgebrannt, das vierwöchige Abenteuer Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ist vorbei. Aber was bleibt für Südafrika? Was bleibt für das Land, das dieses epische Ereignis als erste afrikanische Nation überhaupt durchgeführt hat: Ein böser Kater oder ein bleibender Eindruck?

Die WM lockte Tausende Besucher ins Land und ihre Geldbörsen. Südafrika zeigte der Welt, zu was es fähig ist. Dass es kein Ort ist, den Investoren, Touristen und andere übersehen sollten. Die Weltmeisterschaft setzte eine beispiellose Welle von nationalem Stolz, in einer oft so ungleichen und geteilten Nation, in Bewegung.

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Kim Hawkey
Kim Hawkey

Kim Hawkey ist Reporterin bei der südafrikanischen Wochenzeitung "Sunday Times" und im Rahmen eines Austauschprogramms für Journalisten für zwei Monate in Deutschland.

Der Nutzen des Turniers war groß und unvergleichlich, aber jetzt, wo die Party vorbei ist, tauchen wieder die vielen Probleme des Landes auf, die vorübergehend aus dem Blickfeld gerieten. Die südafrikanische Regierung, der Steuerzahler also, ließ sich die Austragung der WM umgerechnet etwa 4,2 Milliarden Euro kosten, wenn man die geschätzten Ausgaben der WM-Städte und Regionen zu den 3,4 Milliarden Euro dazuzählt, die die Regierung für Vorbereitungsarbeiten und den Aufbau der Infrastruktur ausgegeben hat.

Wäre der selbe Betrag beispielsweise für das Gesundheitssystem ausgegeben worden, hätte vielleicht der Mangel an Krankenschwestern gelindert werden können und die 80-jährige Großmutter würde nicht den ganzen Tag in einer lokalen Klinik auf eine Behandlung warten, nur um gesagt zu bekommen, sie solle doch am nächsten Tag wiederkommen.

Wenn es für Sicherheit ausgegeben worden wäre, würden die Polizistinnen und Polizisten des Landes einen anständigen Lohn gezahlt bekommen, sie würden die verzweifelt benötigten Fahrzeuge bekommen, um bei einem Notruf tatsächlich Leben retten zu können.

Das Geld könnte auch genutzt werden, um Tausende Unterkünfte zu bauen. Für die vielen Obdachlosen zum Beispiel oder für die Südafrikaner, die in maroden Bretterbuden leben, die häufig überflutet werden oder durch einen Ölbrenner oder eine Kerze Feuer fangen. Einige, die seit Jahrzehnten auf ein robustes Dach über dem Kopf warten, könnten ihren Traum Wirklichkeit werden sehen, bevor sie sterben.

Es gibt viele weitere Beispiele: Bildung, Armutsbekämpfung, Jobs für die vielen Arbeitslosen, zwischen 40 und 60 Prozent in Südafrika. 4,2 Milliarden Euro sind viel Geld. Es würde nicht alle Probleme Südafrikas lösen, aber es würde helfen, die dringendsten Probleme anzusprechen und könnte einen Unterschied im Alltag der gewöhnlichen Leute machen. Es würde einige Nöte lindern.

Stattdessen hat das Land nun einige potentiell nutzlose Stadien, die sich am Ende als sehr teuer im Unterhalt herausstellen könnten. Zeitarbeiter, die während der WM beschäftigt waren, sind jetzt arbeitslos.

Dennoch ist der Gewinn für das Land riesig – und wird es bleiben. Es gibt den unmittelbaren Gewinn, und einen indirekten, nicht greifbaren. Zu Beginn des Monats hatte Südafrikas Finanzminister Pravin Gordhan gesagt, dass Bruttoinlandsprodukt des Landes wird als Ergebnis der WM um geschätzte 3,9 Milliarden Euro steigen.

Leser-Kommentare
  1. Was aus den Sicherheitsbeamten geworden ist, die vorher mit Gummigeschossen von den Strassen gefegt wurden, als Sie wegen ausstehender Zahlungen protestiert haben. Wie wird sich die Kriminalität entwickeln, wenn technische Hilfsmittel der Polizei wieder auf das Niveau vor der WM absinken und die FIFA Schnellgerichte verschwinden. Das Image eines Landes ist nicht so wichtig wie der innere Frieden. Südafrika war schon vor der WM eines der besser angesehenen Länder Afrikas und hatte weniger Probleme mit Investoren und Tourismus als die anderen. Trotzdem wird letzteres immer wieder gerne als Allerheilmittel von Politikern überschätzt. Der letzte Satz des Beitrags ist überflüssig, denn auf wen käme es denn sonst an?

  2. Eine Fußball-WM ist in allen Ländern immer eine intensive, emotionale Zeit. Tendenziell gehöre ich aber zu den Skeptikern, die das Kurzfristige solcher Emotionen sehen und eher nicht glauben, dass ein Land durch ein Ereignis wie eine Fußball-WM entscheidend anders wird. Ich glaube nicht, dass Deutschland nach dem tollen WM-Erlebnis ein besseres Land wird (ist es nach 2006 ja auch nicht geworden), ich glaube nicht, dass Spanien als Weltmeisterland plötzlich eine harmonische Gesellschaft wird, wo alle gut miteinander klarkommen, und ich bezweifle auch, dass die WM im Fall von Südafrika so schwere Probleme wie Armut, Kriminalität und Rassenhass nachhaltig beeinflussen wird. Obwohl unbestritten ist, dass die Organisation ein Riesenerfolg war, auf den das Land zu Recht stolz sein kann. Davon abgesehen noch was anderes: Ich finde es hochinteressant, den Artikel von Frau Hawkey mal mit der Einschätzung "Suche nach dem Sinn" von Herrn Bangel hier bei der ZEIT zu vergleichen. Die beiden Artikel zeigen, wie unterschiedlich man das Phänomen "WM-Begeisterung im eigenen Land" einschätzen und bewerten kann...

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