Radsport Umweltschützer wollen die Cyclassics ausbremsen
Steigungen, Kettenrisse, Erschöpfung: Radfahrer stehen bei Rennen vor zahlreichen Herausforderungen. Bei den Cyclassics in Hamburg kommt ein ungewöhnliches Problem dazu
© Nadine Rupp/Bongarts/Getty Images

Wettkampf an der Elbe: Bei den Cyclassics in Hamburg tritt die Elite des Radsports gegeneinander an
Wenn am Sonntag die schnellsten Radfahrer der Welt an die Startlinie der Hamburger Cyclassics rollen, dann können sie nicht sicher sein, ob sie nach 216 Kilometern tatsächlich im Ziel ankommen werden. Das liegt aber weder an der unbezwingbaren Strecke als solche noch an untrainierten Radfahrerbeinen, sondern daran, dass sich den Fahrern ungewohnte Hindernisse in den Weg stellen könnten – Umweltschützer wollen die Cyclassics ausbremsen.
Die Kampagne "Gegenstrom 10" hat sich vorgenommen, in das Profiradrennen einzugreifen. "Es sind vielfältige Protest- und Störaktionen geplant", heißt es in einem offenen Brief, den die Umweltschützer im Vorfeld des Rennens an alle beteiligten Profirennställe schickten. Sie wollen so gegen den Sponsor des einzig deutschen Radrennens der höchsten Kategorie protestieren, den Energiekonzern Vattenfall. Die Fahrer sollten wissen, "dass es in diesem Jahr wahrscheinlich keinen sportlichen Sieger geben wird", teilten die Umweltschützer mit. Werfen die Aktivisten also Reißzwecken auf die Straße oder beschmieren sie mit Seifenlauge? Wohl nicht. Vielmehr sollte das Rennen durch "physische Präsenz" behindert werden. Eine Gefährdung der Fahrer sei ausgeschlossen.
Dass die Umweltaktivisten dabei eine Sportart treffen, die man wohl als ökologisch tadellos bezeichnen könnte, bedauert die Gruppe. "Die Aktion richtet sich nicht gegen die Radlerinnen und Radler", sagt Gegenstrom-Sprecher Jens Fischer. Die Kritik am Sponsor stehe im Vordergrund. "Das ist eine symbolische Aktion, die sich gegen eine bestimmte Form von Pressearbeit richtet. Vattenfall möchte mit dem ökologisch tadellosen Radsport ihr zu Recht bestehendes Schmuddelimage neutralisieren", sagt Fischer.
Die Störung soll sich ausdrücklich nicht gegen das Jedermann-Rennen richten, bei dem sich etwa 20.000 Hobbyradler durch Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein quälen. "Dass die mitfahren, die mitfahren wollen, ist völlig in Ordnung. Wir hoffen, und das ist unser Ziel, dass sich Vattenfall als Sponsor zurückzieht und ein neuer Geldgeber gefunden wird", sagt Fischer. "Gegenstrom" hatte schon mehrfach gegen den Energiekonzern protestiert. Im Mai 2008 besetzten rund 40 Menschen die Baustelle des umstrittenen Kohlekraftwerkes Moorburg, eines der größten seiner Art in Deutschland.
Der Cyclassics-Veranstalter Upsolut zeigt kein Verständnis für die geplanten Aktionen. "Wir meinen, dass es die Falschen trifft", sagt Reinald Achilles von Upsolut. Etwa 1000 Ordnungskräfte, verstärkt von einer Vielzahl an Polizeibeamten sollen Störungen verhindern. "Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen, um das Rennen über die Bühne zu bekommen", sagt Achilles. Veranstalter und Polizei wissen aber beide, dass eine Radstrecke von 216 Kilometern Länge nur schwerlich zu kontrollieren ist.
Vattenfall möchte dieses Thema nicht kommentieren. Stattdessen kündigte der Energiekonzern wenige Tage vor dem Radrennen an, seine Cyclassic-Sponsoringaktivitäten bis ins Jahr 2012 zu verlängern. Zumindest diesen Kampf haben die Umweltaktivisten erst einmal verloren.
- Datum 14.08.2010 - 12:49 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 20
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke. Die Redaktion/se
[...]
Bitte kritisieren Sie konstruktiv und sachlich. Die Redaktion/is
[...]
Bitte kritisieren Sie konstruktiv und sachlich. Die Redaktion/is
Wo ist die Froderung nach dem Volkswillen? Im Grunde genomme ist das sogar die Logik von Nazis und Stalinisten, wo ja auch die auf der Strecke bleiben müssen, die weder Verursacher und nur indirekt Profiteure sind.
Ich habe 20 Jahre für das Fahrrad als Transportmittel gekämpft. Für Fahrradwege, bessere Einbindung in den Straßenverkehr usw.
Solche Leute sind mir suspekt. Das sind keine Umweltschützer, dass sind Fanatiker. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese Spinner in der Ökobewegung in der Minderheit sind.
Ich ärgere mich über diese Sozialisten, die sich dann Umweltschützer nennen. Aufgrund von diesen Leuten haben wir ein halbes Jahrzehnt länger gebraucht um die Nachhaltigkeit ins breite Bewusstsein zu rufen.
wann schützt dieser Staat seine Bürger vor diesen Terroristen?
Wenn er es nicht kann dann muß es der Bürger selbst in die Hand NEHMEN. Diese sogenannten Umweltschützer sind eine Landplage und als solche zu behandeln! Bürger wacht auf!
Mir scheint als hätte keiner der Kommentatoren der Artikel verstanden!
Hier geht es NICHT GEGEN den Radsport, sondern gegen einen Energiekonzern der seine Weste rein waschen will!
Und die BILD-Polemik, alle Umweltaktivisten seien radikal, erinnert mich an die Nachkriegszeit als meine Eltern zum ersten mal Rock N`Roll getanzt haben – wie furchtbar unanständig, wie schrecklich, das Aufbegehren gegen das staubige Spießertum!
Genau; hängt alle auf die gegen Bundfaltenhosen und Faltenröcke sind!
Man fragt sich wo die Grenze liegt zwischen Durchsetzung und Erpressung ? Vielleicht in dem Moment wo, ohne Rucksicht auf die Gesellschaft , seine Willen durchboxen möchte , Diktatoren im Taschenformat .
Wenn es Ihnen nicht gegen den Radsport geht, warum meinen Sie dann gerade dieses von Vattenfall gesponserte Event verhindern zu müssen? Warum nicht ein Spiel von Energie-Cottbus stören? Oder eines der Hamburg Freezers? Das Sponsoring von Vattenfall betrifft doch noch andere Sportarten. Gegen den Radsport vorzugehen obwohl dies eine der ökologischsten Fortbewegungsmöglichkeiten ist, gerade in Großstädten wie Hamburg ist doch wirklich *** (man setze ein passendes Adjektiv ein). Oder ist es nur weil man ein Radrennen am besten verhindern kann indem man die Straße versperrt? Ich hoffe nur ihr seid klug genug niemanden zu gefährden.
Gegen Faltenröcke habe ich nichts, aber gegen aktionistische Spinner.
Artikel wirklich nicht verstanden.
Artikel wirklich nicht verstanden.
Das müssen Sie die Organisatoren fragen, weshalb gerade der Radsport für die Demonstration herhalten muss!
Meine Vermutung: weil der Radsport genauso ein Saubermann-Image hat? Ich weiß es nicht, das würde aber auch mich interessieren.
Zu den aktionistische Spinner: sind das die, die gegen Tschernobyl und Co. demonstrieren? Die, die versuchen den Dreck den unsere Politiker aus Geldgier produzieren, darlegen? Sind das diejenigen, die darauf hinweisen, dass wir unsere Gesundheit (und die unserer Kids) ruinieren, wenn wir weiter so unbedarft vergiftete Lebensmittel in uns rein stopfen? Sind das diejenigen, die auf die untragbaren Zustände in Schlachthöfen aufmerksam machen? Oder sind das diejenigen die sagen, raus aus Afganisthan, Vorsicht mit China, Abrüstung; Ja zu den Menschenrechten, nein zur rechten Szene?????
Oder sind das einfach diejenigen, die ÜBERHAUPT etwas machen und den kleinen Spießer in seiner heilen Welt erschrecken?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren