Fußball Tradition in TrümmernSeite 3/3
Freitagabend, es regnet, im Mommsenstadion spielt TeBe zum Start der Oberligasaison gegen den Brandenburger SC Süd. Zehn Minuten sind es bis zum Anpfiff, vor den Kassen stehen lange Schlangen. Ein TeBe-Mitarbeiter kommt aus dem Stadion. "Das Spiel fängt eine Viertelstunde später an", sagt er. "Keine Bange." 482 Zuschauer sind gekommen. Aus Neugier, aus Trotz, aus alter Verbundenheit – wer weiß das schon?
Wenn das Geld verprasst ist, bleiben als Kapital nur die Fans. Bei Tennis Borussia haben die Anhänger im vorigen Jahr die Initiative "We save TeBe" gegründet, bei Rot-Weiss Essen soll in Kürze ein Fanbeirat ins Leben gerufen und in die Vereinsarbeit eingebunden werden. Auf seine Anhänger hat sich RWE immer verlassen können. In zehn Tagen hat der Klub 700 Dauerkarten für die NRW-Liga verkauft.
Auch bei TeBe haben sie es wieder geschafft: Sie haben das nötige Geld für ihren Mini-Etat aufgetrieben, innerhalb von zwei Wochen wurden 15 Spieler unter Vertrag genommen. Die meisten von ihnen haben noch nie auf diesem Niveau gespielt, auch die Gepflogenheiten bei TeBe sind neu für sie. Als die ersten Spieler nach dem Schlusspfiff in die Kabine wollen, versperrt Mannschaftsleiter Frank Lange ihnen den Weg. Erst zu den Fans! Die Anhänger haben gesungen, geschrien und laut gejubelt, als Aboubacar Condé in letzter Minute sein zweites Tor für TeBe erzielt hat. Es ist das 2:5. Selten wurde ein derart unwichtiger Treffer so ekstatisch gefeiert. Die Prioritäten haben sich verschoben. "Ich bin froh, dass wir heute überhaupt gespielt haben", sagt Christian Schwarzkopf.
Vor einem Jahr hat TeBe mit einem Etat von 1,3 Millionen Euro geplant, jetzt sind es 150 000, weniger geht kaum. Doch der Verein, der so oft über seine Verhältnisse gelebt hat, will jetzt nur noch Geld ausgeben, das er wirklich hat. Viel ist es nicht. Schwarzkopf erlebt es in diesen Tagen immer wieder, dass potenzielle Sponsoren sagen: ",TeBe? Kennen wir, sympathischer Verein, der muss unbedingt gerettet werden – aber ich werf doch kein Geld in ein schwarzes Loch.’ Das ist ein Teufelskreis." Was hat der Klub schon zu bieten, außer Tradition und einer rührigen Fanszene? "In der Oberliga stehen Sie null in der Öffentlichkeit. Als Sponsor haben Sie die Aufmerksamkeit von maximal 500 Zuschauern, die ins Stadion kommen."
Bei Rot-Weiss Essen gab es in der vorigen Saison noch Spieler, die 20 000 Euro verdient haben – im Monat. Vorbei. Der Gärtner, der das Grab des Klubgründers Georg Melches pflegt, hat gerade vom Insolvenzverwalter die Mitteilung erhalten, dass dafür künftig kein Geld mehr vorhanden sei. Es geht um 390 Euro im Jahr. "Mir hat das Herz geblutet", sagt Thomas Aderhold von der Initiative "Du bist RWE". Der "Reviersport" springt jetzt für ein Jahr ein, was danach passiert, ist unklar. "Notfalls sammeln wir bei den Fans", sagt Aderhold, "das Geld haben wir schnell zusammen." Im Frühjahr gab es einen Spendenaufruf zur Rettung des Vereins, innerhalb von 48 Stunden gingen 56 000 Euro ein.
Sogar ein paar Schalker haben Geld für den Rivalen von einst gespendet.
Erschienen im Tagesspiegel.
- Datum 08.08.2010 - 14:19 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Auch wenn die Situation schmerzlich ist: Vieles vergeht. Natürlich erinnern sich viele Aktive und Fans mit Wehmut an die besseren Zeiten.
Die aktuelle Fussball-Welt lebt von Stars. Die regionale Verbundenheit ist verloren gegangen, seit beliebig Spieler transferiert werden.
Am Ende lebt der Fussball von seinen Fans und Sponsoren. Ich halte die aktuellen Entwicklungen für viele Vereine für gefährlich.
Und ich bin dagegen, dass man den Fussball aus öffentlichen Mitteln stützt. Er ist und bleibt ein Sport.
Er ist keine öffentliche Aufgabe, für die Steuermittel ausgegeben werden sollten.
Breitensport sollte aus verschiedensten Gründen massiv öffentlich gefördert werden! Was die finanzielle und sonstige Unterstützung von Profivereinen durch den Staat angeht, muss man sicher kritischer sein. Aber auch hier kann es gute Gründe geben (Wirtschaftsfaktor Sport, Außenwirkung, etc).
"Und ich bin dagegen, dass man den Fussball aus öffentlichen Mitteln stützt. Er ist und bleibt ein Sport.
Er ist keine öffentliche Aufgabe, für die Steuermittel ausgegeben werden sollten."
Ich stimme Ihnen darin absolut zu.
Aber der DFB hat meiner Meinung nach einen großen Fehler gemacht und die zweiten Mannschaften der Profis im Regelbetrieb mitspielen lassen. Vielleicht sollte man eine Reserve-Liga aufmachen, in der dann Bayern-II gegen Dortmund-II spielt, sich die jungen Spieler im regelmäßigen Spielbetrieb Praxis holen können, die Profis nach Verletzung Aufbauarbeit leisten. Dann ist in der Regionalliga auch wieder genug Platz für die Traditionsvereine, für Derbys und so weiter. Dann wirds vielleicht auch für die Zuschauer spannender...
Breitensport sollte aus verschiedensten Gründen massiv öffentlich gefördert werden! Was die finanzielle und sonstige Unterstützung von Profivereinen durch den Staat angeht, muss man sicher kritischer sein. Aber auch hier kann es gute Gründe geben (Wirtschaftsfaktor Sport, Außenwirkung, etc).
"Und ich bin dagegen, dass man den Fussball aus öffentlichen Mitteln stützt. Er ist und bleibt ein Sport.
Er ist keine öffentliche Aufgabe, für die Steuermittel ausgegeben werden sollten."
Ich stimme Ihnen darin absolut zu.
Aber der DFB hat meiner Meinung nach einen großen Fehler gemacht und die zweiten Mannschaften der Profis im Regelbetrieb mitspielen lassen. Vielleicht sollte man eine Reserve-Liga aufmachen, in der dann Bayern-II gegen Dortmund-II spielt, sich die jungen Spieler im regelmäßigen Spielbetrieb Praxis holen können, die Profis nach Verletzung Aufbauarbeit leisten. Dann ist in der Regionalliga auch wieder genug Platz für die Traditionsvereine, für Derbys und so weiter. Dann wirds vielleicht auch für die Zuschauer spannender...
Breitensport sollte aus verschiedensten Gründen massiv öffentlich gefördert werden! Was die finanzielle und sonstige Unterstützung von Profivereinen durch den Staat angeht, muss man sicher kritischer sein. Aber auch hier kann es gute Gründe geben (Wirtschaftsfaktor Sport, Außenwirkung, etc).
"Und ich bin dagegen, dass man den Fussball aus öffentlichen Mitteln stützt. Er ist und bleibt ein Sport.
Er ist keine öffentliche Aufgabe, für die Steuermittel ausgegeben werden sollten."
Ich stimme Ihnen darin absolut zu.
Aber der DFB hat meiner Meinung nach einen großen Fehler gemacht und die zweiten Mannschaften der Profis im Regelbetrieb mitspielen lassen. Vielleicht sollte man eine Reserve-Liga aufmachen, in der dann Bayern-II gegen Dortmund-II spielt, sich die jungen Spieler im regelmäßigen Spielbetrieb Praxis holen können, die Profis nach Verletzung Aufbauarbeit leisten. Dann ist in der Regionalliga auch wieder genug Platz für die Traditionsvereine, für Derbys und so weiter. Dann wirds vielleicht auch für die Zuschauer spannender...
Alleine die Erlaubnis für die zweiten Mannschaften der Profiligen durch den DFB, dort mitzuspielen, ist der helle Wahnsinn und zeigt, wieviel Macht der Amateurfußball wirklich hat - keine. Die Scheinheiligkeit der Parolen der DFB-Oberen zeigt sich im Vereinssterben. Nicht, daß die betroffenen Vereine keine Schuld träfe, aber das System des DFB arbeitet gegen den Amateurfußball. Dabei ist er die Quelle der Nachwuchsspieler und der Stars von gestern, heute und morgen. Aber trotz alledem: die Vereine sollten sich nicht unterkriegen lassen. Es gibt genügend Beispiele, daß es Vereine mit viel langem Atem und einem im Ort gut vernetzten Vorstand geschafft haben. RW Oberhausen, Fortuna Düsseldorf sind solche Vereine. Glückauf und herzlichen Glückwunsch der ZEIT zu diesem sehr guten Artikel.
...gibt es auch in den ganz unteren Ligen. Ich selber spiele in einem kleinen Dorfverein mit 400 Einwohnern, der leider nur in der untersten Klasse spielt. Und ja was soll man sagen. Wir können unseren Verein wohl auch nächstes Jahr dicht machen. Bei uns in der Gruppe spielen von 15 Mannschaften ganze 10 Reservemannschaften. Bei den ganzen Spielen kommt kein einziger Zuschauer! D.h. wir können nicht mal den einen Schiedsrichter durch Einnahmen bezahlen.
Das was der DFB und die Landesverbände da abgezogen haben ist ein absoluter Witz. Wenn man vor einer Geisterkulisse spielt und den Schiri schon fast aus der eigenen Tasche zahlen muss, denken sich viele naja dann wechsel ich zu einem anderen Verein, da spiele ich in der Reserve und ab und zu kann ich vielleicht in der 1. Mannschaft spielen, aber wenigstens wird der Schiri vom Verein bezahlt.
Diese Regelung macht die ganzen kleinen Vereine kaputt und wie es wohl aussieht manch größere noch dazu. In den letzten Jahren haben sowieso schon viele kleine Vereine Spielgemeinschaften eingehen müssen oder ganz dich gemacht. Aber diese Reform macht selbst bei den letzten kleinen Vereinen das Licht aus.
Dankeschön an die geldgierigen Fussballbosse!
Ich darf doch sehr bitten... Dieser Beitrag zeigt doch wo der Fehler liegt. TeBe hat keine Mannschaft? Na da hat man wohl keine den eigenen Ansprüchen genügende Nachwuchsarbeit geleistet (klar, dafür hat der jährlich wechselnde Grosssponsor keinen Euro übrig) und muss deshalb seine Spieler für teures Geld einkaufen. Der Irrglaube ein grosser Klub lebe von Geld und eben nicht von guter Nachwuchsarbeit hat viele dieser bemitleidenswerten Traditionsklubs in die untersten Ligen verbannt. Recht so. Das können sie bis hinunter in die Bezirksliga beobachten. Auch deshalb erscheint es mir fragwürdig die Reservemannschaften der sogenannten grossen Vereine verantwortlich zu machen. Denn dort wird immerhin ernsthaft der Boden für zukünftige Erfolge bestellt. Gehen sie doch mal zu den 'gescheiterten' Traditionsklubs und fragen schauen sie sich an was durch die Fans goutiert wird: Wenn schon unterklassig spielen, dann wenigstens mit den eigenen Jungs.
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