Sportler-Gewerkschaft Handballer werden zu politischen Akteuren
Deutsche Handballprofis haben eine Gewerkschaft gegründet, sie wollen weniger Spiele. Dadurch geraten sie in den Machtkampf zwischen den Verbänden.
© Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Die Belastungen im Handball sind groß – durch die Gegenspieler, aber auch den Terminkalender
Der Neujahrstag war zu viel. Als die Bundesliga-Handballer Anfang des Jahres von dem Plan erfuhren, dass sie künftig auch am Tag nach Silvester spielen sollten, protestierten sie. Den 26. Dezember hatten sie längst akzeptiert, aber den 1. Januar wollten sie als Spieltag nicht hinnehmen. Ihre Unterschriftenaktion hatte Erfolg, die Verantwortlichen der Liga gaben klein bei.
Die Spieler der deutschen Top-Clubs müssen im Jahr etwa achtzig Pflichtspiele bestreiten, mit Test- und Showspielen kommen sie teilweise auf mehr als hundert Einsätze. Die Verletzungsrate ist hoch, viele können nur mithilfe von Schmerzmitteln auflaufen. "Die Belastung ist deutlich zu groß, sie muss reduziert werden", sagt Volker Michel.
Michel ist Ex-Profi und hat in diesen Tagen, ermuntert durch den Erfolg des 1. Januars, mit Johannes Bitter und Marcus Rominger, beide noch aktive Torhüter, Goal, die Gemeinschaftliche Organisation aller Lizenzhandballer in Deutschland, gegründet.
Es geht ihnen um klassische Gewerkschaftsziele und -themen: Arbeitsplätze sind für Handballprofis unsicher, weil viele Vereine unseriös wirtschaften und insolvent gehen. Rechts- und Karriereberatung ist notwendig.
Doch das Hauptanliegen von Goal ist ein Politikum: die Reduzierung des internationalen Terminkalenders. In jedem Jahr tragen die Handballer entweder eine Welt- oder eine Europameisterschaft aus, alle vier Jahre zudem das olympische Turnier. In der Summe also pro Vierjahreszyklus drei große Turniere in der Verantwortung des Weltverbands IHF und zwei in der des Europäischen Verbands EHF.
An diesem Übermaß stoßen sich nicht nur die Aktiven, sondern auch die Vereine. Die Clubs bezahlen Profis, die häufig nach mehreren Wochen übermüdet oder verletzt von Turnieren zurückkommen.
- Datum 31.08.2010 - 16:18 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren