Europas Handball steht vor einer Neuordnung
Weil die Interessen von Profis, Vereinen und Liga eine Schnittmenge haben, wird die Gründung von Goal auch von seinen potenziellen Gegnern, den Arbeitgebern, mit Wohlwollen registriert. Und mit größter Aufmerksamkeit, denn eine Gewerkschaft aus der Bundesliga, der stärksten der Welt, würde ein wichtiger Machtfaktor sein, "das letzte und zentrale Puzzle-Teil", wie ein Insider sagt. Dänen, Franzosen und Spanier haben längst eine Spielergewerkschaft.
Europas Handball steht vor einer Neuordnung. Die EHF und die Vereinigung der achtzehn wichtigsten europäischen Vereine GCH waren einst juristische Gegner, nach jahrelangem Kampf hat die GCH nun Mitsprache erstritten. Für sich, aber auch für die anderen Akteure: In einer Absichtserklärung beschlossen Ende Mai EHF und GHC, ein "Professional Handball Board" (PHC) zu gründen, ein zehnköpfiges, mit Entscheidungsbefugnis ausgestattetes Gremium, bestehend aus je zwei Vertretern aus den Ligen, den Landesverbänden, den Vereinen, der EHF – und den Spielern. In dem autokratischen System Handball käme das einer demokratischen Revolution gleich.
- Fußball
Die Fußballer sind den Handballern um dreiundzwanzig Jahre voraus. Die Spielergewerkschaft Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) wurde 1987 gegründet, sie ist von DFB und DFL offiziell anerkannt. Über 1.300 Mitglieder, darunter Gerald Asamoah, Tim Borowski, Clemens Fritz, auch Ehemalige wie Jürgen Klinsmann, vertritt sie unter anderem in den Gebieten Vorsorge, Recht, Bildung, Medizin und Training. Zu ihren Zielen zählen: der Abschluss von Tarifverträgen, Einwirkung auf die Gesetzgebung im Arbeits- und Sozialrecht, Mitsprache bei Verbänden und Vereinen. Zu ihren Erfolgen zählt die VdV, dass sie vereinslosen Profis verbesserte Wechselmöglichkeiten erstritten hat. Auch bei einem sporthistorischen Rechtsfall war sie beteiligt: Mit Jean-Marc Bosman und den europäischen Spielergewerkschaften hat sie im Jahr 1995 die Ablösefreiheit nach Vertragsende erwirkt. Präsident der VdV ist Florian Grothe, die Vize-Präsidenten heißen Carsten Ramelow und Christoph Metzelder. Auf der Geschäftsstelle sind zehn feste Mitarbeiter tätig.
Offenbar haben die Handballer Europas erkannt, dass sie mit einer Stimme sprechen müssen, um sich von Hassan Moustafa, dem Skandal-Präsidenten des Weltverbands IHF, nicht alles diktieren zu lassen. Etwa plante Moustafa, den Kontinentalverbänden die Organisation der Qualifikationsturniere für Olympia und Weltmeisterschaften zu entreißen.
In der Vergangenheit scheiterte eine Opposition zu Moustafa an europäischer Kleinstaaterei . Ein Zeichen des Widerstands sendete die EHF bereits im März, als sie Moustafa in einem Offenen Brief vorhielt, gegen alle Prinzipien der Gewaltenteilung zu verstoßen. Ohne erkennbare Folge und Wirkung. Wenn sich jedoch nun Vereine, Ligen und Spieler zusammentun, würde das Moustafa seine Alleingänge deutlich erschweren.
Doch noch ist die Revolution nicht beschlossen, erst der Kongress in Kopenhagen am 24. September kann die Satzungsänderung beschließen, die die Gründung des PHC erforderlich macht. Eigentlich eine Formalie, doch die Idee von Goal, jede zweite Europameisterschaft zu streichen, soll Irritationen unter den Entscheidungsträgern der EHF verursacht haben. Die Handballgewerkschafter müssen also rasch begreifen, dass sie in einem komplizierten politischen Feld agieren und wer ihre Partner sind.
- Datum 31.08.2010 - 16:18 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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