Handball "Wenn Uli Hoeneß gerne einen Handballclub hätte, wäre das prima"
Die Handball-Bundesliga steht weltweit ganz oben, sagt Ligachef Frank Bohmann. Im Interview redet er über neue Vermarktungsstrategien und den Trend zur Großstadt.
© Jens Wolf/picture-alliance/dpa

"Da liegt noch Potenzial": Ligachef Frank Bohmann über die Handball-Bundesliga
Frage: Es geht wieder los, gestern begann die Handball-Saison. Wo steht die Bundesliga sportlich?
Frank Bohmann: In der letzten Saison haben unsere Clubs sämtliche internationalen Titel nach Deutschland geholt. Das spricht für sich. Der THW Kiel hat die Champions League gewonnen, der TBV Lemgo den Pokal der Pokalsieger und der VfL Gummersbach den EHF Cup. In der EHF Klubwertung liegen wir mit weitem Abstand an der Spitze und in dieser Saison werden acht deutsche Vereine international antreten, besser geht eigentlich nicht. Ich sehe uns eindeutig vor der starken spanischen Liga. Dort gibt es zwei Vereine, die sehr gut spielen und jederzeit die Champions League gewinnen können, aber der Rest der Liga läuft dort eher unter ferner liefen. Die Handball-Bundesliga steht im Club-Handball weltweit ganz oben.
Frage: Wie viele Teams kommen für die Meisterschaft infrage?

Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga
Bohmann: Ich sehe in diesem Jahr die vier üblichen Verdächtigen: THW Kiel , HSV Hamburg, Rhein-Neckar-Löwen und die SG Flensburg-Handewitt. Alles andere wäre eine Riesenüberraschung. Bestrebungen, in die Spitzengruppe vorzustoßen, haben eine ganze Reihe von Teams. Die Meisterschaft wird den Teams und den Fans gute Nerven abverlangen.
Frage: Die TV-Erlöse tragen kaum zur Clubfinanzierung bei – eine Baustelle für Sie?
Bohmann: Die TV-Einnahmen sind vergleichsweise gering, wenn man es mit dem großen Bruder Fußball vergleicht. Bei uns stammen im Durchschnitt nur vier bis fünf Prozent der Club-Etats aus Fernsehgeldern. Beim HBW Balingen-Weilstetten mag das mehr ausmachen als beim Krösus THW Kiel – die Clubs bekommen allerdings alle das Gleiche.
Frage: Klingt nach wenig. Wie bewerten Sie das?
Bohmann: Im Vergleich zum Fußball steht die Handball-Bundesliga recht bescheiden da, im Vergleich mit anderen Sportarten wiederum gut. Mit Fußball kann sich keine der anderen Ballsportarten auch nur ansatzweise vergleichen. Da werden über 400 Millionen gegeben und selbst dann sind einige Clubs der DFL nicht einverstanden, da die englische Liga das Doppelte erreicht. Das sind Dimensionen, an denen wir uns nicht orientieren.
Frage: Im Fußball murren die Clubchefs, bei Ihnen auch?
Bohmann: Klar, die relativ geringen Erträge aus TV führen auch bei mir und den Clubchefs zu Unzufriedenheit. Den Druck haben wir auch, aber wir haben im Vergleich zu vor fünf Jahren unsere TV-Präsenz deutlich erhöht und die Einnahmen aus TV Entgelten vervielfacht. Wir haben selber den Ehrgeiz, noch besser zu werden, insbesondere über die Verwertung im Ausland. Wir sind die stärkste Liga der Welt und unsere Spiele werden auch weltweit stark nachgefragt. Da liegt noch Potenzial. Im Inland sehe ich derzeit nicht allzu viele Möglichkeiten, dass wir da entscheidend mehr erzielen.
Frage: Im Inland haben Sie das Bezahl-Internetprojekt Sportdigital.tv in der letzten Saison gestoppt. Warum?
Bohmann: Das Modell ist sehr smart, aber wir waren wohl zu früh dran. Es war das erste Mal, dass wir regelmäßig in erheblichem Umfang TV Bilder produziert haben. 180 Spiele haben wir mit Sportdigital gemeinsam produziert – und so waren wir erstmalig in der Lage, eine internationale Vermarktung zu starten und neue TV Formate im Inland zu etablieren. Das hat uns Sportdigital ermöglicht.
Frage: Was war der Haken?
- Datum 26.08.2010 - 13:49 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle Handelsblatt
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren