Der 73-jährige Milliardär Klaus-Michael Kühne stellt dem HSV fünfzehn Millionen Euro für Transfers und Vertragsverlängerungen zur Verfügung. Im Gegenzug wird er zu rund einem Drittel an möglichen Transfererlösen beteiligt. Zudem schaltet der HSV bei Heimspielen gelegentlich Bandenwerbung für Kühnes Logistikunternehmen Kühne + Nagel. Das ist "Anstoß hoch drei" – ein neues Investorenmodell im deutschen Sport. 

ZEIT ONLINE:Es gibt das Gerücht, dass ein italienischer Verein für Dennis Aogo fünfzehn Millionen Euro zahlen möchte. Reiben Sie sich schon die Hände?

Klaus-Michael Kühne:Nein, ich hoffe, dass Aogo nicht verkauft wird. Der HSV braucht Konstanz, er hat in vergangener Zeit zu viele gute Spieler verloren.

ZEIT ONLINE:Aber Sie würden rund fünf Millionen an dem Aogo-Transfer verdienen, eine enorme Rendite.

Kühne: Mein Engagement beim HSV betrachte ich nicht als Geschäft, zumindest nicht in erster Linie. Ich bin passiver Fußballfanatiker, und ich bin Hamburg sehr verbunden – das sind meine Gründe. Ich will dem Verein zum Erfolg verhelfen. Meine Erlöse sind nicht entscheidend.

ZEIT ONLINE: Was ist, wenn Aogo oder einer der anderen Ihrer Spieler irgendwann ablösefrei gehen werden?

Kühne: Dann habe ich Pech gehabt.

ZEIT ONLINE: In den Zeitungen ist von Ihren Transferrechten die Rede. Gemeint sind aber sicher die Rechte an den Transfererlösen. Oder haben Sie Mitspracherecht?

Kühne: Da halte ich mich konsequent heraus, schon weil mir die Zeit fehlt. Beim HSV reden ohnehin zu viele mit.

ZEIT ONLINE: Wie meinen Sie das?

Kühne: Der Aufsichtsrat spricht nicht mit einer Stimme, es finden sich immer wieder Mitglieder, die eine Information vorzeitig weiterreichen. Der Aufsichtsrat müsste verkleinert werden, außerdem braucht er Verstärkung durch profilierte Persönlichkeiten.

ZEIT ONLINE: Aber es ist doch ausreichend Hamburger Wirtschaftsprominenz vertreten.

Kühne: Zum Teil ist das richtig, zum Teil kenne ich die Mitglieder gar nicht.

ZEIT ONLINE: Wie bewerten Sie das Konzept des Mitspracherechts der Vereinsmitglieder, ein Markenzeichen des HSV?

Kühne: Eine effiziente Vereinsführung ist nicht möglich, wenn die Mitglieder an jeder Entscheidung beteiligt werden wollen. In den vergangenen Wochen habe ich zudem feststellen können, dass es Flügel gibt, die zur Radikalität neigen. Doch damit muss man leben. Beim Fußball reden alle gerne mit.

ZEIT ONLINE: Sie gelten als Befürworter Urs Siegenthalers. Siegenthaler ist nun weg. Betrübt Sie das?

Kühne: Das ist eine große Enttäuschung, das hat bei mir eine Wunde gerissen. Siegenthalers Konzept hatte mich sehr überzeugt. Aber er wurde vom DFB unter Druck gesetzt, das war unanständig. Für den DFB arbeiten auch Ärzte und Psychologen, die in anderen Vereinen tätig sind. Warum stößt man sich dann an der Doppelfunktion Siegenthalers? Offensichtlich war da Neid im Spiel. Auch war das eine Machtfrage, Bayern München darf sich mehr erlauben als der HSV. Das muss sich ändern.