Fußball und MedienReden wie Joachim Löw

Zur neuen Saison hat sich die Fußballberichterstattung in den Medien gewandelt. Das kommt an. Fans interessieren sich für komplexe Taktik-Erörterungen. von 

Die neue Weltsprache

Die neue Weltsprache  |  © Katrin Würtemberger/Bongarts/Getty Images

Fußball ist eine komplizierte Sache. Mit deutschen Tugenden kommt man heute nicht mehr weit, auch nicht mit den Ratschlägen "Flach spielen, hoch gewinnen!" oder "Geht's naus und spuits Fußball!" (Beckenbauer). Über Sieg oder Niederlage entscheiden Fragen wie: Welchen Abstand hat die Abwehr zum Mittelfeld? Wie verhält sich die Doppel-Sechs in der Rückwärtsbewegung? Wer nutzt die Freiräume in den Halbpositionen am besten? Ist das 4-2-3-1 dem 4-4-2 überlegen? Inwiefern legen Spanien und Holland das Flügelspiel unterschiedlich aus?

Die Fußballfans interessieren sich, wie es scheint, zunehmend für solch komplexe Erörterungen, und einige Medien nutzen diesen Trend. Spätestens seit dem Confederations Cup 2005, dem Einstand von Trainer Jürgen Klopp als TV-Experte, gehören die Kringel am Taktik-Board zum Standard im ZDF. Seit einem Jahr setzt auch das Aktuelle Sportstudio verstärkt auf diese Form, vor allem beim Top-Spiel um 18.30 Uhr. "Auch in der neuen Saison halten wir an diesem Konzept fest", sagt Thomas Fuhrmann, Redaktionsleiter des Aktuellen Sportstudios , "denn die Zuschauer haben es gut angenommen."

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Andere Medien haben den Trend ebenso erkannt. Die Süddeutsche Zeitung , der Tagesspiegel oder die 11 Freunde haben in den vergangenen Jahren den taktischen Feinheiten mehr Raum gewidmet.

Auch im Internet findet man Beispiele: Auf seinem Blog erläutert Bremen-Fan Johan Petersen regelmäßig die Laufwege von Aaron Hunt und Marko Marin sowie die Stärken und Schwächen von Claudio Pizarro. Auf kontextschmiede.de experimentiert der Kommunikationswissenschaftler Jakob Jochmann mit sehenswerten Videos, in denen er anhand grafischer und auditiver Animationen veranschaulicht, wie eine Viererkette verschiebt und wie man den Spielraum des Gegners verkleinert.

Taktiktafel VII (WM-Spezial) from kontextschmiede on Vimeo .

Auch das ZDF ist technisch auf Ballhöhe. Seit der WM setzt der Sender ein neues 3-D-Programm ein, das virtuelle Kameraperspektiven errechnet. Damit kann der TV-Experte Oliver Kahn nach dem Spiel oder in der Halbzeit eine Vogelperspektive wählen, die von keiner reellen Kamera eingefangen wird. Die Schweizer Software-Firma Liberovision, die mit dem ZDF kooperiert, verspricht für die Zukunft, diese Option sogar während des Spiels. So wird man in Wiederholungen von Toren die Aktionen des Schützen und des Passgebers mit grafischen Elementen versehen und die Abwehrspieler virtuell verschieben können.

Voraus sind den deutschen nach wie vor die englischen Medien – und zwar im Fernsehen, in der Zeitung und im Internet. Vorbild für deutsche Blogger ist die aufwändige und brillante Seite zonalmarking.net (zu deutsch: Raumdeckung), betrieben vom Jungjournalisten Michael Cox.

Leserkommentare
    • Jenss
    • 19. August 2010 13:52 Uhr

    Im Nachhinein finde ich ran besser als die jetzige Sportschau. Die Unterbrechungen habe ich jetzt bei der Sportschau auch. Bei ran war es Werbung, bei Sportschau ist es Werbung und Nachrichten. Die hüfigeren aber kürzeren Unterbrechungen bei ran fand ich erträglicher. Bei ran wurde nicht soviel über die Taktik geredet, aber ich habe mehr von den einzelnen Spielen gesehen als jetzt bei der Sportschau.

    Kloppo empfand ich auch bei der WM als super Moderator. Jetzt bei RTL wirkte er etwas schwach. Das lag aber eher an dem extrem schachen Jauch, der von Fussball und taktik null Ahnung hat und nur dämliche Stichworte an Kopp gab.

  1. @#1 Und daran, dass sie auf der persönlichen Ebene ein bisschen sein wollten wie Delling und Netzer, was nun gar nicht funktioniert hat.

    Jedenfalls eine gute Entwicklung in der Beschäftigung mit dem Sport. Rangnick war halt einfach weiter als andere, sieht er auch selber so: "Dabei waren andere Länder schon 1999 auf dem Stand, auf dem wir heute sind. In Italien, Spanien, England, Frankreich oder selbst der Schweiz hätte mein »Sportstudio«-Auftritt vor zehn Jahren jedenfalls nur ein gelangweiltes Gähnen verursacht."

  2. ..besonders bei den öffentlichen Sendern.
    Ich will Spaß, Unterhaltung und Fachsimpelei (profunde).
    Öffentlich-rechtliche Kommentare sind oft dröge und waschen alte Fußballweisheiten (Paradabsp.: Bela Reti [sry, ich weiß nicht wo die Akzente hinkommen]). Auf Sky dient der Oberschlaumeier Reif, da kommt der Spaß zu kurz und fußballerisch, naja ok. Seine Kollegen sind ja ordentlich (wie die Sympathien fallen - aber nix geht übern Fritz :D ).
    Tja, also warum nicht mehr Taktik-Experten, Trainer, etc.. für vor und nach dem Spiel, oder eben als Co-Kommentator. Ich bin dafür!

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    • pawelz
    • 20. August 2010 12:40 Uhr

    jedes, wirklich jedes mal, wenn dieser von fritz von tut ein spiel kommentieren darf, fass ich mir an den kopf, mache den ton aus und frage mich wie er in diese position kommen konnte. bisher dachte ich, da sei eine menge geld im spiel, ihr kommentar offenbart mir allerdings, dass es in fussballdeutschland tatsächlich menschen gibt, welche an solch einem geistigen dünnpfiff gefallen finden. dies hätte ich zuvor nicht gedacht und es weckt die befürchtung, dass ich mich wohl noch länger mit ihm herumplagen muss (dachte bisher, dass irgendwann das geld alle sein müsste und er zurückgetreten wird). ich danke ihnen!

  3. Ist ja schön und gut, dass das ZDF high tech slomo rendering in near real time anbietet. Nur was hilft es, wenn dann doch wieder der Kahn und diese komische Mutti in der Halbzeitpause Expertise Expertise sein lassen und R.A.N. an die Emotionalisierung des Spiels gehen? *brrr*

    • pawelz
    • 20. August 2010 12:40 Uhr

    jedes, wirklich jedes mal, wenn dieser von fritz von tut ein spiel kommentieren darf, fass ich mir an den kopf, mache den ton aus und frage mich wie er in diese position kommen konnte. bisher dachte ich, da sei eine menge geld im spiel, ihr kommentar offenbart mir allerdings, dass es in fussballdeutschland tatsächlich menschen gibt, welche an solch einem geistigen dünnpfiff gefallen finden. dies hätte ich zuvor nicht gedacht und es weckt die befürchtung, dass ich mich wohl noch länger mit ihm herumplagen muss (dachte bisher, dass irgendwann das geld alle sein müsste und er zurückgetreten wird). ich danke ihnen!

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    na eben. Die Perspektive ist wichtig. Denken Sie doch mal an Lucio Die-ein-Mann-Büffelherde. Der Fritz ist ein Lyriker, vielleicht hilft das. Der von Tut ist nicht Alan Watts, es geht immer noch um Fußball

    Gekürzt. Bitte gehen Sie sachlich auf Beiträge anderer User ein. Die Redaktion/cs

  4. na eben. Die Perspektive ist wichtig. Denken Sie doch mal an Lucio Die-ein-Mann-Büffelherde. Der Fritz ist ein Lyriker, vielleicht hilft das. Der von Tut ist nicht Alan Watts, es geht immer noch um Fußball

    Gekürzt. Bitte gehen Sie sachlich auf Beiträge anderer User ein. Die Redaktion/cs

    Antwort auf "@solon:"
    • ABWEI
    • 24. November 2011 18:45 Uhr

    Ich pers. habe mir angewöhnt, nur noch das Spiel anzuschauen
    denn diese Fachmänner (Kahn usw.) sind nicht auszuhalten.

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