Begeisterung sieht anders aus – und hört sich anders an. "Na ja", sagt also Shanice Craft (17), und es ist ein sehr lang gezogenes "na ja". Bei den Olympischen Jugendspielen sei "die Konkurrenz nicht so groß, dafür geht es mehr ums Feeling und so".

Shanice Kraft ist Diskuswerferin mit großen Ambitionen. Sie war im vergangenen Jahr Dritte bei der Weltmeisterschaft der unter Achtzehnjährigen – da ging es weniger "ums Feeling”, da stimmte die Konkurrenz. In der Mannschaftsbroschüre der deutschen Delegation wird die Frage gestellt "Was willst Du beruflich mal erreichen?" Shanice Craft antwortete: "Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilnehmen und eine Medaille holen."

Gerade hat sie im Bishan Stadium unter den brennenden Strahlen der äquatorialen Sonne und vor einigen Tausend Besuchern, zumeist Schulklassen aus Singapur, mit sechs Metern Vorsprung die Qualifikation gewonnen. Sechs Meter. Shanice Craft wird am Sonnabend mit ziemlicher Sicherheit Jugend-Olympiasiegerin. Sie will eine Bestleistung aufstellen. Eines der vielen Kultur- und Bildungsseminare, die bei diesen ersten Youth Olympic Games angeboten werden, hat sie noch nicht gebucht. "Unsere Betreuer haben aber gesagt, es wäre schön, wenn wir da mal vorbeischauen könnten." Shanice Craft nimmt ihren Wettkampf sehr ernst. "Das machen doch alle hier, oder?", fragt sie. Die meisten schon.

Zumindest jene, die sich bei den europäischen Trials in Moskau für Singapur qualifizieren mussten. 33 Jugendliche durfte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) nach Moskau schicken. Sechzehn sind nun in Singapur. Die Hochspringerin Melina Brenner (17) aus Wipperfürth zählt auch dazu. Sie macht einen neugierigeren, verträumteren Eindruck, wirkt noch nicht so professionell-fixiert wie Shanice Craft. Aber sie spricht sehr reflektiert. "Doping", sagt sie zum Beispiel, "ist für mich ein absolutes No-go!" Es ist erst ihr dritter Wettkampf im Ausland. Das sei alles sehr aufregend, sagt Melina Brenner, die Eröffnungsfeier, das Olympische Dorf, die vielen Nationen, die Stadt, Asien und überhaupt.

Es fällt nicht leicht, sich auf den Wettkampf zu konzentrieren. Anders als sonst, wenn der DLV sogenannte Disziplintrainer oder sogar die Heimtrainer mit auf Reisen schickt, werden die sechzehn Leichtathleten diesmal nur von drei Trainern betreut. "Damit muss ich klar kommen", sagt Melina Brenner. Sie ist froh, dass auch ihre Eltern im Urlaub in Singapur sind. Die Ablenkung ist groß. Die Neugier ebenfalls. "Das ist ein anderer Wettkampf, als man ihn normalerweise hat", sagt Ulf Tippelt, der Leistungssportdirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Dann doziert er ein bisschen: "Ich persönlich bin der Meinung, für den leistungssportlichen Werdegang eines Athleten ist das eine hervorragende Erfahrung. Da muss man sich drauf einstellen."

Auch für Funktionäre wie Ulf Tippelt ist es eine neue Erfahrung. Schließlich ist Tippelt nicht als Bildungswart beim DOSB angestellt, sondern als oberster Medaillenplaner. Er habe aber keine Excel-Charts mit Medaillenstatistiken im Arbeitskoffer, anders als unlängst bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver. Es gebe keinerlei Vorgaben, versichert Tippelt. Allerdings berichten einige Fachverbände von fordernden Telefonaten mit der DOSB-Zentrale im Vorfeld der Jugendspiele. "Es kann nur Anrufe gegeben haben, um zu sehen, wo sich die Verbände etwas ausrechnen", sagt Tippelt. "Aber wir haben um Gottes Willen keinen Leistungsdruck oder Erfolgsdruck ausgeübt!" Man wollte nur sicherstellen, dass die Ehrengäste und der DOSB-Präsident Thomas Bach die richtigen Wettkämpfe besuchen. "Wenn unser Präsident kommt", sagt Tippelt, "wäre es doch schade, wenn dort gerade kein Deutscher im Finale steht."