Nach Meinung des Bayern-Bosses müsste es nur nach dem Prinzip Leihwagen gehen: Wer einen Flitzer wie Arjen Robben ausleihe "und dann demoliert wieder in die Garage stellt", müsse für den Schaden haften, sagt Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandsvorsitzende des erfolgreichsten deutschen Fußballvereins äußerte sich in den vergangenen Wochen oft in ähnlich rüdem Ton. Bewusst, schließlich geht es um den besten Fußballer der vergangenen Bundesligasaison und um eine Menge Geld.

Vor gut einem Jahr zahlten die Münchner 25 Millionen Euro für Robben. Der Außenstürmer soll jährlich etwa vier Millionen Euro kassieren. Weil er bei seinen bisherigen Vereinen häufig verletzt war, soll er sich im Arbeitsvertrag zugesichert haben lassen, dass er selbst im Verletzungsfall drei Monate lang sein volles Bayern-Gehalt bekommt.

Gut möglich, dass die Bayern ohne Robben in der vergangenen Saison nicht das Finale der Champions League erreicht und die deutsche Meisterschaft gewonnen hätten. Der Niederländer schoss in 37 Spielen 23 Tore. Inzwischen ist Bayerns wertvollster Stürmer jedoch seit fast drei Monaten verletzt, die Bayern haben nur zwei der ersten sechs Bundesligaspiele gewonnen.

In einem Testspiel vor der WM zog sich Robben einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zu. Nach dem WM-Finale klaffte an selber Stelle ein mehrere Zentimeter breiter Muskelriss. Rummenigge behauptet, die Ärzte des niederländischen Fußballverbandes hätten die Verletzung des Bayern-Angestellten vorsätzlich in Kauf genommen. Es ginge den niederländischen Medizinern nur darum, ihren Nationalspieler für die WM-Spiele fit zu bekommen.

"Wir sprechen über höhere siebenstellige Beträge, die uns in der Gesamtheit als Schaden anfallen", sagt Rummenigge und will den entstandenen Folgeschaden vor Gericht einklagen.

Der Fall Robben ist in der deutschen Profifußballgeschichte einmalig, sagt der auf Sportrecht spezialisierte Rechtsanwalt Christian Krähe. Der Jurist schätzt die Erfolgschancen der Münchner als sehr gering ein. "Der Fall ist nicht einfach. Nur wenn es gelingt, nachzuweisen, dass Robben schon vor der WM verletzt war und die Holländer ihn spielbar gespritzt haben, könnte es was werden." Gelänge dem FC Bayern der Beweis, dass die Niederländer bewusst die Gesundheit des Spielers gefährdet haben, hätte der Verein nach allgemeinem Zivilrecht Anspruch auf Schadenersatz. Doch dieser Nachweis werde schwer.

Der Arzt des niederländischen Fußballverbandes, Gert-Jan Goudswaard, versicherte bereits, dass Robben vor und während der WM korrekt behandelt worden sei: "Robben ist gründlich untersucht worden, nachdem er sich die Verletzung zugezogen hat. Die Bayern sind über die Ergebnisse der Magnetresonanz- und der Ultraschall-Untersuchung informiert worden. Auch die Reha-Pläne wurden mit dem Bayern-Arzt besprochen". Der Mannschaftsarzt des FC Bayern, Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der als Teamarzt der Nationalelf auch in Südafrika war, beklagt jedoch, dass er Robben während der WM nicht untersuchen durfte.