EM-Qualifikation Deutschland hat sich die Unbekümmertheit bewahrt

Der 1:0-Sieg gegen Belgien bestätigt: Dass Joachim Löw der Nationalmannschaft fast verloren gegangen wäre, mag man sich nicht ausmalen. Von O. Fritsch, Brüssel

Mesut Özil gegen die Belgier Toby Alderweireid und Maroune Fellaini

Mesut Özil gegen die Belgier Toby Alderweireid und Maroune Fellaini

Den Reporter von der Agentur konnte der Erfolg nicht überraschen. "Deutschland startet", schrieb er bereits während der Hymne, "mit einem souveränen x:x in die EM-Qualifikation." Nach dem Abpfiff konnte er die beiden Platzhalter durch eine 1 und eine 0 ersetzen.

Für Joachim Löw hingegen war der Sieg in Belgien mehr als Formsache. Vor dem Spiel hatte er seine Bedenken mitgeteilt. Die Mannschaft sei noch nicht fit und habe im Alltag weniger zu gewinnen als bei der WM, sagte er. Doch trotz einer leichten Underperformance konnte er später erleichtert feststellen: Die Elf hat sich ihre Stilsicherheit und ihrer Unbekümmertheit von Südafrika bewahrt. Das Team habe "Spirit", sagte der Trainer.

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Im geschichtlich belasteten ehemaligen Heysel-Stadion, wo im Europacupfinale vor fünfundzwanzig Jahren 39 italienische Fans starben, erlebten die Zuschauer ein abwechslungsreiches und extrem faires Duell. Auch weil die Belgier den Mut zur Offensive hatten. Spielen und spielen lassen war das Motto zweier Mannschaften, die sich einem jugendlichen Stil verschrieben haben.

Die Gastgeber konnten das eine oder andere Mal den deutschen Strafraum bedrängen. Vor allem der Flügelspieler Moussa Dembele, der Premier-League-Profi Marouane Fellaini und der erst siebzehnjährige Romelu Lukaku gaben der deutschen Abwehr schwere Aufgaben auf. Doch um Deutschlands Nummer eins Manuel Neuer in ganz große Not zu stürzen, reichte es nicht.

Denn die Deutschen fanden mit variablen Flachpässen, meist scharf vorgetragen und von Bastian Schweinsteiger dirigiert, stets den Weg durch das belgische Mittelfeld. Besonders wenn Thomas Müller und Mesut Özil miteinander kombinierten, wurde das Spiel schwer auszurechnen. Auch wenn er hier und da unkonzentriert war, in der Ballbehandlung bewies Özil wieder einmal überdurchschnittliches Geschick.

Dass Löw der Nationalmannschaft kürzlich fast verloren gegangen wäre, mag man sich gar nicht vorstellen. Doch so bleibt alles wie gehabt: Schweinsteiger ist der Chef, Özil und Müller sind außergewöhnlich, Klose trifft, und Löw hat eine spielkulturelle Idee, die er fleißig vorantreibt.

Seine Mannschaft hat erneut ihre Zukunftsfähigkeit mindestens angedeutet, es macht Spaß, ihr zuzusehen. Den Fans kann man nicht verdenken, dass sie den Sieg in Brüssel als den ersten Schritt ins EM-Finale von Warschau 2012 betrachten. Löws größtes Problem dürfte kein rein sportliches sein: den potenziellen Konflikt mit Ballack zu moderieren.

 
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