Taktik

Deutschland macht taktisch da weiter, wo es im Juli aufgehört hat: ein 4-2-3-1 mit bewährtem Personal. Dass Badstuber und Jansen für Friedrich und Boateng in die Abwehr rückten, begründete sich durch die Verletzungen der Kollegen.

Auffällig: Mertesacker war ein Großteil der Spieleröffnung zugewiesen, und da die Belgier ihn unbehelligt ließen, nutzte er das in Halbzeit eins zu etlichen Vorstößen in die gegnerische Hälfte. Auffällig auch, dass Schweinsteiger ihn dabei absicherte. Zudem stach ins Auge, dass Müller nicht mehr so am rechten Flügel klebte wie in Südafrika (im Gegensatz zu Podolski am linken) und häufig mit Özil rotierte.

In den ersten 45 Minuten spielte Deutschland nur vereinzelt Pressing, nach dem Wechsel erhöhte die DFB-Elf den Druck, auch auf den ballführenden Gegner. Vor allem weil Schweinsteiger nun offensiver wurde. Nur wenig mehr als fünf Minuten dauerte es, bis daraus die Führung resultierte. Schweinsteiger eroberte den Ball am Strafraum, leitete zu Müller, der nach einer Drehung den freien Klose bediente. Schnell umgeschaltet.

Belgien mit einem ähnlichen System, tendierte aber in Ballbesitz zu einem 4-1-4-1. Besonders die schnellen Tempodribblings auf dem Flügel (etwa über Dembele und Lukaku) brachten Schwung in die Angriffe.

Bei deutschem Ballbesitz zogen sich die Belgier weit in die eigene Hälfte zurück. Offenbar hatte die Elf die Order, Mertesacker gewähren zu lassen, vermutlich weil man wenig Gefahr durch ihn vermutete, den zweiten Innenverteidiger Badstuber hingegen nicht. Die beiden Sechser Simons und Vertonghen harmonierten in der Defensive nicht immer. Simons schob wenig zur Ballseite.

Einzelkritik

Manuel Neuer war sicher bei hohen Bällen, fehlerlos im Feldspiel, mit guten Reaktionen bei den wenigen gefährlichen Schüssen.

Philipp Lahm: zunächst mit einigen verlorenen Zweikämpfen gegen Dembele, aber stets mit Vorwärtsdrang. Sehr gute zweite Halbzeit mit getimten Grätschen und einem wunderbaren Grundlinienrückpass auf Müller.

Per Mertesacker gewann alle Zweikämpfe am Boden und in der Luft, organisierte die Abwehr. Sehr oft derjenige, der das Spiel eröffnete und den Ball in die gegnerische Hälfte trieb. Dort fehlten ihm aber Ideen und scharfes Passspiel, um gefährliche Angriffe einzuleiten. Unterstrich kurz vor Ende bei einem Ballverlust in der Sechser-Position sein eingeschränktes Bewegungsrepertoire.

Holger Badstuber: solide Abwehrleistung mit einigen wenigen Stellungsfehlern. Deutete in der zweiten Halbzeit mit einem Pass auf Klose an, dass er im Aufbauspiel mehr drauf hat als seine Konkurrenz auf dieser Position. Joachim Löw mag es, wenn Innenverteidiger mit einem harten Flachpass den Stürmer an- und damit die Mittelfeldlinien überspielen.

Der Außenverteidiger Marcell Jansen belebte wie gewohnt die Offensive. Seine Schwächen in der Defensive, insbesondere das Laufverhalten, fielen diesmal nicht sehr ins Gewicht. Zur Halbzeit musste er angeschlagen raus.

Bastian Schweinsteiger zeigte wieder ein gutes und kluges Spiel. Führen die Abwehrspieler den Ball, bietet er sich oft an. Oder, je nach Situation, er öffnete ihnen Räume, indem er durch geschicktes Laufverhalten einen Gegner auf sich zieht. In der ersten Halbzeit sehr defensiv, teilweise "letzter Mann". Später wurde er zum Schlüsselspieler, weil seine Offensivwerdung das Spiel änderte und entschied: durch schnelles Attackieren verleitete er Daniel van Buyten zum entscheidenden Fehler. Nicht vergessen wollen wir einen üblen Ballverlust Schweinsteigers, ohne dass er wie gegen Uruguay im Spiel um Platz drei zu einem Gegentor führte.

Sami Khedira mit großem Laufpensum und hervorragender Ballsicherheit. Wirkt für sein Alter sehr routiniert. Ballack wird es schwer haben, ihn zu verdrängen, auch weil Khedira für Spielfluss sorgt. Beispiel: In der zweiten Halbzeit spielte er in Bedrängnis und hohem Tempo einen ganz starken Außenristpass auf Müller.

Lukas Podolski war unauffällig. In seiner stärksten Szene gab er den Ball an Müller in den Strafraum, der Özil zum Schuss auflegte. In seiner zweitbesten Szene verfehlte er aus gut dreißig Metern den Torgiebel nur knapp.

Mesut Özil: Er sieht müde aus, wenn er über den Platz schleicht. Doch dann kann er katzengleich beschleunigen, sich drehen, seinen Gegenspieler abschütteln. Offenbarte auch Fehler, aber fand sehr oft den Freiraum vor der Abwehr. Flankte mit seinem schwachen rechten Fuß besser als manch ein Bundesliga-Profi mit dem starken.

Thomas Müller war für seine Gegner wie immer schwer zu fassen. Beim 1:0 schnell geschaltet, guter scharfer Pass auf den Torschützen. Half Lahm hinten oft aus, war nicht selten in der Rolle des rechten Verteidigers zu sehen.

Miroslav Klose war voll ins Spiel eingebunden, ließ den Ball gut auf die Nachrücker prallen, holte ihn sich gelegentlich in der eigenen Hälfte. Cool beim Tor des Tages.

Die Eingewechselten: Heiko Westermann war auch nicht die Idealbesetzung in der linken Viererkette. Kaum Akzente nach vorne, einige Lücken im Abwehrspiel offenbarend. Brachte kurz vor Schluss mit einem Fehlpass, der anmutete, als hätte er die Schuhspanner noch drin, Löw zur Wut. Toni Kroos gelangen in den ihm verbleibenden zwanzig Minuten einige Anspiele und Dribblings. Cacau kam zu spät, um auffallen zu können.

Fazit: Belgien hatte über weite Strecken ein scheinbares Gleichgewicht, doch gelang es den Gastgebern im Gegensatz zu den Deutschen selten, in den gefährlichen Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld vorzudringen. So blieb die DFB-Elf immer gefährlicher. Als sie nach der Pause das Tempo anzog, fiel das Tor schnell. Es gewann die ball- und passsichere Mannschaft, die zudem im Mittelfeld besser organisiert war.