Thomas Müller "Ich werde häufig von Frauen um die 50 angesprochen"

Thomas Müller wollte schon immer das größere Stück Kuchen. Im Interview spricht der Nationalspieler über Ruhm, vergebene Chancen und die prophetische Gabe seiner Ehefrau.

"Ich glaube, dass mittlerweile das Maximum des Interesses erreicht ist": Thomas Müller

"Ich glaube, dass mittlerweile das Maximum des Interesses erreicht ist": Thomas Müller

Frage: Herr Müller, es gibt keinen Fußballspieler, der in letzter Zeit einen so rasanten Aufstieg erlebt hat wie Sie. Funktioniert Ihr inneres Koordinatensystem eigentlich noch?

Thomas Müller: Ich glaube schon. Aber ich bleibe gelassen. Außerdem war ich schon immer der Typ, der ziemlich viel wollte. Und möglichst schnell.

Anzeige

Frage: Zum Beispiel?

Müller: Wenn zwei Stück Kuchen auf dem Tisch lagen, dann wollte ich schon immer das größere. Das können Ihnen meine Mutter und mein Bruder bestätigen.

Frage: Ihr Bruder wird sich wahrscheinlich nicht immer mit dem kleineren Stück zufriedengegeben haben.

Müller: Meistens hab’ ich mir das größere Stück einfach geschnappt und mir dann den Ärger angehört. Aber ich hatte das, was ich wollte.

Frage: Sie sollen als Kind vor Ihrem ersten Training bereits eineinhalb Stunden vor Beginn auf dem Platz gestanden haben …

Müller: Das hab ich auch mal irgendwo gelesen.

Frage: Dann anders: Sie haben schon mit 20 geheiratet. Das ist auch sehr früh.

Müller: Stimmt. Für Leute meines Alters ist das ungewöhnlich. Aber die sind oft auch in einer anderen Situationen: Sie studieren, haben keinen festen Beruf und sind sehr mobil. Bei meiner Frau und mir hat es von Anfang an gut gepasst. Ich habe mich schon relativ früh bei ihr einquartiert. Sie hat in einem Vorort von München gewohnt. Das war für mich sehr praktisch, weil sich die Strecke zum Trainingsplatz des FC Bayern dadurch deutlich verkürzt hat. Andere Paare haben erst noch getrennte Wohnungen. Diese Phase haben wir übersprungen. Deswegen ging es im Endeffekt so schnell.

Frage: Und doch ist es eine eher konventionelle Art zu leben. Hilft Ihnen das, mit der Aufregung um Ihre Person zurechtzukommen?

Müller: Das glaube ich schon. Wenn du dich in der Öffentlichkeit bewegst, und dann auch noch in dem sogenannten Haifischbecken Bayern München, ist es wichtig, dass du dir ein gewisses Maß an Zurückgezogenheit bewahrst. Dass du weißt, zu Hause ist alles geordnet, da gehörst du hin, da fühlst du dich wohl.

Frage: Genießen Sie es, berühmt zu sein?

Müller: Jeder, der sich wünscht, berühmt zu sein, weiß wahrscheinlich gar nicht, was es bedeutet. Natürlich ist es schön, wenn sich andere Leute für einen interessieren, wenn man überall, wo man auftaucht, im Mittelpunkt steht. Aber damit muss man auch umgehen können.

Frage: Welche Vorzüge hat es, berühmt zu sein?

Müller: Kleines Beispiel: Wenn du in ein Flugzeug steigst, wirst du schon mal gefragt, ob du zum Kapitän ins Cockpit kommen möchtest. Aber wenn du wieder aussteigst, musst du am Gepäckband erst einmal vier Fotos mit dir machen lassen. Es ist wie überall im Leben: Alles hat zwei Seiten. Viele von denen, die gern berühmt sein wollen, sehen vermutlich nur das Positive.

Frage: Würden Sie darunter leiden, wenn Sie Ihren derzeitigen Status wieder verlören?

Müller: Für mein Wohlbefinden brauche ich keinen bestimmten Status. Ich brauche sportlichen Erfolg, und der ist wahrscheinlich wieder mit dem Status verbunden. Generell könnte ich sehr gut damit zurechtkommen, wenn ich wieder unbedeutender wäre in der Öffentlichkeit.

Frage: Wie geht Ihre Frau damit um, dass Sie überall erkannt werden?

Leser-Kommentare
  1. Entfernt. Verzichten Sie auf beleidigende Bemerkungen. Die Redaktion/sh

    • TDU
    • 07.09.2010 um 15:14 Uhr

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und konstruktiv. Danke. Die Redaktion/ew

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service