Thomas Weikert, 48, Rechtsanwalt und ehemaliger Bundesligaspieler, ist Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) und Vizepräsident des Internationalen Verbandes (ITTF).

Frage: Herr Weikert, haben Sie eigentlich schon eine Haarprobe abgegeben?

Thomas Weikert: Nein, bisher noch nicht.

Frage: Sie gehörten im August zur deutschen Delegation bei den China Open im Tischtennis, wo Dimitrij Ovtcharov seiner Ansicht nach kontaminiertes Fleisch gegessen hat, das zu seinem positiven Dopingtest führte.

Weikert: Ich denke daher auch über die Möglichkeit einer Haarprobe nach.

Frage: Die Haarprobe könnte zeigen, ob Ovtcharov einmal oder mehrmals Clenbuterol zu sich genommen hat und ob der Wirkstoff bei anderen Spielern und Delegationsmitgliedern gefunden wird.

Weikert: Dimitrij hat schon eine Haarprobe abgegeben. Das Ergebnis erwarten wir in etwa zehn Tagen. Allen anderen haben wir gesagt, dass sie sich nicht die Haare schneiden lassen sollen. An diesem Mittwoch soll erstmal die B-Probe geöffnet werden.

Frage: Einerseits haben Sie als Verband ein Interesse, dass ein Spieler nicht gesperrt wird, andererseits müssen Sie neutral bleiben.

Weikert: Da muss man einen Spagat machen. Erst einmal lassen wir den Spieler nicht fallen. Er ist nicht vorverurteilt, es gibt einen Verdacht, dass ein Verstoß gegen Anti-Doping-Regeln vorliegt. Deshalb haben wir ihn vorläufig suspendieren müssen. Jetzt müssen wir sowohl belastende als auch entlastende Indizien ermitteln. Für uns darf es keine Frage des Glaubens sein, sondern nur eine der Fakten.

Frage: Ist das der erste Dopingfall im deutschen Tischtennis?

Weikert: Ja.

Frage: International gab es auch vorher schon Dopingfälle im Tischtennis.

Weikert: Wir hatten einen Algerier, der Haschisch geraucht hatte. Dann gab es einen Tschechen, Ägypter und einen Belgier, ich glaube wegen Kokain. Im Groben war es das. Dimitrij ist der erste Topspieler, der etwas mit einem positiven A-Test zu tun hat. Ich bin auch überzeugt davon, dass Doping mit Clenbuterol im Tischtennis nichts oder nicht viel bringt.

Frage: Warum nicht?

Weikert: Weil wir eine komplexe Sportart sind. Natürlich hängt viel von der Athletik und von der Schnellkraft ab, aber wir haben eben andere Komponenten. Dass man, wenn man betrügen wollte, ein so primitives Kraftmittel wie Clenbuterol einsetzt, wäre verwunderlich.

Frage: Aber auch durch Training versucht man doch einzelne Komponenten zu stärken, warum also dann nicht mit Substanzen?

Weikert: Denkbar ist alles. Aber meine persönliche Überzeugung ist, dass Doping generell in unserem Sport nicht verbreitet ist.

Frage: Wenn tatsächlich kontaminiertes Fleisch in China die Ursache für Ovtcharov positive Probe sein sollte, müsste doch jeden Tag ein chinesischer Athlet auffliegen.

Weikert: Wie oft dort getestet wird, weiß ich nicht. Es gab auch schon chinesische Athleten, die positiv auf Clenbuterol getestet worden sind, es gab auf jeden Fall eine Judoka und eine Badmintonspielerin. Da ging es auch um verseuchtes Essen. Wir fahren ja nun schon seit Jahren nach China, aber Dimitrij hat gesagt, dass er noch nie so kurz nach einer Reise getestet worden ist.

Frage: Die Veranstalter der China Open sagen, das Fleisch in dem Spieler-Hotel sei streng kontrolliert worden.

Weikert: Selbst bei uns kann man doch nicht hundertprozentig sicher sein, dass so etwas nicht passiert. Es ist außerdem so: Wir spielen oft Vergleichskämpfe mit den Chinesen, absolvieren gemeinsame Lehrgänge und nehmen da ihre Gastfreundschaft an. Wir wollen ein gutes Verhältnis mit ihnen. Da könnten wir nur schwer zu ihnen sagen: Essen tun wir nicht mit euch.

Frage: War denn das Fleisch jemals Thema im Gespräch mit den Chinesen?

Weikert: Vielleicht wird das in Zukunft ein Thema, aber dann eins für die ITTF. Unsere Spieler wissen, dass sie nicht an der nächstbesten Bude essen sollen. Aber man kann es nicht kontrollieren. Deshalb wird das Problem immer bleiben.

Frage: Die nächste China-Reise kommt bestimmt.

Weikert: Wir müssen erst einmal dieses Verfahren abwarten. Können wir noch besser warnen? Wie sprechen wir die Chinesen darauf an? Damit werden wir uns beschäftigen. Aber es wird eben auch darum gehen, was der Gastgeber von uns erwartet.

Das Gespräch führte Friedhard Teuffel für den Tagesspiegel.