Fußball-EM Gastgeberland mit korrupten Zollbeamten und rassistischen Hooligans

Die EM 2012 soll in Polen und der Ukraine sein, doch seit der pro-russische Präsident in Kiew regiert, wirkt der Co-Gastgeber erst recht überfordert.

Bauarbeiten am EM-Stadion in Lemberg - vor dem Baustopp

Bauarbeiten am EM-Stadion in Lemberg - vor dem Baustopp

Wenn Jürgen Klopp nächste Woche in die Ukraine fliegt, um mit seiner Mannschaft in der Europa League gegen Karpaty Lemberg zu spielen, ist das nicht nur ein sportlicher Test für Borussia Dortmund. Es ist das erste Uefa-relevante Fußballspiel im Land des umstrittenen Co-Gastgebers der EM 2012, seit sich die Fußballwelt ernsthaft mit diesem Turnier beschäftigt.

Die Qualifikationsspiele für die EM 2012 laufen seit einigen Tagen, und der Trainer Jürgen Klopp wird nach dem Spiel ein gefragter Ansprechpartner sein. Egal wie es für seine Mannschaft ausgeht. Wie war die Organisation in Lemberg? Wie war das Hotel, die Anreise, die Trainingsbedingungen, das Stadion?

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Lemberg gilt als größter Wackelkandidat unter den vier geplanten ukrainischen Spielorten, zu denen außerdem Charkiw, Donezk und Kiew gehören. "Über Lemberg weiß ich im Moment noch wenig, aber wir fahren in jedem Fall in das Land, in dem die nächste Europameisterschaft stattfindet", sagte Klopp gleich nach der Auslosung durch die Uefa. Der Uefa-Präsident Michel Platini bemühte sich zeitgleich darum, die begründeten Zweifel an der EM-Tauglichkeit der Ukraine zu zerstreuen. "In den letzten fünf Monaten sind erhebliche Fortschritte gemacht worden", behauptete er im sichtlich zur Schau gestellten frohen Mut, um gleichzeitig seine früher getroffenen Aussagen zu revidieren: Üblicherweise hinterließ Platini stets einen genervten Eindruck, wenn es um den Vorbereitungsstand im Gastgeberland Ukraine ging. "Es wäre sicher eine Option, sechs Spielorte in Polen zu bestimmen", sagte er noch kurz vor der Weltmeisterschaft in Südafrika, wo die Infrastruktur aus Straßen, Hotels und Flughäfen schon zum Zeitpunkt des Zuschlages durch den Weltverband Fifa besser waren als heute in der Ukraine.

Zwischenzeitlich deutete Platini dann die eigentliche Ursache dafür an, warum es in der Ukraine nicht wie gewünscht voran geht: Man habe die Nicht-Mitgliedschaft in der Europäischen Union eben unterschätzt.

Zwar dreht sich in der öffentlichen Diskussion immer alles um die sichtbaren Symbole der Turniertauglichkeit, um die Stadien. Aber die eigentlichen Probleme beginnen bei den nicht vorhandenen Englischkenntnissen des Flughafenpersonals in Lemberg, geht über die – auch unter Zollbeamten verbreitete – Korruption, die nicht vorhandenen Autobahnen, über rassistische Hooligans, bis hin zu den wenigen Hotels, die überdies nur in Kiew internationalem Standard genügen. Höchstwahrscheinlich werden sich die meisten Nationalmannschaften deshalb in Polen einquartieren, möglicherweise gar in Deutschland.

Während in Polen Stadien und Hotels gebaut werden, und das löchrige Autobahnnetz weiter zusammenwächst, bestimmt in der Ukraine die Misswirtschaft. Auch der zwischenzeitliche Wechsel an der politischen Spitze verunsichert sowohl die Uefa als auch den polnischen Partner: Seit dem Amtsantritt des pro-russischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch im Februar dieses Jahres entfernt sich die Ukraine noch weiter von klaren europäischen Verhältnissen. Daran konnte auch Janukowitschs Deutschlandbesuch in der vergangenen Woche nichts ändern. "Wir beobachten derzeit eine Rückentwicklung demokratischer Grundwerte in der Ukraine. Die Presse- und Meinungsfreiheit werden nicht ausreichend respektiert", sagte Christian Rickerts, Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen nach dem Präsidentenbesuch.

Leser-Kommentare
  1. Warum kann man nicht erstmal abwarten wie sich alles entwickelt ? Vielleicht werden die Infrastrukturprojekte in der Ukraine doch noch rechtzeitig fertig. Rassistische Hooligans gibt es leider auch in anderen Staaten Europas. Und anders als viele EU Mitgliedsstaaten erhält die Ukraine keine jährlichen Milliardentransfers aus Brüssel. Im EU Mitgliedsstaat Griechenland laut Transparency International eine ähnlich hohe Korruptionsrate. Auch die Ukraine hat in der jüngeren Geschichte viel gelitten (besonders im 2. Weltkrieg) und ich finde, man sollte auf das Land nicht arrogant herabsehen und nur das Negative beschreiben.

    • Eckke2
    • 07.09.2010 um 19:35 Uhr

    selten so einen dummen Kommentar gelesen. Lieber Herr Sundermeyer, auch für Sie gilt, erst informieren, dann denken und dann schreiben.
    Sie sollten einmal L´viv als Gast des Weltkulturerbes besuchen. Seien Sie versichert, Sie werden wirklich nicht erschossen, wenn Sie die ukrainische Sprache nicht beherrschen.
    Also raus aus Europa und rein in die Welt - zum kennenlernen.

    • oznori
    • 08.09.2010 um 20:39 Uhr

    L'viv hat eine wunderschöne Altstadt die zu ihrem großen Glück als Unesco-Weltkulturerbe geschützt ist. Der restliche Teil des Zentrums erwartete seine Besucher in diesem Sommer als Großbaustelle zur Vorbereitung auf die EM 2012.
    Mir stellt sich hier die Frage, inwieweit es überhaupt erstrebenswert ist, Städte und Landstriche auf der ganzen Welt "internationalen Standards" anzugleichen und sie damit ihrer Individualität und ihres Charmes zu berauben, sei es für sportliche Großereignisse oder touristische Zwecke.

  2. [entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und höflich und bemühen Sie sich darum, diese mit Argumenten zu untermauern. Danke. Die Redaktion/ew]

    Was ein Glück, daß es - außer bösen Nicht-EU-Territorien - in dieser Welt auch noch FIFA UEFA gibt, transparente und unbestechliche Wächter über die Beachtung demokratischer Grundwerte.

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