Diskriminierung Fußballverein wirft schwulen Spieler aus dem Team
14 Jahre hat er mitgekickt, nun darf er nur noch zuschauen: Ein französischer Fußballclub hat einen seiner Spieler verbannt, weil er homosexuell ist.
© Frank File/AFP/Getty Images

Homosexualität ist im Fußball immer noch ein Tabu
Die Verbannung eines homosexuellen Fußballspielers aus dem Team eines Amateur-Vereins hat in Frankreich Empörung ausgelöst. Die Schwulen-Organisation "Paris Foot Gay" (PFG) beantragte beim Nationalverband FPF in Paris deshalb die Bestrafung des FC Chooz. Der Club aus der kleinen Gemeinde an der Grenze zu Belgien hatte den Abwehrspieler Yoann Lemaire vor wenigen Tagen nach 14-jähriger Teamzugehörigkeit vom Spielbetrieb ausgeschlossen, weil der Abwehrmann schwul ist. "Ich wollte doch nur mit meinen Freunden Fußball spielen", sagte Lemaire. Er wurde als erster bekennender homosexueller Spieler Frankreichs bekannt und hat auch ein Buch zum Thema veröffentlicht.
Die FPF-Ethik-Kommission müsse der Fußballwelt nun zeigen, dass Homophobie "genau so schlimm ist wie Rassismus oder Antisemitismus", forderte die Schwulenorganisation. Auch die französische Sport-Staatssekretärin Rama Yade hatte sich zuvor für Maßnahmen gegen Chooz ausgesprochen. Der Verein entgegnete, man habe den verbannten Spieler vor Problemen mit seinen bisherigen Teamkameraden schützen wollen. Einige Spieler von Chooz hatten sich tatsächlich bei TV-Interviews im vergangenen Jahr negativ über Homosexuelle geäußert.
Der betroffene Spieler erklärte, er sei von der Entscheidung des Vereins "tief getroffen". Der 28-Jährige aus der Region Champagne-Ardenne im Nordosten Frankreichs fügte an, er habe noch nicht entschieden, ob er gerichtliche Schritte einleiten solle. "Wozu soll das gut sein? Ich will aber, dass die Ministerien, der Verband und Paris Foot Gay gemeinsam die Homophobie bekämpfen", sagte Lemaire.
Homosexualität ist nicht nur im französischen Fußball immer noch ein Tabu.
"Paris Foot Gay" stellt nach eigenen Angaben die erste Fußball-Mannschaft auf, in der homo- und heterosexuelle Spieler offiziell in einem Team spielen. Die Organisation kämpft offen gegen Diskriminierung von Schwulen und erstellte eine Charta gegen Homophobie, die bislang nur von wenigen Ligue-1-Clubs (darunter Paris Saint-Germain, AJ Auxerre und OGC Nizza) unterzeichnet wurde.
- Datum 08.09.2010 - 16:19 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 6
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wenn die Behandlung des Spielers durch den Verein noch so gemein ist: dafür dass es sich um ein ausländisches Provinznest 750 Einwohnern handelt, sind die Berichterstattung und das Foto m.E. doch etwas viel der Ehre...
Ich hoffe, dass sich noch mehr homosexuelle outen. Die Überzeugung ist ein schwer, doch wenn die Menschen erstmal überzeugt sind, ist es das normalste der Welt.
Stellen Sie sich mal vor, Sie spielen im "Tunten-Tingel-Tangel" jeden Abend überzeugend Ihre Rolle. Sie singen gut, Sie tanzen gekonnt - und doch kommt eines Abends der Chef des Hauses und versucht Ihnen beizubringen, dass er Sie entlassen müsse. Warum? Weil Sie ja gar nicht schwul seien! Und das sei jetzt herausgekommen.
Würde nicht eine Welt für Sie zusammenbrechen? Das war zwar nicht Ihr Leben, aber doch immerhin Ihr erfolgreiches Bühnenleben!
Ist solch eine Situation vorstellbar? Wohl kaum. Aber warum eigentlich nicht, wenn es doch umgekehrt nach wie vor funktioniert? Ob ein Fussballspieler in der FDP ist, Francis Bacon-Gemälde mag oder Oscar Wilde liest, interessiert niemanden, nicht einmal die Mitspieler. Warum also sollte eine etwaige homoerotische Präferenz eine so große Rolle spielen? Wir reden von einem Fussball-, nicht von einem Sex-Club!
Ich glaube, Frauen werden nicht dadurch schwanger, dass sie, obwohl eine Frauen"mann"schaft, von einem männlichen Trainer trainiert werden. Und so wird auch ein schwuler Fussballspieler sich nicht "automatisch" auf einen nackten Kameraden unter der Dusche stürzen.
Spaß kann man beim Sex und beim Fussball haben. Das funktioniert auch ganz gut, wenn man beides strikt voneinander trennt.
Ich habe jedenfalls noch nicht davon gehört, dass der deutsche Außenminister einen ausländischen Amtskollegen in unzulässiger Weise bedrängt hätte. Das liegt außerhalb meiner Vorstellungskraft. Genau wie beim Fussball.
Oder weshalb ist die geschlechtliche Neigung eines Mitspielers hier von Bedeutung? Doch, wenn man so fragt: Wieviele "Manndecker" hat man nicht schon gesehen bei solchen Spielen? Welcher Trainer hat nicht schon geschrieen: "Du musst dichter ran an den Mann!"
Ein Spieler ist Abseits, wenn er ... sich outet?
In diesem Fall ist wohl eher der Verein im aktiven Abseits.
Ich glaub´ mein Schwein hat gepfiffen.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt? Ein Schuft! Und das im land von Liberté-Egalité-Fraternité...
Dégoûtant!
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