Der neue Alles-Außer-Fußball-Kolumnist Moritz Volz © Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Nach dem Training in der Lokstedter Kollaustraße im Norden Hamburgs begrüßt Moritz Volz die Jugendspieler des FC St. Pauli, die ihm auf dem Weg zum Parkplatz begegnen, per Handschlag. Obwohl er noch nicht mal drei Monate lang im Verein ist, kennt er sie mit Vornamen.

Volz ist in Deutschland höchstens Insidern bekannt, obwohl er unter Jürgen Klinsmann kurzzeitig im Kader der deutschen Nationalmannschaft stand. In England hingegen kennen ihn nicht nur die Fans des Erstligisten FC Fulham, für den er sechs Jahre lang spielte. Die Leute mochten den Fußballer Volz, vor allem aber den Typen – humorvoll, klug, bodenständig.

In London fuhr Volz gern mit dem Klapprad zum Training. Im Mai dieses Jahres, da war er vereinslos, verbrachte er mit Fulham-Fans eine Nacht am Hamburger Flughafen, nachdem er sich das Europacupfinale Atlético gegen Fulham ansah. Im Fan-Block, nicht auf der Vip-Tribüne. Er kommt den Engländern so gar nicht deutsch vor, nicht mehr.

Als Volz im Alter von 16 Jahren als einer der ersten deutschen Nachwuchstalente vom FC Schalke zum großen FC Arsenal nach London wechselte, wurde er in der Mannschaft mit Hitler-Witzen und mit den Vorstellungen der Engländer von den Deutschen konfrontiert. Ein Kulturschock.

Volz begriff, dass er mit den Deutschland-Klischees spielen musste, um ein leichtes Leben zu haben. Weil die Engländer glauben, dass alle Deutschen David Hasselhoff lieben, ließ sich Volz in Baywatch-Pose mit Badehose und Brusttoupet am Pool ablichten . "The Hoff", ergänzte er, "ist eine große Inspiration für mich." Eine Boulevardzeitung verstand nicht, und druckte eine ernsthafte Geschichte über seine Hasselhoff-Liebe.

Auf seiner Homepage volzy.com sieht man ihn, den Westfalen, in bayerischer Tracht mit Maßkrug, der User wird mit einer Parodie des Sting-Songs Englishman in New York begrüßt, in der von seiner deutschen Wurst die Rede ist, die er durch die Straßen Londons trägt. In seinem englisch-deutschen Wörterbuch lernen seine englischen Fans sinnvolle Sätze wie "Kann ich meine Sandalen auch ohne Socken tragen?", "Wo ist der Pool? Ich will meine Handtücher hinlegen?" oder "Ist der Linienrichter Russe?". Zudem hat er einen eigenen YouTube -Kanal , auf dem er schon mal im traditionell englischer Kostümierung zu einer Version von Nenas 99 Luftballons tanzt.