Fußball Miro allein vorm Tor
Vor der WM in Südafrika rief das Volk nach anderen. Doch Miroslav Klose zahlte Löws Vertrauen mit Toren zurück. Nie war seine Stellung so ungefährdet wie im Moment.
© PAUL ELLIS/Getty Images

Hat wieder Grund zum Jubeln: Miroslav Klose
Fußballspielern wird gelegentlich vorgehalten, dass sie sich nicht mehr als notwendig mit ihrem Beruf beschäftigten. Für Miroslav Klose gilt das mit Sicherheit nicht. Der Nationalstürmer besitzt ein hohes Arbeitsethos, ist wissbegierig und kenntnisreich. Mit der Frage, wie viele Tore Gerd Müller in seiner Länderspielkarriere erzielt hat, muss man ihm daher gar nicht erst kommen. 68 waren es, "68", sagt Klose.
Ein Rekord für die Ewigkeit, hieß es immer, doch Klose ist diesem Rekord inzwischen gefährlich nahegekommen. Am Freitag, im EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien, hat der Münchner sein 53. Tor für die Nationalmannschaft erzielt, und Klose ist davon überzeugt, "dass das eine oder andere noch hinzukommen wird".
Unter Deutschlands Stürmern ist Gerd Müller immer noch der Meister aller Klassen. Er hat die meisten Länderspieltore geschossen, die meisten Bundesligatore (365) und auch die meisten Tore in einer Saison (40). Seine Rekorde werden bis heute immer wieder als Vergleichsgröße herangezogen, dabei sind Müllers Werte im Grunde unvergleichlich. Für die 68 Tore in der Nationalmannschaft hat er ganze 62 Länderspiele gebraucht. Miroslov Klose steht schon jetzt bei 102. Und trotzdem ist dessen Leistung kaum weniger bemerkenswert. Was Klose auszeichnet, ist die Hartnäckigkeit, mit der er sich über die Jahre in der Nationalmannschaft behauptet hat – gegen alle Widerstände und gegen alle Konkurrenten.
Kurz vor der Weltmeisterschaft in Südafrika hat Klose seinen 32. Geburtstag gefeiert. Es war ihm natürlich klar, dass seine dritte WM auch seine letzte sein würde; inzwischen aber ist er sich da nicht mehr so sicher. "Ich bin erst 32, so alt ist das noch nicht", sagt er. "Wenn ich in vier Jahren noch fit bin und meine Leistung stimmt, warum sollte ich dann nicht spielen?" Miroslav Klose ist in der Vergangenheit nicht unbedingt als weltfremder Spinner aufgefallen. Insofern sind solche Überlegungen durchaus ernst zu nehmen.
Es ist ja nicht so, dass Kloses Karriere seit seinem Länderspieldebüt vor mehr als acht Jahren in einer geraden Linie von null auf hundert geführt hat. Es gab Brüche und Abschweifungen, Phasen, in denen Klose an sich selbst zu verzweifeln schien und eine bemitleidenswerte Figur abgab: Je mehr er strampelte, desto tiefer rutschte er in den Sumpf. Aber Klose ist immer wiedergekommen, und nie war seine Stellung in der Nationalmannschaft so ungefährdet, wie sie es im Moment ist.
Als Bundestrainer Joachim Löw sich vor der WM auf Klose als Stürmer Nummer eins festgelegt hat, ist diese Entscheidung nicht unbedingt auf allgemeine Begeisterung gestoßen. Klose hatte die erfolgreiche Saison der Bayern hauptsächlich von der Bank aus miterlebt: In seiner persönlichen Bilanz standen elf Spiele in der Startelf und drei Bundesligatore. Das Volk rief nach Stefan Kießling und Kevin Kuranyi, doch Löw hat sich von solchen Einflüsterungen nicht beirren lassen: Kuranyi wurde gar nicht erst für die WM nominiert, Kießling durfte in Südafrika den Kader auffüllen – Klose spielte.
Inzwischen nimmt der Münchner diese Rolle mit einer ungewohnten Selbstverständlichkeit hin. Klose hat mit den Jahren zu einer Leichtigkeit gefunden, die ihm nicht unbedingt naturgegeben ist. Das mag auch an der Schwäche der Konkurrenz liegen. "Noch versuche ich, da niemanden ranzulassen", sagt Klose. Wen auch? Mario Gomez kommt schon im Verein nicht an ihm vorbei, Kevin Kuranyi hat mit seinem Wechsel nach Russland bewiesen, dass er andere Prioritäten setzt als sportliches Fortkommen, und Stefan Kießling hat mit seinen Länderspielauftritten (gegen Malta und im Spiel um Platz drei) Löws allgemeine Skepsis an seiner Befähigung zum Nationalspieler eher bestätigt als zerstreut.
Miroslav Klose ist der letzte aktuelle Nationalspieler, der schon bei der WM 2002 zum deutschen Kader gehörte. Vielleicht kehrt Michael Ballack noch einmal zurück. Doch der Kapitän muss sich längst einer jungen, willigen Konkurrenz erwehren, die ihm seine Stellung streitig macht. Bei Klose ist das anders. "Ich erwehre mich nicht", sagt er. Es greift ihn ja auch niemand richtig an.
- Datum 06.09.2010 - 09:41 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










Der Artikel gefällt mir gut, insbesondere als "Denkzettel" für alldiejenigen Coach-Bundestrainer, die den Klose im Vorfeld der WM beschimpft, kritisiert und ihn nach Hause schicken wollten.
Aber von denen würde jetzt eh keiner zugeben, sich in der Meinung über Klose geirrt zu haben. Ich wage eine Prognose für 2012: sollte keine Verletzung dazwischen kommen wird Klose auch 2012 in Polen und der Ukraine für Deutschland stürmen und treffen. Was 2014 in Brasilien geht, lasse ich mal vorerst unkommentiert, auschließen möchte ich das aber keinesfalls ;-)
Im Falle von Miroslav Klose habe ich mich tatsächlich geirrt, ich lege allerdings Wert darauf, dass ich ihn im Vorfeld der WM nicht beschimpft habe. Der Rest stimmt allerdings.
Allerdings bin ich nach wie vor überzeugt, dass er durchaus adequat durch andere Stürmer hätte ersetzt werden können, wenn diese das selbe Maß an Vertrauen bekommen hätten. Stefan Kießling kommt mir in dem Artikel z.B. zu schlecht weg, Klose fand gegen Spanien schließlich auch nicht statt, ohne dass ihm das übel angerechnet würde. Und nach einem bedeutungslosen Spiel gegen Malta, in dem die ganze Mannschaft sich nicht gerade mit Ruhm bekleckerte, und 17 Minuten gegen starke Uruguayer den Stab über ihm zu brechen ist sicherlich deutlich unfairer, als Klose nach 2 katastrophalen Jahren die Wiederauferstehung nicht zuzutrauen. ^^
Die Lobhudeleien an Löw gehen mir trotzdem auf den Wecker, da er in der Hauptsache von der guten Arbeit van Gaals und der inzwischen durchschlagenden Jugendausbildung profitiert. Nationaltrainer wie Berti Vogts oder auch Rudi Völler hätten sich diese Voraussetzungen sicher auch gewünscht. Dass sie trotz deutlich schlechteren Spielermaterials die gleichen oder gar bessere (Euro 92 und 96, WM 2002) Ergebnisse erzielten, zeigt, dass die Leistung Löws vielleicht nicht gar so überirdisch ist, wie allgemein getan wird.
Das soll seine sicherlich gute Arbeit gar nicht schmälern, aber unersetzlich ist er ganz sicher nicht. und schon gar keine neue Lichtgestalt.
Im Falle von Miroslav Klose habe ich mich tatsächlich geirrt, ich lege allerdings Wert darauf, dass ich ihn im Vorfeld der WM nicht beschimpft habe. Der Rest stimmt allerdings.
Allerdings bin ich nach wie vor überzeugt, dass er durchaus adequat durch andere Stürmer hätte ersetzt werden können, wenn diese das selbe Maß an Vertrauen bekommen hätten. Stefan Kießling kommt mir in dem Artikel z.B. zu schlecht weg, Klose fand gegen Spanien schließlich auch nicht statt, ohne dass ihm das übel angerechnet würde. Und nach einem bedeutungslosen Spiel gegen Malta, in dem die ganze Mannschaft sich nicht gerade mit Ruhm bekleckerte, und 17 Minuten gegen starke Uruguayer den Stab über ihm zu brechen ist sicherlich deutlich unfairer, als Klose nach 2 katastrophalen Jahren die Wiederauferstehung nicht zuzutrauen. ^^
Die Lobhudeleien an Löw gehen mir trotzdem auf den Wecker, da er in der Hauptsache von der guten Arbeit van Gaals und der inzwischen durchschlagenden Jugendausbildung profitiert. Nationaltrainer wie Berti Vogts oder auch Rudi Völler hätten sich diese Voraussetzungen sicher auch gewünscht. Dass sie trotz deutlich schlechteren Spielermaterials die gleichen oder gar bessere (Euro 92 und 96, WM 2002) Ergebnisse erzielten, zeigt, dass die Leistung Löws vielleicht nicht gar so überirdisch ist, wie allgemein getan wird.
Das soll seine sicherlich gute Arbeit gar nicht schmälern, aber unersetzlich ist er ganz sicher nicht. und schon gar keine neue Lichtgestalt.
1. ...ist zu erwähnen, daß jüngere Angriffsspieler (v.a. der besagte Stefan Kießling) bei Joachim Löw bisher keine echte Chance bekamen
2. ...das wichtigste:
die Tatsache, daß Klose so einen guten Stand in der National11 hat, beruht auf einer sehr banalen Tatsache:
Deutschland mag fußballballerisch ein wenig wiedererstarkt sein, aber es gibt einen eklatanten Mangel an guten Angriffsspielern;
es sollte deutlich darauf hingewiesen werden, daß Kloses Länderspielanzahl hierauf beruht.
(wie eklatant der Mangel ist, wird vor allem dadurch ersichtlich, daß mit Cacau ein bescheiden-durchschnittlicher Bundesliga-Stümer mit zur WM genommen wurde (bzw. werden mußte mangels Alternativen)
Im Falle von Miroslav Klose habe ich mich tatsächlich geirrt, ich lege allerdings Wert darauf, dass ich ihn im Vorfeld der WM nicht beschimpft habe. Der Rest stimmt allerdings.
Allerdings bin ich nach wie vor überzeugt, dass er durchaus adequat durch andere Stürmer hätte ersetzt werden können, wenn diese das selbe Maß an Vertrauen bekommen hätten. Stefan Kießling kommt mir in dem Artikel z.B. zu schlecht weg, Klose fand gegen Spanien schließlich auch nicht statt, ohne dass ihm das übel angerechnet würde. Und nach einem bedeutungslosen Spiel gegen Malta, in dem die ganze Mannschaft sich nicht gerade mit Ruhm bekleckerte, und 17 Minuten gegen starke Uruguayer den Stab über ihm zu brechen ist sicherlich deutlich unfairer, als Klose nach 2 katastrophalen Jahren die Wiederauferstehung nicht zuzutrauen. ^^
Die Lobhudeleien an Löw gehen mir trotzdem auf den Wecker, da er in der Hauptsache von der guten Arbeit van Gaals und der inzwischen durchschlagenden Jugendausbildung profitiert. Nationaltrainer wie Berti Vogts oder auch Rudi Völler hätten sich diese Voraussetzungen sicher auch gewünscht. Dass sie trotz deutlich schlechteren Spielermaterials die gleichen oder gar bessere (Euro 92 und 96, WM 2002) Ergebnisse erzielten, zeigt, dass die Leistung Löws vielleicht nicht gar so überirdisch ist, wie allgemein getan wird.
Das soll seine sicherlich gute Arbeit gar nicht schmälern, aber unersetzlich ist er ganz sicher nicht. und schon gar keine neue Lichtgestalt.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren