"Spannend ist es mit Magath auf jeden Fall"
ZEIT ONLINE: Durch seine Transferpolitik hat Magath viel von seinem großen Bonus in Schalke verspielt, wie es scheint. Legt er es nicht darauf an, länger zu bleiben?
Marbach: Man muss ja nur seine Vita nachlesen. Viel länger als zwei Jahre hat er es nirgendwo ausgehalten. Aber das ist nun mal sein Weg.
ZEIT ONLINE: Magath steht im Ruf, seine Spieler auszuzehren.
Marbach: Er ist ein harter Hund, und er gibt sich als harter Hund. Damit fährt man im deutschen Fußball ohnehin am besten. Wenn es über einen Trainer heißt, er sei weich, kann er seine Karriere doch abhaken. Ich glaube übrigens, unter Armin Veh hat unsere Mannschaft härter trainiert als unter Magath.
ZEIT ONLINE: Ein Nationalspieler hat mir mal erzählt, dass er kommunikative Trainer bevorzugt. Nach kurzem Überlegen korrigierte er sich: Vielleicht sei das Prinzip Magath, nämlich mit den Spielern nicht zu reden, doch die bessere Strategie.
Marbach: Über Magath hab ich mal jemanden sagen hören: "Er behandelt alle Spieler gleich schlecht." Das ist doch auch eine Form von Gerechtigkeit. Eine Gerechtigkeit, die gerade im Fußball, dem größten Jahrmarkt der Eitelkeiten, Vorteile hat. In Wolfsburg hat die Magath-Methode zwei Jahre perfekt funktioniert.
ZEIT ONLINE: Danach, nach Magaths Wechsel zu Schalke, kam der große Rückschritt für den VfL. Sollte ein Trainer nicht nachhaltiger arbeiten?
Marbach: Ich konnte bei den Champions-League-Spielen sehr schön beobachten, wie gut das Funktionsteam von Manchester United eingespielt ist. Alex Ferguson ist dort seit über zwanzig Jahren, das ist ein großer Vorteil. Oder man schaue nach Arsenal, wo Arsène Wenger seit fünfzehn Jahren die Identität eines ganzen Vereins prägt.
ZEIT ONLINE: Warum ist das in Deutschland nicht möglich?
Marbach: Ist es ja, schauen Sie nach Bremen, wo Klaus Allofs und Thomas Schaaf ein gutes Team bilden, weil keiner dem anderen etwas wegnimmt. Aber ich weiß, was Sie meinen. Ich liebe das deutsche Fußballmilieu, aber vieles müsste professioneller werden. Oft entscheiden Leute über Trainerwechsel und Neuverpflichtungen, die nicht richtig drin sind im Geschäft. Das stört den Profi Magath sehr.
ZEIT ONLINE: Also macht er einen auf Komplettsanierer, der keinen Konflikt scheut und keine Rücksicht nimmt auf das Wesen des Vereins.
Marbach: Man kann über Magath sagen, was man will. Spannend ist es mit ihm in jedem Fall.
Die Fragen stellte Oliver Fritsch .
- Datum 08.09.2010 - 13:47 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren