Doch die Deutschen wissen, dass das kein Selbstläufer wird
Man kann das für maßloses Understatement halten – aber offensichtlich ist Löws Sorge echt. Zumal die Erwartungen nach den Auftritten in Südafrika hoch sein werden: Wer England und Argentinien wegfiedelt, wird doch wohl gegen Belgien keine Schwierigkeiten bekommen. "Wir können nicht erwarten, dass es so wird wie gegen England und Argentinien", sagte Philipp Lahm. "Wir sind noch nicht in der Verfassung, dass wir so ein hohes Tempo über 90 Minuten gehen können."
Der Münchner wird die Mannschaft in Brüssel als Kapitän aufs Feld führen. "Das ist eine große Ehre", sagte er. Andererseits gilt er nach der Entscheidung des Bundestrainers für Michael Ballack auch weiterhin nur als offizieller Vertreter des offiziellen Kapitäns. Dass diese Lösung bei Lahm hemmungslose Freude auslösen würde, konnte niemand erwarten. Er machte eher den Eindruck, als fügte er sich ins Unvermeidliche. "Diese Entscheidungen müssen immer akzeptiert werden", sagte Lahm, "und sie werden auch akzeptiert."
Das Spiel gegen Belgien wird für Ballacks Herausforderer eine weitere Gelegenheit sein, sich unentbehrlich zu machen: sowohl für Lahm als Kapitän als auch für Khedira auf Ballacks Position im Mittelfeld. Doch die Deutschen wissen, dass das kein Selbstläufer wird. "Ein bisschen reinquälen" müsse sich die Mannschaft in das Spiel, glaubt Hans-Dieter Flick, der Assistent von Joachim Löw, "ein Stück weit über sich hinauswachsen" gar, wie der Bundestrainer sagte.
Es gebe überhaupt keinen Grund, Belgien "zu unterschätzen", wie Flick berichtete. Unter den gegebenen Bedingungen schon mal gar nicht. Löw hat beim Blick in die jüngere Geschichte festgestellt, dass der Neustart nach einer WM häufig nicht einfach war. Italien zum Beispiel quälte sich 2006 im ersten Pflichtspiel nach dem WM-Titel zu einem 1:1 gegen Litauen, und die Spanier, Europameister 2008, mussten sich mit einem 1:0 gegen Bosnien-Herzegowina begnügen. "Intern wissen wir schon, welche Gefahren auf uns lauern", sagte der Bundestrainer.
Die Bilanz der deutsch-belgischen Vergleiche bietet immerhin Trost. Die letzte Niederlage einer DFB-Elf gab es am 26. September 1954. Wirklich beruhigend ist das allerdings nicht. Dieses Spiel im September 1954 war das erste des neuen Weltmeisters Deutschland nach dem Titelgewinn.
- Datum 03.09.2010 - 10:39 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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