München 2018 "Katarina Witt kommt hervorragend an"
Wir müssen die Emotionen auf die Straße bringen, sagt Bernhard Schwank, neuer Chef der Münchner Olympiabewerbung 2018. Ein Gespräch über Bauernproteste und Beckenbauer.
© Matthew Stockman/Getty Images

Katarina Witt, Kuratoriumsvorsitzende von München 2018
Frage: Herr Schwank, wann gibt es mal wieder gute Nachrichten für die Münchner Olympiabewerbung?
Bernhard Schwank: Eigentlich jeden Tag. Wir arbeiten gerade am großen Bewerbungsdokument für die Winterspiele 2018 und müssen dafür annähernd 100 Garantien aufs Papier holen. Da steckt intensive Arbeit drin. Und die internationalen Reaktionen auf die Bewerbung sind sehr zufriedenstellend. Ab Oktober werden wir mit vielen Präsentationen auf die Bühne müssen. Dazu gehören neue Filme, neue Botschaften. Alles geht planmäßig voran.
Frage: Die Wahrnehmung ist eine andere. Es gibt Proteste in der Bevölkerung und ständige Führungswechsel.
Schwank: Wir müssen in der Tat die Anteilnahme und Begeisterung der Bevölkerung erheblich stärken. Es ist ein wichtiger Faktor, wie stark ein Land hinter einer Bewerbung steht. Daher planen wir eine neue Kampagne im Herbst. Wir müssen die Emotionen jetzt auf die Straße bringen. Wir brauchen ein Signal in die Welt, dass Deutschland die Winterspiele wirklich will. Allen muss klar sein: Bei diesem Wettbewerb kann man nur Gold gewinnen, nicht Silber oder Bronze.
Frage: Nach dem Rückzug des Mode-Unternehmers Willy Bogner führen Sie die Geschäfte. Die Bewerbung kommt nicht zur Ruhe.
Schwank: Das Gefühl ist falsch. Einen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen muss man akzeptieren. Und über die Vergangenheit lohnt es sich nicht zu sprechen. Wir haben viele Sportbotschafter, wir wissen, worauf es ankommt bei Winterspielen.
Frage: Worauf kommt es denn an?
Schwank: Wir haben hervorragende Voraussetzungen, nun müssen alle auch mitmachen. Dazu bedarf es sicher stärkerer Impulse von der Bewerbungsgesellschaft und weiter der Hilfe von Politik und Wirtschaft.
Frage: Und Sie brauchen die Bauern von Garmisch-Partenkirchen, die ihr Land nicht für Olympia hergeben wollen .
Schwank: Das ist richtig. Die Grundstückseigentümer in Garmisch-Partenkirchen müssen uns helfen – es gibt jetzt sehr intensive Gespräche. Erste Fortschritte sind erkennbar. Aber ich stelle mich den Problemen.
Frage: Fühlen Sie sich manchmal an die gescheiterte Bewerbung von Leipzig erinnert?
Schwank: Nein, überhaupt nicht. Wir haben die Vorrunde bereits überstanden und haben ein hervorragendes Urteil vom Internationalen Olympischen Komitee erhalten. Ich frage mich: Was will man denn mehr?
Frage: In Leipzig war ja das Problem, dass jeder etwas anderes wollte. In München scheint gar nicht jeder die Spiele zu wollen.
Schwank: Das stimmt nicht. Die überwiegende Mehrheit in Deutschland und vor Ort will die Spiele. Leipzig hatte eine eigene Dynamik. Danach gab es kein nationales Auswahlverfahren mehr. Der deutsche Sport hat sich mit München von Beginn an international wettbewerbsfähig aufgestellt.
Frage: Was wird München fehlen nach dem Rückzug von Willy Bogner?
Schwank: Der Mensch Willy Bogner fehlt. Aber unser Team funktioniert. Und ich bin nun dafür zuständig, dass das Projekt funktioniert. Unsere Kuratoriumsvorsitzende Katarina Witt kommt auf dem internationalen Parkett hervorragend an.
Frage: Bräuchten Sie nicht Franz Beckenbauer?
Schwank: Ich glaube, dass auch er bereit ist, uns mehr zu unterstützen. Er ist ja in unserem Kuratorium.
Frage: Er selbst will sich eher zurückziehen.
Die wichtigste Aufgabe im deutschen Sport ist derzeit die Olympiabewerbung, das sieht er auch so.
Das Gespräch führte Robert Ide für den Tagesspiegel.
- Datum 08.09.2010 - 16:31 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
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Es mag sich mir nicht so vollends erschließen, aufgrund welcher signifikanten Erhebungen der Herr Schwank diese "überwiegende Mehrheit" für seine Veranstaltung reklamieren kann.
Was mich betrifft: Ich möchte "die Spiele" nicht.
Kann mir jemand mal erklären, warum diese Kommerzspiele in D-Land bzw. München stattfinden sollten?
Ich sehe neben vielem Nwgativen kaum/kein Vorteil.
Mir scheint, die Einzige, die im Rahmen dieser Bewerbung Wahrheiten ausspricht, ist Katarina Witt. Sie hat gestern das Übergehen der Betroffenen in GAP als Fehler im ersten Enthusiasmus der Bewerbung eingestanden. Das wird die verfahrene Situation zwar auch nicht retten, ist nach meinem Kenntnisstand aber das erste Mal, daß von Seiten der Verantwortlichen berechtigte Einwände ehrlich benannt und nicht nur als geringe, zu überwindende Hürde herab gewürdigt werden.
Kaum gesagt, fallen ihr zugleich Wasmeier und Hoeneß in den Rücken. Der Bärendienst von Hoeneß besteht aus dem Zweifel, daß er sich nicht vorstellen kann, daß Katerina Witt in der Lage ist, Willi Bogner zu ersetzen, während Wasmeier negiert, daß sie das Aushängeschild für den bayerischen Winter-Traum sein kann um in München bzw. Bayern Akzente zu setzen.
Da wird mir klar, warum Beckenbauer zwar im Kuratorium ist, jedoch jegliches Ansinnen an ihn, für die Bewerbung stärker in den Vordergrund zu treten, zuletzt noch im BR anlässlich seines Geburtstages (65), mit Verweis auf seine Kinder und ein kürzer treten wollen, dankend ablehnte.
So sympathisch das "neue" Aushängeschild der Präsentation nach meinem Empfinden nicht nur durch ihre o. g. Äußerung der Sache auch dienen könnte, man möchte ihr zurufen, es zu lassen.
Sollen doch Wasmeier und Hoeneß sich vor den Karren spannen. Letzterer wird dann unter Umständen lernen müssen, daß ein Stadion in Fröttmaning etwas völlig anderes als eine Langlaufloipe in GAP sein kann.
Es schwant ihr bereits, welches Erbe ihr die vermeintliche Lichtgestalt Willy Bogner hinterlassen hat, entschuldigt sich bereits bei uns Garmischern im Voraus.
Arme, schöne Katharina Witt. Ihr Charme in allen Ehren, doch an den Tatsachen wird auch sie nicht herumkommen, eben dass wir unsere Heimat einige wenigen Profit- und Ehrsüchtigen nicht zu Lasten unserer Kinder und letztlich auch der Umwelt opfern werden. Das scheint immer noch nicht recht angekommen zu sein bei den Betreibern dieser olympischen Schnapsidee.
Wir jedenfalls sind zu faulen Kompromissen keinesfalls bereit.
Um sich Geld und Gesichtsverlust zu sparen, sollte Katharina Witt sich nicht missbrauchen lassen, sondern ob dieser Tatsachen zu einem Verzicht aufrufen: Es lebe der gesunde Menschenverstand!
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