Das Bremer Weserstadion während der Partie des SV Werder gegen den Hamburger SV © Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Nach der Partie des SV Werder Bremen gegen den Hamburger SV wurden am vergangenen Samstag die Gästefans von der Polizei zurückgehalten, um die Fangruppen zu trennen. Während einer anschließenden Panik stürzten sowohl Polizisten als auch Fans eine schmale Treppe herunter und verletzten sich teilweise schwer. Ein HSV-Fan liegt noch immer im künstlichen Koma. Polizisten und Fans schieben sich gegenseitig die Verantwortung für die Vorfälle zu. Einige Augenzeugen berichten, die Polizei hätte Schlagstöcke eingesetzt.

Ein Fan des Hamburger Sportvereins: (Name der Redaktion bekannt)

"Seit Jahrzehnten bin ich HSV-Fan, ich gehe regelmäßig zu Heimspielen. Es war mein erstes Auswärtsspiel im HSV-Block. Und mein letztes. In Bremen war ich "Tourist" in Lederjacke, unter der das Trikot hervorschaute. Die Polizei Bremen sagt, eine Gruppe von HSV-Fans, die ihren Anschlusszug nach Schleswig-Holstein nicht verpassen wollte, habe die Polizeisperre mutwillig durchbrochen. Ich gehörte zu dieser Gruppe. Doch die Vorwürfe sind falsch.

Es stimmt, ich stand mit meinem Kumpel in den ersten Reihen, und wir haben mit den Polizisten gesprochen. Ich habe ihnen gesagt, dass sie die Sperre auflösen sollen. Ich habe sie gewarnt, denn hinter mir wurden die Leute panisch und schrieen. Sie schrieen "Wir werden zerquetscht!", und sie schrieen "Duisburg!".

In der Tat haben wir den Polizisten gesagt, dass wir unseren Zug nach Schleswig-Holstein erreichen wollen. Doch die Sperre wurde nicht von uns durchbrochen, sondern weil die Menschenmenge von hinten nachdrückte und die ersten Polizisten stolperten. Ich hatte keine Todesangst, doch zwischendurch verlor ich Bodenkontakt, weil mich der Druck der Masse hob.

Es war ein Fehler der Polizei, die Sperre so lange aufrechtzuerhalten. Es war ein großer Fehler der Polizei, sie wieder aufrichten zu wollen. Dabei musste es zu Rempeleien und Verletzungen kommen.

Vermisst habe ich in dieser brenzligen Situation auch, dass wir davon unterrichtet werden, was passiert. Es gab keine Durchsagen, es fand kein Dialog mit der Polizei statt. Bei einer zweiten Sperre weiter unten sah ich Polizisten in Kampfpose. Da wusste ich, die machen ernst. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Polizei uns schützt. Auf dem Hinweg zum Stadion war es anders, locker. Auch ist mir klar, dass viele Polizisten nur ihren Einsatzbefehl ausführten.

Sicherheitsmaßnahmen bei Fußballspielen sind notwendig. Auch am Samstag waren wieder manche Fans auf Provokation aus, einige auf Krawall. Im HSV-Block waren mehr Fans als zugelassen waren, weil sie sich mit Karten von anderen reinschmuggelten. Doch gab es auch unter den Polizisten solche, die die Auseinandersetzung suchten.

Vor der Fahrt hatte ich Bedenken, dass die Quote der Problem-Fans bei Auswärtsfahrten höher ist als bei Heimspielen. Das hat sich nicht bewahrheitet, die Stimmung im Block war trotz der Niederlage gut, Andeutungen von Gewalt gab es auch im Kontakt mit Bremern zu keiner Zeit. Klar, wir sangen "Scheiß Werder!", doch als während des Spiels ein Typ in unserem Block Böller zündete, halfen die Umstehenden den Sicherheitskräften, ihn ausfindig zu machen. Der Block sang: "Wir sind Hamburger und Du nicht!" Eine Selbstreinigung."