EuGH-Urteil Wetturteil ist Meilenstein und Katastrophe
Das Sportwetten-Urteil hat den deutschen Sport gespalten. Während sich der Profifußball auf zusätzliche Millionen freut, fürchten die Landessportbünde um ihre Existenz.
© Lukas Barth/dpa

Der staatiche Sportwettenanbieter Oddset bekommt jetzt Konkurrenz
Michael Stich könnte zu den Gewinnern gehören. Durch das Urteil des europäischen Gerichtshofs (EuGH) über das unzulässige deutsche Monopol für Glücksspiel und Sportwetten öffnen sich für den früheren Wimbledon-Gewinner bisher zugeschlagen geglaubte Türen. Der Direktor des Tennis-Turniers am Hamburger Rothenbaum wird nun wieder beim früheren Namensgeber Bet-at-Home anrufen. "Da wird es sehr, sehr kurzfristige Kontakte geben", sagte Stich. Derzeit gibt es für das Turnier keinen Namenssponsor, das Hamburger Verwaltungsgericht hatte im Sommer 2009 geurteilt, dass das Unternehmen nicht als Werbepartner auftreten darf.
Der Profisport darf sich auf frisches Geld freuen. Experten sehen im Luxemburger Urteil die große Chance, einen Wettbewerbsnachteil im internationalen Vergleich aufzuholen und jährlich mehr als 300 Millionen Euro zusätzlich durch Sponsoring, Werbung und Abgaben privater Wettanbieter einzunehmen. Bisher war es deutschen Vereinen verboten, mit privaten Sportwetten-Unternehmen zu werben.
Die Spitzenfunktionäre des Sports reagierten am Mittwoch geradezu euphorisch. "Das Urteil ist ein Meilenstein", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) Thomas Bach am Mittwoch. In einer gemeinsamen Erklärung des DOSB, des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Deutschen Fußball Liga (DFL) und der Sporthilfe heißt es, das Urteil werde für die künftige Regelung von Lotterien und Sportwetten Klarheit schaffen. Und: "Sie stärken die Position des deutschen Sports."
Der Sport habe sich unter Federführung des DOSB in die Debatte um die Neufassung des Glücksspielstaatsvertrags der Länder eingebracht, meinten die Spitzenfunktionäre einhellig. "Die Entscheidungen ermöglichen das von uns vorgeschlagene Modell, am staatlichen Lotteriemonopol festzuhalten und zugleich eine staatlich regulierte Öffnung der Sportwetten umzusetzen."
Vor allem der deutsche Profi-Fußball sieht sich als heimlicher Gewinner: "Der DFB sieht durch dieses Urteil seine Auffassung bestätigt, dass es für Sportwetten in Deutschland kein Monopol geben darf", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Liga-Präsident Reinhard Rauball betonte: "Wir halten vor dem Hintergrund dieser Entscheidung mehr denn je an unserer Forderung nach einer kontrollierten Öffnung des Sportwettenmarktes fest." Nach Informationen der dpa plant die DFL, Lizenzgebühren zu erheben. Sogar eine Übereinkunft mit dem DOSB soll es bereits geben, die dem gemeinnützigen Sport knapp 80 Millionen Euro bringen könnte.
Auch Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge rechnet fest mit zusätzlichen Einnahmen für die Bundesliga. "Mit dem Urteilsspruch ist Chancengleichheit in diesem Punkt gewährleistet mit anderen europäischen großen Ligen wie Frankreich, Italien, Spanien oder England. Ich gehe davon aus, dass die Clubs aus der Fußball- Bundesliga davon profitieren werden", sagte er.
Doch das EuGH-Urteil sorgte nicht nur für positive Reaktionen. Zahlreiche der 16 deutschen Landessportbünde befürchten das Schlimmste. "Das Urteil ist eine Katastrophe. Wenn es keine Lösung gibt, geht es an die Existenz und macht keinen Spaß mehr", sagte Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen. "Das ist eine Bedrohung des Ehrenamts", sagte er. Sportwetten und Lotterien sind eine tragende Säule der Sportfinanzierung. Im Haushalt der Landessportbünde machen sie rund 80 Prozent aus.
Einmal in Fahrt forderte Hessens LSB-Präsident den Rücktritt von Thomas Bach. "DOSB-Präsident Dr. Bach vertritt ausschließlich die Interessen des DFB und der DFL. Es zeigt, dass er in seinem Interesse, IOC-Präsident zu werden, den ehrenamtlich geführten Sport aus den Augen verloren hat", erklärte Müller in einer Pressemitteilung.
Günther Lommer, Präsident des Bayerischen Landessportverbandes, kritisierte wie Müller die aktuelle Entwicklung. "Das ist alles andere als positiv, weil wir befürchten müssen, dass wir wesentlich weniger Geld bekommen", sagte Lommer. "Für den Breitensport ist es ein Fiasko, wenn nicht Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Privatanbieter genauso viel Geld in die Kassen spülen wie bisher und das ist derzeit nicht gewährleistet." Auch Norbert Skowronek, Direktor des Landessportbundes Berlin, reagierte bedrückt: "Das Urteil bereitet uns große Sorgen."
Erst im Juli hatte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper auf einer IOC-Konferenz die "enorme finanzielle Bedeutung von Sportwetten und Lotterien für den Sport" unterstrichen. "In Deutschland bilden sie mit fast 500 Millionen Euro jährlich eine tragende Säule der Sportfinanzierung", hatte Vesper in seinem Vortrag erklärt, "ohne sie könnte der Sport seine bedeutsamen Leistungen für das Gemeinwohl nicht erbringen. Darum ist es existenziell wichtig, diese Mittel für den Sport langfristig zu erhalten und möglichst auszubauen."
Der DOSB finanziere seine Arbeit zu 37 Prozent aus Erträgen der Glücksspirale, und das Lottomonopol habe bestens funktioniert. Im vergangenen Jahr setzte der Deutsche Lottoblock 6,72 Milliarden Euro um, davon 6,4 Milliarden Euro im Bereich der Lotterien.
- Datum 09.09.2010 - 11:36 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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(nebenbei gesagt, finde ich es ein Skandal, dass sich ein Staat Millionen mit Wetten, Glücksspiel und ähnlichem über Wasser hält oder noch gierig auf die Einnahmen ist).
Es bleibt einem staatlichen Lottoveranstalter doch unbenommen, in Konkurrenz zu treten und zum Beispiel die Ausschüttungen zu erhöhen, um attraktiver zu bleiben. Z.B. 30 Euros für 3 richtige, grundsätzlich und immer und des Rest (4-5-6 Richtige)so lassen. Da muss man nicht jammern und abgrapschen was abzugrapschen geht, jeder Unternehmer im Wettbewerb muss sich ein bisschen anstrengen. Warum sollte sowas dem Staat als Glücksspielkassierer anders ergehen...?!
Ein Wettanbieter, der nicht transparent für die Kunden arbeitet oder unkorrekt auszahlt, der ist weg vom Fenster. Da kontrolliert der Kunde gut genug. Was der Staat hier kontrollieren will, erschließt sich nicht. Ein Wettanbieter hat doch, fähige Buchmacher vorrausgesetzt, die Lizenz zum Gelddrucken-da mauschelt keiner, wozu auch, das Geld kommt sicher rein.
Persönlich sähe ich lieber Korrekturen beim Lotto. Weshalb so niedrige Gewinne? Wo kann man sehen, wohin die Millionen gehen, die nicht ausgeschüttet werden? Meist fließen die doch nur in irgendwelche Sportförderungen oder Kunstprojekte, bei bedürftigen Menschen landet davon in der Regel nichts. Dann kann man die Gewinne auch offiziell privatisieren, denn von Sportlerförderung oder Museen hat das Land überhaupt nichts, jedenfalls nicht mehr, als wenn irgendwo ein Lotteriebesitzer in seiner Yacht rumlümmelt.
Wenn der DFB mehr Gled bekommt ist das doch erst mal gut. Er wacht doch immer über die Amateure, troz der angeblichen Abzocke durch die Proficlubs.
Dann bleibt es den Lottogesellschaften überlasssen, konkurrenzfähige Angebote zu machen. Man kann doch z. B. in anderen Ländern viel mehr Geld gewinnen als hier?
Dass plötzlich alle zu den Privaten wechseln ist doch auch nicht ausgemachte Sache. Und der deutsche Staat darf ja die Modalitäten regeln.
Warum sollte Thomas Bach zurücktreten. Hat er das Gericht bestochen oder die Gesetze gemacht?
Ich meine, man sollte mal abwarten. Bestandsschutz ist gut aber wenn er gegen geltens Recht verstösst, ist er auch nicht akzeptabel und auch nicht nachhaltig. Es gibt m. E. Möglichkeiten, aus mehr Geld mehr Positives auch für Staat und Gesellschaft zu gerieren.
Es ist inzwischen längst überfällig, dass das staatliche Glücksspielmonopol aufgebrochen wird. Hier geht es den Ländern doch nur darum, kräftig abzukassieren. Sicherlich, es fließt immer ein bisschen in den Denkmanschutz oder in den Sport, doch sind das wirklich förderungswürdige Bereiche? Es wäre doch viel besser, wenn sämtliche Einnahmen nach Abszu gon Steuern und Kosten ausgeschüttet würden. Warum immer diese staatliche Absahnerei? Davon leistet sich dann Angie teure Grillfeste mit Bush (8 Millionen), der Durchschnittsbürger hat davon überhaupt nichts.
Die Kreativität der Lottoges. beschränkt sich wie bei allen monopolistisch geführten und strukturierten Gebilden immer in Richtung Abzocke. Der Einsatz für das Spiel 77 wurde ab 01. 09. auf 2,50€ (bisher 1,50€) erhöht und somit um 66,66% teurer.
Der Staat beanspr. 17% Lotteriesteuer, 23% Konzessionsabgabe für den Fiskus, 7,5% Prov. für die Annahmest. und 2,8% erhält die Lottoges..
Die Bekämpfung der Spielsucht als Rechtfertigung für das staatl. Monopol dürfte ob der riesigen Einnahmen und der Vielzahl der Produkte als vorgeschoben enttarnt sein. Neben 6 aus 49 mit Spiel 77 und Super 6 versuchen GlücksSpirale, TOTO, Oddset, KENO, Bingo und div. Zusatzlotterien unsere Gier zu bekämpfen. So erfahren Sie sofort beim "extraGehalt" Gewinnspiel für 2€ in Bayern, ob und wieviel Sie gewonnen haben (max. 5.000€ monatlich, 6 J. lang). In Sachsen-Anhalt gibt es nur 1.000€ für 5 J. Bei einer Chance auf den Hauptgewinn von 1:5.000.000 (Bayern) bzw. 1:738.000 (SA) wäre jedoch zu überlegen, wo das Suchtpotential beheimatet sein sollte.
Die Chefpositionen bei div. Lottoges. wurden in der Vergangenheit gerne als "Altersruhesitze" an "verdiente" Personen verteilt, die wiederum bei der Vergabe der Werbeetats gerne im Freundeskreis agierten.
Dieses Geschachere aufzubrechen erfordert jedoch eine (Föderalismus) Reform, die von beteiligter Seite niemals erwartet werden darf. So bleibt den der Müll wie auch Lotto "Ländersache.
PS: Der Profifußball verdient auch an der GEZ Gebühr.
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