Nach den Fußball-Krawallen von Genua sind 19 mutmaßliche Randalierer auf ihrem Heimweg nach Serbien festgenommen worden. Sie wollten in Bussen über Ungarn und Kroatien einreisen, wie die serbische Polizei mitteilte. Auch in Italien waren bereits zahlreiche Fußballfans nach den schweren Ausschreitungen beim EM-Qualifikationsspiel im Stadio Marassi festgenommen worden. Die Partie war am Dienstag in der 7. Minute abgebrochen worden. Insgesamt gab es 16 Verletzte.

Die Führung des serbischen Fußballverbands FSS kündigte für Freitag ein Krisentreffen an. Dort soll über Konsequenzen aus den Vorfällen diskutiert werden. Der Verband will die Ergebnisse der Analyse an die Europäische Fußball-Union (Uefa) schicken. Am 28. Oktober berät die Disziplinarkommission der Uefa über mögliche Maßnahmen gegen Serbien.

Serbiens Oberster Verteidigungsrat, der unter anderem von Präsident Boris Tadic geleitet wird, warf "Hooligans und anderen extremistischen Organisationen" vor, die Sicherheit des Staates unterlaufen zu wollen. Erst am Sonntag war es nach dem ersten Umzug von Homosexuellen in Belgrad zu schweren Krawallen gekommen.

Italiens Außenminister Franco Frattini nahm Serbien vor der in Italien und international geäußerten Kritik in Schutz. "Serbien ist das Opfer einer Gruppe von Kriminellen geworden", sagte der Minister. Die Vorfälle seien eine Schande für die serbischen Extremisten, nicht jedoch für das Land, dem man auf dem Weg in die Europäische Union zur Seite stehe.

Die italienische Regierung und der italienische Fußballverband (FIGC) wiesen jegliche Mitverantwortung von sich. Obwohl Italien als Gastgeber in Genua gemäß den Regeln der Europäischen Fußball-Union (Uefa) die Sicherheit im Stadion zu gewährleisten hatte, treffe es keinerlei Mitschuld. "Eine Strafe von Seiten der Uefa würde mich enttäuschen", sagte Italiens Innenminister Roberto Maroni. Allerdings hätten gewaltbereite Fans seiner Ansicht nach bereits in Serbien darin gehindert werden müssen. "Wenn die Uefa unser Sicherheitssystem angewendet hätte, hätten die Kriminellen gar nicht einreisen können", sagte der Innenminister. Randalierende Fußballfans erhalten in Italien Stadionverbot und müssen sich während brisanter Spiele auf einer Polizeiwache melden.

Maroni bestritt, von Belgrad auf die Gefährlichkeit der anreisenden Fans hingewiesen worden zu sein. "Es gab nur ein Fax mit der Information, dass 200 Fans kommen würden", betonte Maroni. Später sei die Zahl bei einer Besprechung mit der Uefa auf 1200 erhöht worden. Eine Warnung habe es aus Belgrad jedoch nicht gegeben.

Die Wahl des Marassi-Stadions sei allerdings diskussionswürdig. Sicherheitskontrollen in dem Stadion, das knapp 40.000 Besucher fasst, wurden offenbar nicht streng genug durchgeführt. Zudem biete das Stadion in Genua nicht genug Platz für Kontrollschleusen an den Zugängen.

Der Fußballverband wies die Zweifel an der Stadionwahl zurück. Das Marassi-Stadion sei regelkonform und regelmäßig Austragungsort für Erstliga- und Europacup-Partien. "Wir haben ein reines Gewissen und zusammen mit der Polizei getan, was wir tun konnten", betonte FIGC-Direktor Antonello Valentini.