Den ganzen Tag über war die Unterstützung für die Amateurfußball-Internetplattform Hartplatzhelden.de groß. Die Community stand ihrem Schützling via Twitter und Facebook im schweren Auswärtsspiel beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe zur Seite.

Es ging um viel. Der BGH hatte nicht weniger Elementares zu beurteilen als die Frage: Wem gehört der Sport? Oder zumindest der Amateurfußball? Die Antwort: Nicht nur dem Verband. Der für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat hat entschieden, "dass ein Fußballverband es hinnehmen muss, wenn kurze Filmausschnitte von Amateurfußballspielen seiner Mitglieder im Internet öffentlich zugänglich gemacht werden".

Über mehrere Jahre stritt sich Oliver Fritsch, Gründer der Hartplatzhelden, der auch für ZEIT ONLINE tätig ist, mit dem Württembergischen Fußballverband (WFV). Der sah es gar nicht gerne, dass die Hartplatzhelden auf ihrer Seite Videoschnipsel von Amateurspielen zeigten. Da könne ja jeder kommen, schließlich sei es doch der WFV, der die Spiele organisiere, also lägen bei ihm auch die Verwertungsrechte. Und weil der Verband möglicherweise glaubt, dass im Amateurfußball-TV-Markt in naher Zukunft viele Millionen Euro bewegt werden können, klagte er und bekam vorm Landgericht und Oberlandesgericht Stuttgart Recht. Die Hartplatzhelden zogen vor den Bundesgerichtshof.

Die Richter haben mit ihrem Urteil nun ein Rechtemonopol verhindert. Dem Amateurfußball hätte nichts Besseres passieren können. Der Hobbysport, der immer mehr in den stetig wachsenden Schatten des Profifußballs gerät, kann jede, aber auch wirklich jede, Präsentationsplattform brauchen.

Hätte der Verband Recht bekommen, hätte nur er, als Monopolist entscheiden können, wo und wie diese Bilder zu sehen sind. Wahrscheinlich auf fussball.de, eine Plattform, die der Deutsche Fußball-Bund flugs nach den Hartplatzhelden ins Leben gerufen hat. Oder die Verbände hätten Lizenzen ausgegeben. Gegen Geld, versteht sich.

Der Hessische Fußballverband beispielsweise verbot bereits Lokalzeitungen ohne entsprechende Nutzungserlaubnis, Bewegtbilder von Amateurspielen zu zeigen. Auch einzelne Vereine wurden bereits gemahnt, auf YouTube verbreitete Spielszenen zu entfernen. Praktiken, die mit diesem Urteil der Vergangenheit angehören dürften.

Aber die Freizeitsportler würden doch von diesen Lizenzgebühren profitieren, argumentierten die Fußballfunktionäre. Nur glauben mag man es ihnen nicht. Welche kommerziellen Interessen einige Funktionäre der großen Fußballverbände tatsächlich zu verfolgen scheinen, zeigen die Skandale um Fifa und Uefa derzeit zur Genüge. Der Fußball gehört eben nicht den Herren Blatter, Platini und Zwanziger, sondern dem Bezirksliga-Libero und Kreisklassen-Stürmer.

Zudem serviert das Urteil den online-technisch immer noch etwas hinterherhinkenden großen Sportverbänden eine andere Erkenntnis auf dem Silbertablett: Ihr dürft euch vor der digitalen Revolution nicht verstecken. Je stärker Twitter, Facebook und andere Innovationen, an die wir heute noch gar nicht denken können, wachsen, desto weiter wird der Begriff der Presse und der Sportberichterstattung. Ein restriktives Vorgehen ist bei dieser Vielzahl von technischen Möglichkeiten zum Scheitern verurteilt.

Am Ende gaben die Karlsruher Richter dem WFV einen nur scheinbar gut gemeinten Ratschlag mit auf den Heimweg. Sie sollen doch einfach die Taschen ihrer Besucher kontrollieren. "Der Kläger kann sich über die ihm angehörigen Vereine eine entsprechende wirtschaftliche Verwertung der Fußballspiele in seinem Verbandsgebiet dadurch hinreichend sichern, dass Besuchern der Fußballspiele Filmaufnahmen unter Berufung auf das Hausrecht untersagt werden." Eine Empfehlung, die im Zeitalter des Fotohandys wie aus einem vergangenen Jahrhundert wirkt.