ZEIT ONLINE: Herr Hitzlsperger, mit einem Fußballer über Bücher reden. Das hört sich fast wie ein Widerspruch an.

Thomas Hitzlsperger: Ich habe auch schon ein paar Mal gehört, dass man irgendwie anders sein soll, nur weil man als Fußballer Bücher liest. Aber ich kenne genug Kollegen, die auch lesen. Es ist also kein Widerspruch.

ZEIT ONLINE: Welche Bedeutung hat Lesen in Ihrem Leben?

Hitzlsperger: Lesen ist für mich Abwechslung und Ablenkung. Es entspannt mich und bildet.

ZEIT ONLINE: Es gibt Leute, die lesen nur im Urlaub, täglich im Bett oder nur in der U-Bahn. Einige fangen sieben Bücher an und lesen keines zu Ende. Welcher Lese-Typ sind Sie?

Hitzlsperger: Das ist unterschiedlich, ich lese oft aber nicht jeden Tag, manchmal auch eine Woche gar nicht. Die Bücher, die ich nicht zu Ende gelesen habe, kann ich an einer Hand abzählen. Bevor ich aufhöre, muss es schon verdammt schlimm sein. Mein Lieblingsleseort ist meistens ein schönes Café oder zu Hause auf dem Sofa. Aber mein Buch ist meistens dabei, ich lese auch in der U-Bahn.

ZEIT ONLINE: Welches Buch hat Ihr Leben verändert?

Hitzlsperger: Hmm, kein Buch hat bisher mein Leben verändert. Es gab ein paar, die mir gut gefallen haben und über die ich dann mit Freunden gesprochen habe. Es gibt Bücher, die man schnell wieder vergisst und welche, über die man lange nachdenkt.

ZEIT ONLINE: Welche Werke haben Sie in Ihrer Jugend geprägt?

Hitzlsperger: Ich habe in meiner Jugend gar keine Bücher gelesen. Es liegt erst ein paar Jahre zurück, dass ich angefangen habe zu lesen. Als Schüler hatte ich überhaupt keine Lust zu lesen. Das, was ich in der Schule lesen musste, reichte mir völlig aus. Und anschließend gab es nur Fußball für mich.

ZEIT ONLINE: Und wieso haben Sie angefangen Bücher zu lesen?

Hitzlsperger: Als ich Profi wurde, bin ich von München nach Birmingham gewechselt. Meine damalige Freundin hat sehr viel gelesen. Ich konnte das nicht verstehen. Wieso liest sie so viel? Und wieso hat sie Spaß daran? Das habe ich mich gefragt. Dann habe ich mir auch mal ein Buch geschnappt.

ZEIT ONLINE: Welche Macht haben Bücher heutzutage?

Hitzlsperger: Für Leute die lesen, haben Bücher eine enorme Kraft. Sie bilden, sind Diskussionsgrundlagen. Ich will jetzt nicht alles schlecht machen, aber so viel guten Inhalt gibt es bei uns im Fernseher nicht. Da ist mir ein gut recherchiertes Buch lieber.

ZEIT ONLINE: Wie lange dauert es, bis Sie wieder vergessen haben, was in einem Buch stand?

Hitzlsperger: Die Handlung bleibt länger in meinem Kopf, aber Details vergesse ich schon sehr schnell, wenn sie nicht mehr relevant für mich sind. Nach dem nächsten oder übernächsten Buch sind die meist schon wieder weg.

ZEIT ONLINE: Mit wem reden Sie darüber, was Sie lesen?

Hitzlsperger: Die meisten Bücher werden mir empfohlen. Mit diesen Leuten spreche ich dann auch über ihre Empfehlungen. Ansonsten: Immer wenn ein Buchthema angesprochen wird, redet man darüber mit Freunden – auch aus dem Fußballgeschäft. Das Vorurteil ist zwar ein anderes, aber wie gesagt: Es gibt einige lesende Fußballer.

ZEIT ONLINE: Wie viele Bücher stehen in Ihrer Wohnung?