Mölsheim, tiefste Pfalz. 650 Menschen leben hier. Das Radrennen, der Mölsheimer Weinpreis, erlebt in diesem Sommer seine 45. Auflage. Viele der Radsportler fahren seit Jahren bei solchen Dorfrennen gegeneinander. Sie begrüßen sich mit Handschlag. Auch Philip Schulz war schon in Mölsheim am Start. Freudig begrüßt wird er nicht. "Aha, der Doper ist auch wieder da", ruft ihm jemand entgegen. Ein ehemaliger Teamkollege.

Philip Schulz, 31, aus Krickenbach bei Kaiserslautern. Für die Wenigsten ist er derjenige, der das Schweigen gebrochen hat. Der erste Amateursportler, der die Kronzeugenregelung der Welt-Anti-Doping-Agentur genutzt und seinen Dealer, seine Mitdoper, sein Umfeld preisgegeben hat. Für viele seiner früheren Bekannten ist er ganz einfach: Ein Doper, ein Wichtigtuer, ein Verräter. Für sie ist allein der Name Philip Schulz Grund genug, laut aufzustöhnen, die Augen zu verdrehen, loszuschimpfen.

Philip Schulz sitzt am Wohnzimmertisch des elterlichen Hauses und versucht zu erklären, wie er zum Doper wurde. "Irgendwann macht man sich Gedanken: Woher kommt dieser große Leistungsunterschied?", sagt er. "Irgendwann hält man es für nötig, auf diesen Zug aufzuspringen." Schulz war Ende 20 und hatte sein ganzes Leben in den Traum vom Profisport investiert. "Dann sagte ich zu mir: Mit Doping wärst du auf der letzten Etappe nicht abgehängt worden, dann hättest du den Sprung geschafft."

Über zwei Jahre ist er mittlerweile her, der Tag, der Philip Schulz' Leben von Grund auf verändert hat. Im pfälzischen Rhodenbach, irgendwo zwischen Krickenbach und Mölsheim, wird Schulz damals mit zwei Minuten Vorsprung Landesverbandsmeister. Es ist der größte Erfolg seiner Karriere. Nach dem Rennen wird Schulz positiv auf ein Steroid getestet.

Eine Odyssee beginnt. Seinen ersten Anwalt bekommt er über Kontakte in der heimischen Radszene. Der Anwalt rät ihm von einem Geständnis ab, Schulz soll seine Kollegen nicht belasten. Später vertraut sich Schulz Anti-Doping-Kämpfern an – und entschließt sich, doch noch auszupacken.

Was Schulz daraufhin dem Bundeskriminalamt, einem Fernsehteam, dem Radsportverband und der Nationalen-Anti-Doping-Agentur erzählt, hat ihn in Teilen der Szene für immer zum Außenseiter gemacht. Schulz berichtet nicht nur, welche Dopingsubstanzen er selbst genommen hat, er nennt auch Dealer und Mitdoper. Seitdem laufen mehrere Ermittlungsverfahren, es gab Hausdurchsuchungen, Telefonüberwachungen und erste Geldstrafen. Der Dealer, Schulz' damaliger Teamchef, ist zu 200 Tagessätzen verurteilt worden.