Beim Glücksspiel schützt der deutsche Staat seine Bürger vor sich selbst. Diese paternalistische Haltung muss er, sobald Geld im Spiel ist, einnehmen, weil manche Menschen zur Spielsucht neigen. Sie können die ökonomischen Risiken ihres Tuns nicht abschätzen und könnten Folgestraftaten begehen. In Deutschland wird die Zahl der Spielsüchtigen auf 200.000 geschätzt.

Für diese Regeln und Schutzmaßnahmen gibt es den Glücksspielstaatsvertrag, der dem Staat zum Beispiel das Monopol auf Sportwetten und Lotto sichert. Da der Europäische Gerichtshof im September dieses Monopol infrage gestellt hat, muss der Gesetzgeber handeln. Am 20. Oktober beraten die Chefs der Staatskanzleien der Bundesländer, wie sie das Glücksspielwesen neu ordnen können.

Einen Hinweis erhalten die Politiker aus der Wissenschaft. Begründet wird der Glücksspielstaatsvertrag nämlich mit der Unterscheidung zwischen Glücksspiel und Geschicklichkeitsspiel. Bei Glücksspielen greift der Staat ein, bei Geschicklichkeitsspielen nicht. Diese Kategorisierung könnte jedoch zu grob sein. Zu diesem Urteil kommen Andreas Glöckler und Emanuel Towfigh, zwei Bonner Juristen, in einer empirischen Studie über Sportwetten (Andreas Glöckner, Emanuel Vahid Towfigh, Geschicktes Glücksspiel. Die Sportwette als Grenzfall des Glücksspielrechts , issue 2010/32, Bonn, Max Planck Institute for Research on Collective Goods, 2010).

Die zwei Ausgangspunkte: Sportwetten werden im Allgemeinen als Glücksspiel aufgefasst. Aber wie viel Glück ist wirklich dabei? Und wie viel Geschick? Und was bedeutet das für die Frage, ob Sportwetten gefährlich oder harmlos sind?

Die Versuchsteilnehmer tippten ausgewählte Bundesliga-Spiele der Spielzeiten 2008/09 und 2009/10. Dabei gaben sie ihre Tipps sowohl drei Wochen als auch zusätzlich drei Tage vor dem Spiel ab. Zuvor wurden die Teilnehmer anhand ihres Fußballsachverstands eingeteilt, sie lösten ein Sportquiz und gaben eine Selbsteinschätzung ihrer Fähigkeiten ab. Damit sollte der Einfluss ihres Wissens auf das Ergebnis geprüft werden, aber auch der Glaube der Spieler daran.

Tatsächlich waren die Wetten bedeutend erfolgreicher, wenn sie drei Tage vor dem Spiel abgegeben wurden. Und zwar vor allem bei den Fußballkompetenten, die verschiedene Informationen in ihre Vorhersage einbezogen, etwa Verletzungen von Schlüsselspielern oder die Form der Mannschaft. Bei einem Vorlauf von drei Wochen entfiel jeglicher Vorsprung, den man durch Geschicklichkeit und Wissen erwerben kann.